Rhetorik.ch

Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com
Aktuell Artikel Artikel Inhaltsverzeichnis Suche in Rhetorik.ch:


Das Spiel mit Beispielen spielen lernen


von Marcus Knill

 EXEMPLUM DOCET 
  (das Beispiel lehrt) 
  Roemische Weisheit  

Durch Analogien und Beispiele können auch komplizierte Zusammenhänge klar gemacht werden. Als Training lohnt es sich, mit Beispielen zu spielen.

Bild auslösen

"Worte haben keine Energie, solange sie nicht ein Bild auslösen. Das Wort an sich bedeutet nichts, rein gar nichts. Etwas, was ich immer im Auge behalte, ist: Welches sind die Worte, die bei den Menschen Bilder auslösen? Denn: Die Menschen folgen dem Gefühl des Bildes."
Dieser Gedanke von Virginia Satir (1916-1988) , Dozentin für Familientherapie, gilt auch für alle Führungskräfte.
Die Praxis bestätigt: Nicht nur Politiker reden zu allgemein, zu abstrakt. Auch bei Vorgesetzten fehlt bei Argumentationen meist das konkrete Beispiel oder das passende Bild.
Dass vor allem Bilder und Beispiele Verhaltensänderungen bewirken und Überzeugungsprozesse beschleunigen, das hat die Werbung längst erkannt. Selbst in die Bibel wirken Gleichnisse als Verständlichkeitshelfer. Geschichten und Beispiele sind stets eindringlicher als abstrakte Aussagen.
Bildhaftes gelangt zudem ins Langzeitgedächtnis. Nicht nur bei der Suggestopädie, auch beim Autogenen -Training oder bei der Hypnose spielen Bilder eine zentrale Rolle. Selbst bei Spitzensportlern erwirkt der Mentaltrainer bei seinen Athleten dank inneren Bildern aussergewöhnliche Leistungen.
Eine Schwimmerin in Sydney war fähig, während des Wettkampfes sich in das Bild einer im Weltall schwebenden Person zu versetzen, welche mit Delphinbewegungen und grosser Geschwindigkeit dem nächsten Stern nähert.
Die Bildrhetorik machte uns erneut bewusst, dass Führungskräfte bei Sitzungen und Gesprächen das "Spiel mit den Beispielen" verlernt haben. Die Kunst, komplexe Sachverhalte mit einem Vergleich oder einem passenden Beispiel zu veranschaulichen, ist schnell erlernbar. Die Technik besteht darin, einen abstrakten Sachverhalt oder eine allgemeine Aeusserung nur mit einem konkreten Beispiel zu veranschaulichen. Das Abstrakte wird einfach mit dem Bild gekoppelt. Das Reden mit einleuchtenden treffenden Vergleichen, Bildern oder Beispielen hat immer den grossen Vorteil, dass die abstrakten, schwierigen Sachverhalte gesehen werden können.
Weshalb? Das konkrete Bild, das vor dem geistigen Auge steht, wird dadurch auch vorstellbar, greifbar-begreifbar, fassbar. Die Schwierigkeit besteht nur, wenn unstimmige Bilder, Analogien oder Metaphern benutzt werden.
Franz Hohler verstand es, unpassende Vergleiche so zusammenzufügen, dass die Anwendung falscher Analogien bewusst wird z.B:
Das Schweizerei, Bild www.rhetorik.ch, 2001 "Dann ist noch ein saurer Apfel da, dem man auf die Beine helfen müsste. Die kalte Schulter der Exportverbände dreht unseren Produzenten eine lange Nase. Und wer muss den Kopf herhalten? Das Schweizer Ei, das sich ohnehin mit Händen und Füssen wehren muss, dass es nicht an die Wand gedrückt wird." Für den Text. (Quelle: Nebelspalter 14/1969), siehe hier.

Beim bildhaften Reden oder bei allen Beispielen gilt es zu bedenken: Passt der Vergleich oder das Beispiel?
Ist das Beispiel auch adressatengerecht? Wer bei Eskimos die Mondlandschaft mit Sanddünen vergleicht (Analogie mit der Wüste), so bringt dies dort wenig; denn die Eskimos haben noch nie eine Sandwüste gesehen.


Schwierigkeit mit der Umsetzung

Das Spiel mit Beispielen wäre so einfach. Doch beim Umsetzen in der Praxis haben viele Mühe.
Beim Mediencoaching im Fernsehstudio (im Medien-Simulator) stellen wir immer wieder fest, dass Fachleute gerne behaupten, die einfache Sprache, die einfachen Beispiele oder Vergleiche wären in ihrem komplexen Fachbereich nicht anwendbar. Die Begründung lautet meist ähnlich: Bilder und Beispiele verkürzen, simpifizieren und verfälschen die eigene anspruchsvolle Thematik. (Analog der Boulvard presse im Printbereich). Vielleicht erinnern sich viele noch an die eigenartigen Äusserungen von Ursula Koch, welche bei ihrem Amtsantritt als SP Präsidentin betont hatte, die elektronischen Medien verfälschen durch die Verkürzung und Vereinfachung wichtige Zusammenhänge. Deshalb verzichte sie bewusst auf das Fernsehen und das Radio. Sie lese viel lieber Bücher und Zeitungen. Die Folgen dieser Einstellung waren absehbar.


Selbstschutz

In der Regel wird von den Kritikern der "Bild - Aussagen" nicht einmal versucht, komplexe Themen adressatengerecht, einfach und mit einem Beispiel zu visualisieren. Die Behauptung, die Vereinfachung sei nicht möglich, entpuppt sich im Laufe der Übungen meist als Selbstschutzbehauptung.
Eine Bemerkung zu dieser Selbstschutzbehauptung: Wenn jemand etwas nicht kann, findet er immer einen Grund, das zu Lernende nicht tun zu müssen. So wie z.B. eine beleibte Person, welche Sport treiben sollte, postwendend zu der Selbstschutzbehauptung greift und verkündet: "Sport ist ungesund."
Die Praxis bestätigt: Hat eine Person, die sich zuerst vehement gegen Vereinfachungen gewehrt hatte, nachher gelernt, einen Sachverhalt ohne Verfälschung zu veranschaulichen, dann ist in der Praxis die Selbstschutzbehauptung rasch vom Tisch.
Vielfach hilft im Coaching, wenn die Person mit ihrer Selbstschutzbehauptung direkt konfrontiert wird: "Könnte es nicht sein, dass sie die Vereinfachung ablehnen, nur weil sie es noch nicht können?"


Fazit:

  • Wer mit Menschen zu tun hat-
  • Wer motivieren muss-
  • Wer Führungsprozesse steuern will-
  • Wer Mitarbeiter befähigen will, sich selbst zu entwickeln,
der muss sich immer der Kraft des Bildes, des Beispieles bewusst bleiben. Auch im Business gilt: Dank des Spieles mit Analogien und Beispielen kann jede Führungskraft komplizierte Zusammenhänge begreifbar machen. Abstrakte Sachverhalte werden damit besser verstanden. Das Spiel mit passenden Beispielen lohnt sich.




Beim K+K Coaching werden Sie befähigt, die Technik mit den passenden Vergleichen und Beispielen in ihrem Fachbereich überprüfen zu lassen. Wir werden Sie auch beraten oder mit Ihnen "das Spiel mit Beispielen" im Simulator üben. (Praxisorientiertes Lernen).





Rhetorik.ch 1998-2009 © K-K , Weblinks sind erwünscht.
Bei Weiterverwendung ist Autoren- und Quellenangabe erforderlich. Feedback?
Knill.com