Rhetorik.ch

Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com
Aktuell Artikel Artikel Inhaltsverzeichnis Suche in Rhetorik.ch:

www.rhetorik.ch aktuell: (14. Dez, 2007)

Woran Blocher scheiterte

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Blocher Abgangsrede [MP3]
"So scheide ich aus dieser Regierung, aber nicht aus der Politik"
"Ich habe nicht die Partei geführt."
"Es liegt an ihrem Büro!"


Niemand wird bestreiten, dass Christoph Blocher ein begnadeter Vollblutpolitiker ist - mit einem hervorragendem Leistungsausweis. Es war stets dem Auftrag verpflichtet, der für ihn die höchste Priorität hatte. Diesem Auftrag unterstellte er alles. Weshalb dann das Scheitern? Es gibt einige Gründe:

1. Sonderbares Kommunikationsverständnis

Schon im Jahre 2000 behauptete Christoph Blocher:

"Führung misst sich am Erfolg. Kommunikation und Umgangsformen machen nicht das Wesentliche der Führung aus."


Siehe Aktuell Artikel vom 4. Dezember 2000.

Diese Philosophie hat sich nun im Jahre 2007 gerächt. Das "Wie" beim Kommunizieren ist so wichtig wie der Auftrag. Für Blocher war die Sache stets wichtiger als der Mensch.

2. Fehlendes Menschenorientiertes Verhalten

Während seiner Laufbahn nahm das SVP Alphatier Menschen weniger wichtig als seine Mission: (siehe Blochers Führungsprinzip).

"Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten haben vor allem eine gemeinsame Eigenschaft: Sie zeigen eine -manchmal fast unheimliche- Verpflichtung gegenüber der Sache. Von menschenorientierter Führung halte ich nichts!"


Jeder Kommunikationsfachmann weiss, dass im Kommunikationsdreieck ICH- DU-SACHE alle Teile wichtig sind. Wenn ein Manager die Sache über den Menschen stellt und menschenorientierte Führung ablehnt, hat er nicht verstanden hat, was Kommunikation ist. Dies bestätigte der Bundesrat auch später im Buch "Blocher Prinzip" in seinen Ausführungen über den auftragsorientierten Führungsstil.

Wer mit Menschen zu tun hat, muss gerne mit Menschen gerne umgehen. Die Erfolgsformel heisst: MMMM: Man Muss Menschen Mögen! Soziale Kompetenz und Teamfähigkeit gehören zu den Kernkompetenzen einer Führungspersönlichkeit. Christoph Blocher mangelte es an der Fähigkeit, sich in anderere Personen zu versetzen. So war es unbedacht und typisch sachorientiert, als Christoph Blocher - wenige Tage vor seiner Wahl- ohne Skrupel einige Parlamentarier aus den eigenen vor den Kopf gestossen hatte, in dem er sie abstrafte. Damit hatte er sie 100 prozentig gegen sich.

3. Sonderbares Selbstverständnis

Der Bruder von Christoph Blocher machte kurz vor der Abwahl in einem fragwürdigen Auftritt von sich reden. Er machte sich damals sogar lustig über das neue Buch Rudolf Steiger's: "Menschenorientierte Führung". Abgewählt wurde der Bundesrat nicht zuletzt des Selbstverständnisses der Gebrüder Blocher. Gerhard verriet in seinen fragwürdigen Äusserungen in der ominösen Fernsehreportage, dass sein Bruder gleichsam ein vom Herrgott Auserwählter ist, der in einem kriegerischen Umfeld die Schweiz retten muss und alle Andersdenkenden als Feinde betrachtet. Seinen Gegnern Fehr, Meier Schatz usw verhalf dieser Film zum Erfolg. "Gerhard sei Dank!"

4. Personenkult

Die SVP ging mit dem Personenkult von Christoph Blocher zu weit. Die landesweite Aktion: "SVP wählen- Blocher stärken" wurde als Personenkult für den gefährdeten Bundesrates interpretiert. Dies löste Abwehrreaktionen aus.

5. Wiederholte Provokationen

Die SVP Provokationen überschritten das Mass des Akzeptablen mit Kampagnen und Plakaten.


Blochers Führungsstil hatte im Militär, bei der Emschemie und bei vielen Stimmberechtigten seit Jahren Erfolg. Die Ablehnung des menschenorientierten Verhaltens und die erwähnten Gründe kosteten letzlich dem sonst so charismatischen Politiker doch noch den Kopf.




Mit diesem Rückblick möchte ich in keiner Weise die Dolchstossaktion gut heissen, obwohl sie generalstabsmössig geplant und erfolgreich durchgeführt worden ist. Der Überraschungscoup hat nichts mit den vielgehörten Begriffen der Blochergegner, wie Toleranz, Transparenz und Konkordanz zu tun. Obwohl Christoph Blocher mitverschuldet ins Messer gelaufen ist, so haben die Gegner die Karten des stets bestrittenen Geheimplan im Morgengrauen des Wahltages im Hinterhalt gezückt. Ich gehe davon aus, dass Christoph Blocher mit einer Prise sozialer Kompetenz und mehr menschenorientiertem Verhalten diese Blitzaktion hätte verhindern können.




"20 Minuten" schrieb am 14. Dezember:: Für Kommunikationsberater Marcus Knill steht fest: "Herr Blocher hat seine Rede sehr gut vorbereitet. Seine Kernbotschaft: "Ich bin da, ich kämpfe, man kann mich nicht fertigmachen" -kam beim Publikum an.

Man muss dazu anfügen: Selbstverständlich war Blocher gezeichnet und man spürte seinen Groll. Doch lohnte sich die Auszeit vor dem Auftritt (Keine Interviews, keine Worte) Ich Gegensatz zu seiner Frau Silvia, die so tat, als habe sie Freude an der Entlastung des Mannes. Sie machte völlig unglaubwürdige Aussagen.




Rheinfallwoche vom 10. Januar 2008
.



Rhetorik.ch 1998-2011 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com