Alles nur eine Medienwahrnehmung?
Wer sich mit Wahrnehmungsphänomenen auseinandersetzt, weiss
- dass Wahrnehmungen stets subjektiv sind
- dass wir uns von veröffentlichten Aussagen
beeinflussen
lassen.
Es könnte durchaus sein, dass bei der Wahrnehmung der BILD -
Zeitungsberichte, die bewusst alle extremen Beispiele
veröffentlicht hatten -- nur ein "gefühltes" Inflationsbild
vermittelte? Hatten dadurch die Medien unsere Wahrnehmung
einseitig beeinflusst?
Zu den Fakten
Die Diskrepanz zwischen dem Empfinden der Konsumenten und
den tatsächlichen Zahlen der Statistik hat unlängst eine
Studie des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW) aufgeklärt.
Das Statistische Bundesamt ermittelte die Inflationsrate von
750 Produkten. Es kam auf eine Inflationsrate von nur 1.9% im
ersten Quartal 2002. Werden jene Waren herausgefiltert, die mehr
als 2.5% teurer wurden, so liegt die Inflation bei lediglich 4,8%.
Das Institut wehrte ich deshalb gegen die Behauptung: EURO=TEURO.
Es sei vor allem der kalte Winter gewesen, der das Gemüse
verteuert habe, wird von dieser Seite argumentiert.
Interessant sind und bleiben für uns die Auswirkungen der
subjektiven Wahrnehmung. Die Beeinflussung der eigenen Wahrnehmung
und die Beeinflussung durch Medienberichte. Wir haben einige
Preise ebenfalls persönlich verglichen und konnten tatsächlich
feststellen, dass überall ein bisschen aufgerundet wurde.
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Das Institut für angewandte Verbraucherforschung (IFAV) hatt
im Juli, November 2001 und Februar 2002 Vergeleiche angestellt:
In 20 Restaurants und rund 100 Gerichten und Getränken
wurden in 80% der Fälle die Preise angehoben, um bis zu
30 Prozent. Preissenkungen gab es maximal 5 Prozent.
Die Tester schauten auch auf die Preise von rund 900
gängigen Konsumartikeln aus verschiedenen Sparten:
Lebensmittel, Unterhaltungselektronik, Drogerieartikel,
Schreibwaren und Haushaltswaren.
Anfang Februar 2002 durchforsteten die Tester mehr als
100 Geschäfte in Bielefeld, Dortmund, Essen und Köln. Bei 45
Prozent der Produkte stellte das Institut Preisveränderungen
gegenüber Juli 2001 fest.
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Die "Sich-selbst-erfüllende Prophezeiung".
Wir hatten bei den neuen Preisen nirgends ein Abrunden registrieren können.
Wenn wir die Teuerung am eigenen Leib konkret erfahren, so wird damit
die Medien - Wahrnehmung bestätigt. Wir kommen zur verallgemeinernden
Erkenntnis, dass bestimmt überall massiv aufgerundet worden sein muss.
(Phänomen der "sich selbst erfüllenden Prophezeiung":
Das, was wir vermuten, geht in Erfüllung. Damit wird bestätigt, dass
es so sein muss! Und wir glauben es!)
Die Teuerung ist so oder so spürbar
Angenommen, die Teuerung hätte tatsächlich nur
4-5% zugenommen. Auch dies hätte für normale Lohnbezüger
bereits gravierende Folgen. Denn die Löhne wurden kaum der
Teuerung adäquat angepasst. Die Wahrnehmung der BILD Zeitung
sieht deshalb die Masse im Alltag bestätigt.
Das statistische Amt hatte somit einen schweren Stand, die effektiven Zahlen
als Wahrheit zu "verkaufen".
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Fakten werden vom Publikum nicht geglaubt, wenn sie
der persönlichen "Wahr-nehmung" widersprechen.
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Die Boulevardpresse hatte somit nach den Konsumenten die Sympathie auf
ihrer Seite. Die Aktion hat sich für die Presse jedenfalls ausgezahlt.
Die Thematik stiess auf enorm grosses Interesse. Das Echo war riesig.
Es gab Hunderte von Zuschriften.
Auf dem "Anti Euro Gipfel" wurde die Einrichtung eines
Internetforums beschlossen. Es gibt ein online
Euro-Beschwerdeforum.
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