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Medienrhetorik: Privatleben und Öffentlichkeit - Ein Balanceakt

von Marcus Knill

Die folgende Analyse ist in der Zeitschrift Persönlich (www.persoenlich.com), dem online Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft im Juni, 2004 erschienen. Der Abdruck hier ist mit Genehmigung von "Persoenlich" erfolgt.

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Link zum Thema: Recht auf Privatsphäre












Nachtrag vom 22. Februar 2005: Wir haben in unserem Beitrag das Verhalten Franz Fischlins gelobt. Er hatte mit seiner Partnerin Susanne Wille, einer ebenfalls prominenten Fernsehfrau, eine klare Trennungslinie zwischen Job und Privatleben gezogen. Dass diese Haltung der Regenbogenpresse nicht passt, liegt auf der Hand. Sie möchte doch eine Homestory, die "Einschaltquoten" verspricht. Die konsequente Einstellung von Franz Fischlin scheint nun doch etwas provoziert zu haben. Wir lasen im Sonntagsblick; 20.02.2005:

Versteckspiel So stressig kann Liebe sein: Seit fast zwei Jahren sind "10 vor 10"-Frontlady Susanne Wille (30) und "Tagesschau"-Frontmann Franz Fischlin(42, Bild) ein Paar. Doch in der Öffentlichkeit tun die beiden alles, um ihre Gefühle geheim zuhalten. Die Tarnung geht so weit, dass sie beim gemeinsamen Training im Zürcher Fitnessklub "Holmes Place" nur dann miteinander sprechen, wenn keiner zusieht.


Dieser Beitrag veranschaulicht, wie Prominente mit allen Mitteln zur Preisgabe des Privatlebens gebracht werden sollten. In diesem Fall scheint die Taktik der Ringierpresse offensichtlich: Die Betroffenen werden des Versteckspiels bezichtigt. Mit dem Militärvokabular "geheim halten", "Tarnung" wird suggeriert: Die beiden haben etwas zu verbergen. Sie sind nicht offen. Weshalb verstecken sie sich?

Dieser banalen Druckversuch ist zu plump, denn beide, sowohl Susanne Wille und Franz Fischlin haben in Einzel-Interviews offen, wenn auch kurz und bündig zu ihrer Beziehung Stellung bezogen. Von Versteckspiel kann also keine Rede sein. Aber es gab bisher keine gemeinsamen Fotos und Interviews. Unter Kindern ist die Taktik üblich. Um einen Kollegen zum Sprung über den Zaun zu bewegen wird gesagt: "Du hast nicht den Mut, über den Zaun zu spingen!"

Normalerweise will eine unerfahrene Person der Öffentlichkeit nach einem derartigen Artikel das Gegenteil beweisen, und erlaubt den Journalisten den Zutritt in die Privatsphäre. Nach dem Motto: Ich bin nicht zugeknöpft und beweise schon, dass ich offen bin.

Was können wir daraus lernen? Wir haben es selbst in der Hand, die Trennungslinie zwischen Privatheit und Oeffentlichkeit zu ziehen. Viele Medienopfer sind selbstverschuldet Opfer geworden, weil sie nicht Nein zu sagen lernten. Wir sehen einmal mehr: Es ist oft nicht einfach, konsequent zu sein.


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