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www.rhetorik.ch aktuell: (01. Sep, 2007)

Silvia Blocher ist nicht Hillary Clinton

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:


Verschiedentlich wunderten wir uns, wie aufdringlich und aktiv sich Silvia Blocher in die Politik einmischt und sich immer wieder als Coach des Ehemannes offen zu erkennen gibt. Nun tingelt Silvia Blocher im Wahlherbst durch die Lande und mischt sich als Bundesratsgattin in den Wahlkampf ein.




"Das ist eine total neue Qualität in der Schweizer Politik",


sagt die bekannte Politologin Regula Stämpfli und wundert sich, dass diese Phänomen in der Öffentlichkeit nicht breiter diskutiert wird.:

"Es geht schliesslich um die politsiche Kultur unseres Landes."


Tatsächlich ist noch nie eine Bundesratsgattin oder ein Gatte einer Bundesrätin in diesem Ausmass ein Teil der Politik des Ehepartners geworden. Bis anhin zählte stets die Devise: Der Partner hält sich in der Öffentlichkeit bewusst zurück. Der "Blick vom 30. August befragte sie: Die Ehefrau von Bundesrat Schmid hält sich in politischen Belangen bewusst zurück. Die Ehefrau von Bundesrat Leuenberger äussert sich nur zu ihrem Beruf als Architektin, aber um keinen Preis zur Politik. Auch Frau Couchepin verzichtet bewusst auf öffentliche Auftritte. Frau Merz mischt sich nie in der Politik ein und der Mann von Doris Leuthard hat auch keine Zeit für die Politik.

In Deutschland mischte sich nur Doris Schröder immer wieder als Anwältin des Mannes in politischen Fragen oder bei Angriffen auf ihren Gatten aktiv ein. Sie kam damit aber nie gut an.

Auch Frau Clinton verbrannte sich früh die Finger, als sie als Gattin des Präsidenten aktiv in der Gesundheitspolitik eingreifen wollte. Nachher hielt sie sich jedoch zurück und erduldete auch den Seitensprung ihres Mannes. Erst nach dem Rücktritt Bill Clintons betrat sie aktiv die politische Bühne.

Das aktive Eingreifen von Silvia Blocher ist gewiss in der Schweiz eine spektakuläre Premiere, die uns bestätigt, dass sie es nie fertig bringt, aus Fehlern zu lernen und sich zurückzuhalten. So reist sie derzeit bewusst im Land herum und spricht über: "Politik ist mein Leben" oder "Ein Leben in der Politik". Sie verkauft sich somit als Politikerin und "sonnt sich gleichsam im Schatten ihres Mannes".


Kommentar: Wir können uns gut vorstellen, dass Silvia Blochers Auftritte letztlich kontraproduktiv sein werden. Die ehrgeizige Bundesratsgattin hofft zwar mit ihrem Einmischen, etwas gegen die Gefahr einer Abwahl des Gatten beitragen zu können. Bereits die früheren organisierten Schifffahrten auf dem Zürichsee mit Silvia Blocher waren fragwürdig. Damals mussten die Leute dafür Einritt zahlen, dass sie mit der Bundesratsgattin zusammen sein durften und um sie zu hören. Noch mehr störte mich das ständige penetrante Einmischen der Bundesratsgattin bei Medienauftritten. (Im welschen Fernsehen protestierte sie einmal lauthals im Nebenraum gegen die Karrikaturen). Ich habe nichts gegen Ehepartner als "Hofnarren" (Berater mit Narrenfreiheit). Doch dürfte dies nie öffentlich geschehen. Gute "Hofnarren" arbeiten stets im Hintergrund. Silvia Blocher ist zudem keine Politikerin. Sie könnte als ehemalige Lehrerin gewiss kompetent über Erziehung sprechen. Doch fehlt ihr die Erfahrung als aktive Politikerin. Somit wird sie mit ihren Auftritten kaum überzeugen. Die Auftritte haben vielmehr den Anstrich einer Frau, die eigennützig für ihre Position als Bundesratsgattin kämpft. Es wirkt so, als ängstige sie sich, nach einer allfälligen Abwahl nur noch die Frau Ex.Bundesrätin zu sein. Silvia Blocher und Hillary Clinton sind somit zwei verschiedenen Welten.


Im neuen Kartenspiel "Polit Poker" (es wird durch die Carletto AG vertrieben) errinnert die Pik Dame in der Zeichung des "Blick" Karikaturisten Nico an den eigentlichen Amtsträger. Silvia mischt sich immer mehr ein. Nachdem Silvia Blocher jetzt nicht nur eigene Referate zu Politik hält und mit einer eigenen 1. Augustrede geglänzt hatte, wird sie sich auch noch ab Mitte September in der Sonntagausgabe der "Mittelland-Zeitung" als Kolumnistin betätigen. Sie will zudem noch im inzwischen zurückgezogenen Wahlvideo "Himmel und Hölle" gemeinsam mit dem Mann den "Himmel" repräsentieren. Wird im Schweizer Politjass die Dame den König übertrumpfen?


Nachtrag vom 2. September: Homestory

Im Sonntagsblick vom 2. September schafft es Silvia Blocher mit einer Homestory nicht nur auf die Titelseite. "Blochers Privatgeschichten" werden zusammen den Interviews fünf volle Seiten gewidmet. Selbstverständlich geht es dem Sonntagsblick mit dem Beitrag vor allem darum, den Geheimplan gegen Blocher als Panikmache zu entlarven. Dennoch gelingt es Silvia Blocher, dass auch Blochers Botschaften gedruckt und so multipliziert werden. Ob es klug war, den Journalisten die Privatsphäre (Villa, Pool, Harmonie am weissen Flügel) zu zeigen? Nochmals: Die Bundeshausgattin schaffte es dank dieses Tricks den Sonntagsblick zu instrumentalisieren. Ob diese Strategie jedoch längerfristig aufgehen wird und sich der Tabubruch der Bundeshausgattin - die als einzige in der Schweiz aktiv Wahlkampf betreibt - auszahlen wird, darf bezweifelt werden.




Nachtrag vom 16. September 2007: Silvia Blochers erste Kolumne:

Zum ersten Beitrag im neuen Sonntagsblatt "SONNTAG" vom 16. September lesen wir in der Kolumne von Silvia Blocher in der Spalte WORT ZUM SONNTAG einen lesenswerten Beitrag zur "Verweigerung der Kindererziehung". Als ehemalige Lehrerin hat Frau Blocher in Schul- und Erziehungsfragen durchaus etwas zu sagen. Da ist sie Fachfrau. Es wundert uns nur, wie lange es geht, bis die Bundesratsgattin das Wort zum Sonntag auch für politische Fragen nutzt, in der Meinung, sie sei auch eine Profipolitikerin. Nach dem bisherigen Verhalten müssen wir leider damit rechnen.



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