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Zehn Regeln zum Lügen


Die folgenden 10 Regeln zur Kunst des Lügens sind in der NZZ vom 31. März 2001 in einem längeren Artikel über das Lügen aufgelistet worden.
Der Nachabdruck erscheint mit Bewilligung des Verlages. Ehrenwort!

Quelle: NZZ vom 31 März, 2001, Autor: Birgitt Weidt
  1. Eignung
    Nicht jeder ist zur Lüge geboren. Wer grosse Angst hat, erwischt zu werden, sollte es bleiben lassen. Lügen klappt nur mit Leichtigkeit und Souveränität.
  2. Unterschied
    Lüge und Betrug, sind zwei grundverschiedene Dinge. So ist eine Ausrede fürs Zuspätkommen in Ordnung. Jedoch unter falschen Versprechungen Geld pumpen und es absichtlich nicht zurückzahlen ist Gaunerei im höchsten Grade.
  3. Einstellung
    Die Lüge ist eine "Dienstleistung" die der andere einem "abkaufen" soll. Auch hier gilt: Der Kunde ist König - und man soIlte sein Gegenüber achten und mit Niveau behandeln. Wer sich ähnlich wie bei einer asiatischen Kampfsportart verhält und sich zumindest mental vor seinem Gegner verneigt, hat von Anfang an die besseren Veraussetzungen.
  4. Qualifikation
    Eine gute Lüge erfordert Phantasie, analytisches Denken, Kornbinationsgabe, strategische Planung. und ein gutes Gedächtnis. Während des eigentlichen Lügenaktes muss man sich unbedingt auf sein Gedächtnis verlassen können - denn man sollte sich sehr genau merken, was man gesagt hat, um sich nicht zu verhaspeln. Schauspielerisches Talent, atmosphärisches Feingefühl und Flexibilität sind nötig, weil es trotz perfekter Planung zu Unwägbarkeiten kommen kann. Entscheidungs- und Risikofreude sind mitzubringende und unabdingbare Eigenschaften.
  5. Planung
    Das Lügengebäude muss ein einfaches Grundmuster haben, darf nicht zu kompliziert sein. Die Strategie: "Wenn ich nicht mehr durchblicke, schnallt es der Betroffene erst recht nicht", geht schief. Leicht nachprüfbare Tatsachen müssen auch bei der Lüge kontrollierbare Tatsachen bleiben.
  6. Positiver Ansatz
    Die Unwahrheit muss auf ein glaubwürdiges Fundament gesetzt werden - wenn der Chef vom Zuspätkommenden hört, dass dieser unterwegs einen möglichen Kunden getroffen hat, ist er zufrieden.
  7. Checkliste
    Steht das Gerüst der Lüge, sollte alles noch einmal geprüft werden: Stimmen Ort und Zeit, sind mögliche Zeugen berücksichtigt? Kann iregendetwas das erfundene Gebäude zum Einsturz bringen? Die Risiken sollten realistisch eingeschätzt werden. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht im Lügengeschäft.
  8. Durchführung
    Jetzt ist schauspielerisches Talent gefordert - nämlich glaubhafte Darbietung ohne Übertreibung. Ständige Erfolgskontrolle: Der Belogene muss beobachtet werden, um zu sehen, ob die Lüge wirkt. Lügengeschichten dürfen auf keinen Fall auswendig gelernt und mechanisch aufgesagt werden, das wirkt unglaubwürdig.
  9. Nachbereitung
    Auf keinen Fall mit seinen Lügen gegnüber Dritten prahlen! Wer weiss schon, wen er im Leben noch alles belügen muss! Der Routinier geniesst und schweigt.
  10. Wenn es schiefgeht
    Wer dennoch ertappt wird, sollte sich nicht durch Unwissenheit rechtfertigen. Sokrates bereits stellte fest, dass eine ungewollt gesagte Lüge weitaus schlimmer sei als eine mit Willen gesagte, weil er das Wissen über alles achtete. Unwissenheit aber auf das Schärfste verurteilte. Wenn es schiefging, dann bleibt nur noch - scharmant und aufrichtig beichten.


Links zum Thema:
Ehrlich gesagt... (auf diesen Webseiten)
Lüge und Kommunikation (auf diesen Webseiten)


Nachtrag vom Mai, 2010: Aus 20 Minuten:

Lügen für Fortgeschrittene

Lügen gehört zur menschlichen Natur. Effizient lügen ist trotzdem nicht leicht - es sei denn, man hält sich an diese zehn Grundsätze.

und das ist auch kein Wunder. Schliesslich sind wir gesellige Geschöpfe, die in der Lage sein müssen, ihr soziales Umfeld zu ihren Gunsten zu manipulieren. Die Fähigkeit zur Lüge ist ein evolutionärer Vorteil, wie der amerikanische Journalist Jeff Wise richtig feststellt. Als Beleg führt Wise eine psychologische Studie aus dem Jahr 1999 an, die zeigte, dass die beliebtesten Kinder zugleich die effizientesten Lügner waren. Auch angeborene Fähigkeiten lassen sich indes durch bewusstes Training fördern. Der deutsche Philosoph Ludwig Wittgenstein erklärte denn auch in seinen "Philosophischen Untersuchungen": "Das Lügen ist ein Sprachspiel, das gelernt sein will, wie jedes andre." So gesehen ist es mitnichten verwerflich, Ihnen die folgenden zehn Grundsätze des effizienten Lügens zu präsentieren, die Wise in seinem Artikel gesammelt hat:

Nr. 1: Lügen Sie nicht grundlos! Je weniger Sie lügen, desto kleiner ist die Chance, dass Sie damit auffliegen. "Gefängnisse sind voll mit schlechten Lügnern", behauptet der Psychologe Charles Ford in seinem Buch "Lies! Lies! Lies!". Lügen sollte man nur dann, wenn es wirklich einen Nutzen hat, sagt Ford. Genau dies können beispielsweise pathologische Lügner nicht; sie erzählen ständig viele kleine Lügen und werden deshalb schnell erwischt.

Nr. 2: Seien Sie vorbereitet! Überlegen Sie sich nach Möglichkeit vorher, was Sie sagen wollen. Improvisation ist beim Lügen eine gefährliche Tugend. Auch hier hat Wise eine Studie zur Hand, die gezeigt hat, dass jene Lügner signifikant mehr Erfolg hatten, die sich zuvor eingehend mit den Einzelheiten ihrer Geschichten befasst hatten. So ist das Risiko, beim Flunkern erwischt zu werden, dann besonders gross, wenn man eine Lügengeschichte zum ersten Mal auftischt.

Nr. 3: Täuschen Sie mit der Wahrheit! Am schwierigsten sind jene Lügen aufzudecken, die eigentlich gar keine sind. Erzählen Sie also wenn immer möglich die Wahrheit, aber in einer Weise, die Ihr Opfer in die Irre führt. Das ist technisch gesehen, wie Wise beruhigend anfügt, lediglich eine Tatsachenverdrehung; also nur eine halbe Sünde.

Nr. 4: Kennen Sie Ihr Opfer! Für Wise ist klar: Gute Lügner müssen über ein hohes Mass an Einfühlungsvermögen verfügen. Damit finden Sie nicht nur leichter heraus, was Ihr Opfer hören möchte; es hilft Ihnen auch dabei, jene Dinge zu vermeiden, die dessen Misstrauen erregen. Um seinem Opfer glaubwürdig eine Lüge anzudrehen, sollte man sich in dessen Perspektive versetzen können.

Nr. 5: Erinnern Sie sich an die Fakten! Effizientes Lügen ist harte Arbeit. Gute Lügner wissen, dass sie die Details ihrer Lügengeschichten genau kennen müssen. Nötigenfalls muss man sich sogar Notizen machen. Oft fliegen Lügen auf, weil man verschiedenen Leuten verschiedene Versionen der Geschichte erzählt hat. Wenn die dann miteinander darüber reden, kommen sie schnell dahinter, dass da etwas nicht stimmt.

Nr. 6: Bleiben Sie dabei! Wise zitiert hier einen Experten: Sergeant John Yarbrough, Verhörspezialist der Mordkommission der Polizei von Los Angeles, erklärt: "Wenn ich einen Lügner erwischen will, achte ich darauf, wie sehr er hinter dem steht, was er mir erzählt." Wer beispielsweise Zeichen von Erleichterung zeigt, wenn der Verhörende das Thema wechselt, hat schon verloren. Der Grund für ein solches Verhalten sei die Tatsache, so Wise, dass die meisten Leute sich beim Lügen höchst unwohl fühlten und froh seien, wenn sie damit aufhören können. Richtig gute Lügner hingegen geniessen es, jemanden zu täuschen.

Nr. 7: Achten Sie auf Ihre Körpersprache! Fast alle Leute haben schon davon gehört, dass unbewusste Körpersignale den Lügner verraten. Solche Signale sind zum Beispiel nervöses, unruhiges Verhalten oder Stottern. Verdächtig macht sich auch, wer den Augenkontakt zu früh abbricht oder vermeidet und wer sich beim Sprechen an die Nase fasst. Solche Signale sind aber nicht unvermeidliche Automatismen - wer effizient lügt, kann sie zumindest bis zu einem gewissen Grad kontrollieren. Achten Sie also darauf, ihrem Opfer in die Augen zu schauen und nicht zu viel zu gestikulieren.

Nr. 8: Erhöhen Sie den Druck! Wenn Ihr Opfer Verdacht geschöpft hat, sollten Sie den emotionalen Druck erhöhen. Sergeant Yarbrough erwähnt als perfektes Beispiel dafür jene Szene aus dem Film "Basic Instinct" (1992), in der Sharon Stone den sie verhörenden Polizisten kurz einen Einblick unter ihren Jupe gewährt - und sie so effektvoll ablenkt. "Sie hat sie erregt", sagt Yarbrough, "und das ist eine Form der Manipulation - sexuelle oder emotionale Erregung einzusetzen, um den Fragenden abzulenken."

Nr. 9: Gehen Sie zum Gegenangriff über! Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung. Die meisten Leute fühlen sich freilich nicht sehr wohl dabei, wenn sie andere angreifen - ein Umstand, der dem Lügner hilft. Wise zitiert Stan Walters, Autor des Buchs "The Truth About Lying": "Man sieht oft, wie Politiker aggressiv auf Vorwürfe reagieren. Damit treiben sie Kritiker von der heiklen Angelegenheit weg und zwingen sie dazu, ihre Energie in ein nebensächliches Gefecht zu stecken."

Nr. 10: Verhandeln Sie! Auch wenn das Spiel eigentlich aus ist - Lügner schaffen es oft, den schlimmsten Konsequenzen zu entkommen, indem sie verhandeln. So gelingt es ihnen, das Gefühl der Verantwortung für die Lüge zu mildern oder sogar ganz loszuwerden.




Nachtrag vom 20. Oktober, 2010 Ein interessanter Artikel im Spiegel berichtet über eine Analyse von Managerberichten.

Wirtschaftsethik: Geschönte Unternehmensberichte Wer "Wir" sagt, lügt öfter - zumindest, wenn er gerade seine Unternehmenszahlen vorstellt. US-Forscher haben Präsentationen gefälschter Geschäftsberichte analysiert und so verdächtige Manager-Floskeln entlarvt. Washington - Hypo Real Estate, Lehman Brothers, Enron - bei all diesen Pleiteunternehmen schien die Welt noch kurz zuvor vollkommen in Ordnung. Bei der Präsentation der Geschäftsberichte taten die Manager so, als wäre nichts. Doch bald wird es vielleicht möglich sein, geschönte Unternehmenszahlen dennoch zu erkennen: US-Wissenschaftler haben anhand Zehntausender Präsentationen von Unternehmenszahlen bestimmte Muster aufgespürt, mit denen lügende Firmenvorstände besser entlarvt werden können: * So benutzen die Führungskräfte von Konzernen in den Telefonkonferenzen zur Vorlage ihrer Quartalszahlen sehr oft das Wort "Wir" statt "Ich", wenn sie unwahre oder ungenaue Angaben zum Abschneiden des Unternehmens machen. Auf diese Weise entledigten sich die Vorstände des Unternehmens ein Stück weit der persönlichen Verantwortung für das Vorgetragene. Das geht aus der Studie von zwei Professoren der US-Eliteuniversität Stanford hervor. * Ein weiteres Zeichen für unwahre Äusserungen sei es, wenn Konzernverantwortliche bei der Vorlage der Zahlen besonders viele Wörter verwendeten, die stark mit Gefühlen aufgeladen seien. Als Beispiel nannten die Wissenschaftler die Vorlage der Zahlen der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008, wenige Monate vor deren Zusammenbruch. Lehman-Finanzvorstand Erin Callan habe damals 14-mal das Wort "grossartig", 24-mal das Wort "stark" und achtmal das Wort "unglaublich" verwendet. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit falscher Angaben der Studie zufolge, wenn die emotional gefärbten Wörter kaum von tatsächlichen starken Zahlen begleitet seien - was bei Lehman der Fall war. * Auch die Verwendung von Allgemeinplätzen wie "Jeder von uns weiss" ist der Studie zufolge ein Zeichen, dass die folgenden Aussagen zweifelhaft sind. Für ihre Forschungsarbeit werteten die Stanford-Wirtschaftsprofessoren David Larcker und Anastasia Zakolyukina vor allem die Mitschriften von knapp 30.000 Telefonkonferenzen von Unternehmen in den Jahren 2003 bis 2007 aus. Sie entwickelten daraus auf linguistischen Kriterien beruhende Modelle, mit denen der Wahrheitsgehalt einer Präsentation vorhergesagt werden kann. Um zu prüfen, wie gut ihr Modell funktioniert, analysierten sie auch, welche Aussagen und Erwartungen die Unternehmen wenig später korrigieren mussten. In diesen Fällen unterstellten die Wissenschaftler, dass die Vorstände schon zum Zeitpunkt der Telefonkonferenz wussten, dass die tatsächlichen Zahlen ihrer Firma eigentlich weniger rosig aussahen. Die Forschungsarbeit mit dem Titel "Über das Aufspüren von täuschenden Aussagen in Telefonkonferenzen" ist bisher noch unveröffentlicht. Die Studie soll Analysten helfen, Gefahren für die Anleger auch dann vorauszusehen, wenn Zahlen einer Firma gefälscht worden sind.


Nachtrag vom 23, Januar, 2011: Ein paar Links zu Artikeln aus dem Jahre 2010:
2003


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