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Motivieren - aber wie?



Andere motivieren - sich selbst motivieren; aber wie? Manche Bewerber werden nicht eingestellt, weil sie nicht anders eingestellt sind. [PDF]

von Hildegard Knill + Marcus Knill

In der Cafeteria seufzt Kurt - ein Abteilungsleiter: "Ich frage mich nur, weshalb ich die Teammitglieder für das Projekt nicht besser motivieren konnte." "Ich sage dir, wie ich es in meiner Abteilung handhabe," erwidert sein Kollege Roland: "Motivation beginnt mit Selbstmotivation. Unsere Mitarbeiter erwarten immer, dass sie von uns Chefs motiviert werden. Ein typisches Konsumverhalten. In meiner Abteilung hatte ich die besten Erfolge mit dem Selbstmanagement. Denn: Selbstmotivation beginnt beim Selbstmanagement. Derjenige, der seine Stärken kennt, seine Fähigkeiten fördert; wer zudem die eigenen Schwächen reduziert und Schlechtes gezielt ausmerzt, der motiviert sich am effizientesten. Selbstmotivation ist meine Zauberformel".


Dieses Gespräch an der Stehbar macht uns bewusst, dass Motivation nicht einseitig betrachtet werden darf. "Andere motivieren können" ist die eine Seite, "sich selbst motivieren" die andere. Beides ist notwendig. Viele suchen im Alltag nur nach konkreten Rezepten, so wie es Kurt in der Cafeteria thematisiert hat. Motivation wird in der Arbeitswelt vor allem als Bereitschaft zur Leistungserbringung betrachtet, die dem eigenen Unternehmen Nutzen bringt. Wer sich jedoch eingehender mit den Motivationsphänomenen befasst, stellt in der Praxis rasch fest: Motivation ist zwar eine Antriebskraft für Handlungen. Aber diese Kraft, dieser Motor benötigt laufend Kraftstoff . Es gibt zwar eine Motivation, die in der Sache selbst innewohnt, wie die Freude an einer bestimmten Aktivität, ohne zusätzliche Stimulation z.B. die "Freude an der Bewegung". Doch geht es in der Berufswelt nicht in erster Linie um diese sogenannte intrinsische Motivation. "Movere" (lat) heisst: "Etwas bewegen". Wer motivierten will, der möchte andere auf etwas ausrichten. Selbstverständlich können wir uns, wie erwähnt, auch selbst motivieren. Die Sportler sprechen dann von "mentaler" Arbeit. Dazu zählen unter anderem die autosuggestiven Techniken. Die Selbstmotivation ist aber eindeutig schwieriger als die Motivation von aussen. Wir verzichten nachfolgend bewusst darauf, alle Motivationsfaktoren zu beleuchten. Aus unserer praktischen Erfahrung möchten wir lediglich auf ein paar besonders wichtige Faktoren hinweisen, die im Alltag zu wenig berücksichtigt werden:


  • Sich selbst und andere motivieren kann nur jemand, der von seiner Meinung überzeugt ist und selbst über genügend Begeisterungsfähigkeit verfügt. Ohne eigenes Feuer (feu sacré) kann niemand, weder im eigenen Herzen noch im Innern der Mitmenschen ein Feuer entfachen.
  • Glaubwürdigkeit erleichtert das Motivieren. Ein Vorgesetzter kann diese Glaubwürdigkeit nicht künstlich aufbauen. Er muss selbst an das glauben, was er sagt. Zudem muss er auch an die Fähigkeiten der Mitarbeiter glauben.
  • Die Einstellung zur Sache und zu den Mitarbeitenden beeinflusst die Motivation enorm. Viele werden nicht eingestellt, weil sie nicht anders eingestellt sind . Tatsächlich können wir unsere Einstellung Menschen und Arbeitsprozessen gegenüber stets neu beeinflussen. Die Bedeutung der optimistischen Grundeinstellung sich selbst und anderen gegenüber darf nicht unterschätzt werden.
Unsere Antriebskräfte (Motivation) werden beschleunigt durch:
  • eine natürliche Stimme , die mit der situativen Stimmung übereinstimmt (Der Ton macht bekanntlich die Musik).
  • das ständige Bemühen: Die eigenen wie auch die fremden Stärken und Schwächen zu kennen .
  • Anerkennung des Erfolges d.h. durch das Erlebenlassen des Erfolges. Jeder Mensch möchte von anderen akzeptiert werden. Vorab Lob und die Bestätigung des Erfolges steigert das Selbstwertgefühl. Durch die Anerkennung werden die Erfolgserlebnisse bewusst gemacht. Der Lernerfolg ist und bleibt eine der wichtigsten Antriebskräfte bei allen Motivationsprozessen.
  • Förderung der Eigenverantwortung . Das heisst: Die Mitarbeitenden auftragsorientiert arbeiten lassen ohne dauerndes Einflussnehmen und Kontrollieren. Die Führungskraft gewinnt damit nicht nur Zeit und Energie. Die Freude und Begeisterung für die Arbeit wächst auf beiden Seiten.
Die nachfolgende Anleitung zur Demotivation macht uns deutlich, dass wir tagtäglich andere demotivieren, indem wir:
  • Misserfolge betonen (Lernpessimismus verbreiten)
  • Schlechte Arbeitsbedingungen schaffen
  • Auf Lob und Belohnung verzichten
  • Informationen vorenthalten (Ziele nicht klar formulieren)
  • Den Leerlauf und die Langeweile fördern
  • Das Versagen mehrfach zulassen bis der Misserfolg programmiert ist
  • Keine Neugierde an Arbeitsprozessen zulassen


Versuchen wir frühzeitig die untrüglichen Zeichen der Demotivation zu erkennen, um rasch zu reagieren. Entwickeln wir ein Frühwarnsystem mit der Beantwortung ähnlicher Fragen:

  • Werden die Mitarbeiter schweigsam?
  • Äussere ich mich nicht mehr?
  • Werden Anordnungen unkritisch ausgeführt?
  • Denke ich beim Arbeiten nicht über das nach, was ich tue?
  • Herrscht Gleichgültigkeit, wenn etwas nicht funktioniert?
  • Lassen sich Mitarbeiter oder lasse ich mir widerstandlos Arbeit aufbürden, obwohl ich es nicht schaffen kann?


Wir sehen: Ohne Motivation läuft wenig. Ein hilfreicher Tipp zu Selbsthilfe: Notieren Sie sich künftighin jede Woche einmal, was Sie persönlich besonders motiviert hat und notieren Sie ebenfalls, mit welchen Massnahmen, Argumenten oder Verhaltensweisen Sie Ihre Mitarbeitenden erfolgreich zu motivieren vermochten.




Dies ist ein Fachbeitrag im STELLENMARKT (Beilage "Schaffhauser Nachrichten", "Der Landbote" und "Thurgauer Zeitung") vom 8. April 2000. Beachten Sie auch die Seite über Motivation in "Führen-aber wie?" . Siehe auch [PDF] von SVB. Dieser Artikel wird auch im Beitrag Tipps zur Selbstmotivation zitiert.









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