Nachtrag vom 5. Juni :
Westerwelle hat bei der Auseinandersetzung
mit seinem Stellvertreter ein Schlappe erlitten.
Er konnte nicht erreichen, dass der
umstrittene Abgeordente Karsli auch aus
der FDP Fraktion ausgeschlossen wird.
Gegen Möllemann konnte sich Westerwelle
damit nicht durchsetzen.
Möllemann erreichte, dass der Vorstand
Westerwelles ablehnte und Karsli erst
dann zur Fraktion austreten müsste,
falls er seine antisemitischen Äusserungen
wiederhole. Diese Niederlage ist für den
Kanzlerkandidat
gravierend. Nun ist Möllemann der starke Mann.
Die Geschichte wird zum Fall Westerwelle.
Möllemann konnte seine Uneinsichtigkeit
überdeultich artikulieren, indem er
nachträglich zu seiner Entgleisung
zufügte:
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"Ich werde vor Friedman nicht kriechen!"
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Möllemanns Intransigenz wird die
Kontraverse bestimmt zusätzlich anheizen.
Wenn sich ein Bundesvorsitzender nicht
gegen die Landespolitiker seiner Partei
durchsetzen kann, erleidet seine Autorität
empfindlichen Schaden.
Parteichef Scharping musste dies Mitte der
neunziger Jahre erleben, als er Schröder
und Lafontaine nicht zu bändigen wusste.
Der Medienspiegel bestätigt diese
Einschätzung. Seit Tagen dominiert das
Westerwelle-Möllemann-Thema die
Frontseiten und Gesprächsrunden der
wichtigsten deutschen Medien.
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Nachtrag: Westerwelle geht in die Offensive.
Bekanntlich kann nach der Chaostheorie ein Schmettling
mit einem Flügelschlag später ein Gewitter
auslösen. Im Chaos der Diskussion über die
Antisemitismusaussagen merkte Westerwelle, dass
sich die FDP in einer heiklen Situation befindet.
Westerwlle musst handeln, damit ihm Möllemann
nicht die Szepter aus der Hand nehmen kann.
Er musste ein Zeichen setzen, um zu zeigen wer das Sagen
hat. Westerwelle stellte am 5 Juni Möllemann ein
Ultimatum: Wenn der umstrittene ehemalige Grüne
Jamal Karsli bis zum Montag nach seinen neuerlichen
Aussagen weiterhin Mitglied der nordrhein-westfaelischen
Landtagsfraktionen sei, sei "eine weitere vertrauensvolle
Zusammenarbeit" mit Möllemann nicht mehr möglich.
Damit sind die Richtungskämpfe in der Partei
sichtbar geworden. Wer wird sich durchsetzen?
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Nachtrag 7. Juni. Möllemann lenkt ein und schlägt nach.
Mit der Entschuldigung laesst es Möllemann nicht bewenden.
Er fügte bei: "Ich habe meine Entschuldigung nicht an
Herrn Friedman gerichtet. Der hat sie auch nicht verdient."
Dass Möllemann weiterhin unberechenbar bleibt, macht
folgende Zusatzbemerkung bewusst. So beschrieb er Friedman als
"einen ziemlich unerträglichen arroganten Menschen."
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Nachtrag 8. Juni, Möllemann kann es nicht lassen.
Er griff auch prominente FDP Politiker wie Hildegard Hamm-Brücher an.
Hamm-Brücher verlangt nun den Rücktritt
Möllemanns als FDP Vize. Wir haben allmählich das Gefühl,
dass es Möllemann in der Rolle des Provokateurs recht wohl ist.
Der sonst redselige Möllemann hält sich im Moment zurück.
Der zweite stellvertretende FDP-Bundeschef Walter Döring äusserte
sich im Magazin "Fokus" mit einer
soundbitefähigen Aussage die dann an mehreren Orten
zu lesen war:
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"Möllemann ist und bleibt eine tickende Zeitbombe".
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Die von Möllemann angegriffene
Hildegard Hamm-Brücher sagte:
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"Niemand kann wissen, was dem Herr Möllemann
heute Abend oder morgen früh wieder einfällt-
nicht einmal ein Prophet."
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Möllemann meint zum ganzen Medienwirbel:
Ob mit diesem Schusspunkt die Diskussion rund um die
Antisemitismus-Affaire beendet ist?
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Nachtrag 11. Juni, Moellemann tritt erneut ans Schienbein.
Die Bezeichnung "Querulanten" die Möllemann
für die ihn kritisierenden FDP Politiker gebraucht hatte,
nahm der angeschossene Provokateur nicht zurück.
Im Gegenteil: Anstatt nach der Aussprache auf Zweikämpfe
zu verzichten, schlug Möllemann noch eins drauf.
Möllemann doppelte in überheblichem Ton nach:
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"Die Querulanten sollen nur gehen! Gute Reise!"
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Es ist erstaunlich, dass sich das "Enfant terrible"
der FDP trotz heutiger kalten Dusche nicht etwas
zurückhielt. Ein Freund Möllemanns liess sogar
stolz verlauten:
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"Wir haben Wind gesät. Wie müssen uns
über den Sturm nicht wundern."
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