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www.rhetorik.ch aktuell: (14. Juli, 2006)

Uneinsichtigkeit als Nelly Wengers Markenzeichen?





Schweizer Schokolade
Schweizer Schokolade

Nelly Wenger
Wenn Produkte nach einer neuen Verpackung weniger verkauft werden, darf am Konzept der PR Agentur und dem Designer gezweifelt werden. Werbung darf nicht kontraproduktiv sein.

Die "Ateliers Jean Nouvel", von denen das Design der neuen PET-Verpackungen der Cailler-Schokolade stammt, schieben die Verantwortung für die Wahl des Materials auf Nestlé ab.

Neben dem ökologischen Problem ist auch das Design der Verpackung umstritten. Viele beklagen sich beim Schweizer Konsumentinnenforum über die neue, von Architekt Jean Nouvel entworfene Verpackung.
Richard Kuehn Der emeritierte Berner Marketingprofessor Richard Kühn erachtet diese Verpackung für Schokolade als "nicht gut", wie er in einem Interview mit der "Berner Zeitung" anfangs Juli 2006 sagte. Nestlé Schweiz-Chefin Nelly Wenger habe Verpackungen und Werbung gemacht, die nicht sehr schokoladentypisch sei: "Ich hätte davon abgeraten." Bei der Cailler-Strategie handle es sich um einen der Fälle, wo man Kreativität gesucht habe - und wo das Kreative mit dem, was man kommunizieren wolle, wenig zu tun habe. Das Problem sei auch, dass diese Massnahme nur sehr schwer rückgängig zu machen sei, da wohl viel Geld dafür investiert worden sei, sagte Kühn.

"Ich kann mir vorstellen, dass Nelly Wengers Posten nun gefährdet ist."


Laut Medienberichten soll der Umsatz von Nestlé- Schokolade in der Schweiz in den letzten Monaten stark zurückgegangen sein.


Es erstaunt uns nicht, dass Nelly Wenger einmal mehr uneinsichtig ist. Obschon sie für die Verpackung und die teure Werbung verantwortlich zeichnet, zeigt sie keine Einsicht. Sie weist den Vorwurf zurück. Auch beim finanziellen Flop der EXPO 2002 wies sie die Schuld stets von sich. Die Expo wurde damals als Selbstdarstellung kritisiert und Nelly Wenger trug damals als "Madame Expo" die Mitverantwortung. Sie scheint davon auszugehen, dass der Konsument immer das gut zu finden hat, was ihm als künstlerische Leistung vorgesetzt wird. Für uns gilt jedoch - wie bei der Rhetorik: Adressatengerechtes Verhalten ist wichtig, jedenfalls kein Makel.
Expo 2002
Ob die kontraverse Verpackung längerfristig Erfolg haben wird, wird sich noch zeigen müssen.




Nachtrag vom 16. Juli, 2006:

Weblogs werden von der Wirtschaft noch zu wenig ernst genommen. Sie nehmen bei den meinungsbildenden Medien schon heute einen bedeutenden Platz ein.


Nachtrag vom 22. Oktober: Nelly Wenger gefeuert? Quelle: 20 Min vom 22. Okt 06.

Die Chefin von Nestlé Schweiz hatte die Schokolade vom Stararchitekten Jean Nouvel verpacken lassen. Das hat sich für Nestlé nicht gelohnt, sondern vor allem eine Menge Geld gekostet. Nun könnte die Ära Wenger zu Ende gehen. Die neue Verpackung kam nicht an. Die Cailler-Schokolade wird bereits nächsten Januar wieder in normaler Papierverpackung in den Regalen liegen. Auch die anderen Schokoladenmarken werden nicht mehr in der aufwändigen Plastikverpackung verkauft werden. Dies berichtet die "SonntagsZeitung". Hinter diesen Entscheiden steht Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck, der seine Schweiz-Chefin Nelly Wenger offensichtlich nicht mehr in seinem Betrieb haben will. Laut der "SonntagsZeitung" soll Wenger ihr Büro bereits Ende September geräumt haben, als sie sich wegen einer Brustkrebserkrankung krankgemeldet hatte. Der Lebensmittelmulti hatte rund 40 Mio Franken in die Entwicklung und Produktion der neuen Schokoladenverpackung investiert. Die Geschichte erinnert an die Defizitpolitik der EXPO. Dort war Nelly Wenger nicht nur für die "Verpackung" zuständig.


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