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www.rhetorik.ch aktuell: (25. Dezember, 2006)

Edmund Stoiber in Not?



Die Schlagzeilen
  • "Bayerns Ministerpräsident feuert seinen Büro-Chef, bestreitet aber jede Mitwisserschaft"
  • "Hier braut sich gegen Edmund Stoiber etwas zusammen."
  • "Druck auf Stoiber nimmt zu"
  • "Stoiber: Alles Unsinn!"
  • "Sex-Spitzel-Affäre um diese schöne CSU-Frau"
sind die Blitze in einem Ungewitter, das in den letzten Tagen auf Edmund Stoiber zugekommen ist. Die "Spitzel Affaire" könnte Stoiber noch gefährlich werden.


Die CSU-Rebellin Gabriele Pauli spielt in der jüngsten Deutschen Politstory eine zentrale Rolle. Nachdem Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber seinen Büroleiter Michael Höhenberger entlassen hatte, goss die CSU-Landrätin Gabriele Pauli weiter Öl ins Feuer. Höheberger, der enge Stoiber-Vertraute soll im Privatleben der Fürther Landrätin und langjährigen Stoiber-Gegnerin geschnüffelt haben. Er suchte nach Männerbekanntschaften und Alkoholprobleme bei der attraktiven Politikerin. Pauli behauptet nun, die Staatskanzlei habe nach dreckigen Details gesucht, um sie politisch mundtot zu machen.




Büroleiter Höhenberger arbeitete über 28 Jahren für Stoiber. Er bestreitet alle Vorwürfe, bat dennoch um Entbindung von seinen Aufgaben. Mit dem Rücktritt gibt sich die attraktive Landrätin Pauli nicht zufrieden: Allein den Büroleiter zu opfern, genüge nicht. Die Affäre wird für Stoiber heikel. In Parteikreisen wird gesagt, die Sache sei unangenehm, aber ungefährlich, solange sich kein prominenter Christsozialer den Pauli-Vorwürfen anschliesst".


Stoiber meinte zum Vorwurf, das sei absoluter Unsinn und komme aus einer bösen Ecke. Nicht einmal der politische Gegner habe ihn bisher erhoben. Die CSU-Rebellin doppelte nach und forderte: Stoiber solle sich vor der nächsten Landtagswahl 2008 einer Mitgliederbefragung der Partei-Basis stellen. Sie findet Stoibers Zeit sei abgelaufen.




In der CSU-Basis wächst offenbar der Widerstand gegen Partei-Chef Stoiber:
  • Der Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, Roland Fleck forderte in der "Süddeutschen Zeitung", die CSU müsse kommendes Jahr intensiv darüber diskutieren, wer die besten Erfolgsaussichten als Ministerpräsident hat. Derzeit sei nicht erkennbar, dass dies der Amtsinhaber sei.
  • Michael Hofmann von der Ingolstädter CSU meinte, Stoiber habe das Mass verloren, wie wichtig er eigentlich ist.
  • Heinrich Oberreuter, Direktor der Akademie für politische Bildung meinte, es gebe Anzeichen einer Götterdämmerung. Inzwischen wird offen über den Anfang vom Ende der politischen Karriere von Stoiber geredet.













Nachtrag vom 3. Januar 2006: Die "Jeanne d'Arc der CDU" und der "bleiche Alpenfürst"

Stoiber rackert sich im Duell gegen seine unermüdliche Kontrahentin ab. Rhetorisch bemühend, aber immer noch mit seinen bekannten Satzbauproblemen behaftet. Die "schönste Landrätin im mittlelfränkischen Kreis Fürth" - wie Gabriele Pauli auch genannt wird, will trotz wachsender Widerstände gegen ihre Person, dennoch das "System Stoiber" beenden. Obschon ihr der Wind arg ins Gesicht bläst, gibt sie nicht auf. Mit allen Mitteln will sie die Partei noch auf ihre Seite bringen und eine Befragung durchsetzen. Jetzt wirft sie Stoiber auch ein Missverhältnis zu Politikerinnen vor:

"Ich denke, ich wäre eher zu einem Gesprächstermin mit Stoiber gekommen, wenn er nicht manchmal ein Problem hätte, mit Frauen in der Politik umzugehen."


Kommentar: Wir fragen uns, ob diese rhetorischen Pfeile gegen Stoiber, ihm vielleicht sogar den Rücken stärken oder ob die Meinungsforscher mit ihrer Feststellung (dass 60% der bayrischen Wähler gegen eine neuerliches Antreten Stoibers sind) doch noch Wasser auf Paulis Mühlen gegossen werden. Die Ausmarkung ist jedenfalls noch nicht entschieden. Mit Ueberraschungen ist zu rechnen.




Nachtrag vom 7. Januar: Versöhnung? Bild am Sonntag:

"Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber reicht der Parteirebellin Gabriele Pauli die Hand zur Versöhnung. Noch im Januar wolle er mit ihr ein persönliches Gespräch führen, kündigte Stoiber gegenüber der "Bild am Sonntag" an."

Ob Edmund Stoiber gemerkt hat, dass er bei einer offenen Auseinandersetzung in den Medien mit in den Strudel gezogen werden könnte?
Ein Kommentar in der NZZ vom 7. Januar:





Nachtrag vom 13. Januar: Soibers Macht erodiert:

Pauli hatte Stoiber zum Neujahrsempfang getroffen. Der erste Handschlag wurde auch sorgfältig fotografiert. Der "Spiegel" hatte die Bildfolge:



Der Bayrische CSU Fraktionschef Walter Hermann hat unterdessen auch die Möglichkeit ins Gespräch gebracht, im Jahre 2008 ohne Stoiber in den Wahlkompf zu gehen.

65 Prozent der wahlberechtigten Bayern sprachen sich in einer Umfrage gegen die Spitzenkandidatur Stoibers aus. Lediglich 28 Prozent plädierten für eine neuerliche Kandidatur Stoibers, 7 Prozent waren unentschieden. (Quelle).

Die Macht Stoibers bröckelt seit Tagen rasant.


Nachtrag vom 13. Januar 2006: Für Stoiber wird es heiss

Putschgerüchte verbreiteten sich heute wie ein Lauffeuer. Es sollen bereits personelle Konstellationen für eine Ablösung Stoibers diskutiert worden sein. Nun wird es noch heisser für den CSU Chef, obwohl er Pauli am Neujahrstreffen die Hand gereicht hat.


"Ich weiss, dass ich im Feuer stehe",


hat Stoiber am Neujahrsempfang gesagt und angefügt:

"Wer in der Küche arbeitet, muss auch Hitze ertragen können".


Kommentar: Stoiber könnte sich bei zu grosser Hitze die Finger verbrennen. Er müsste in der jetzigen Situation daran denken, dass heftiger Gegenwind ein kleines Feuer rasch entfachen kann.


Das Reuters Bild (Quelle: Spiegel) zeigt: Stoiber ist nachdenklich
Nachtrag vom 16.Januar, 2007: Wir es Stoiber doch zu heiss?

Der Tagesanzeiger titelt: "Gibt Stoiber doch noch auf?" Erstmals deutet Stoiber seine Bereitschaft zu einem Rückzug an. Angeblich will er seine politische Zukunft in die Hände der CSU legen. Und in Berlin Kontor steht am 16. Jan.: "Erster Punktsieg für die Stoiber-Renegatin Gabriele Pauli, CSU-Landrätin in Fürth. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber will sich nun doch nicht mehr von einer CSU-Big Shot-Klausur zum alten und neuen Ministerpräsidenten ausrufen lassen. Die Extra-Lektion in Demokratie der Gaby Pauli zeigte Wirkung: Der Bayern-Regent und CSU-Chef will sich jetzt plötzlich der 'breiten Basis der Partei stellen' - und er ist wild entschlossen, seine 'immer noch politische Zugkraft auf einer Serie von Regionalkonferenzen zu testen und zu stabilisieren', verlautet aus der CSU-Führung. The beat goes on."




Nachtrag vom 18. Januar, 2007: Gelesen in der Süddeutschen Presse:
  • Stürzt Stoiber? Ich glaube, wenn er so läuft wie er spricht, dauert es nicht mehr lange.
  • Kann sein dass er will, kann sein, dass er nicht will.
Fortsetzung: Der Sturz Stoibers.


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