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Mit Spiegeln die kommunikative Kompetenz verbessern


von Marcus Knill



Photo: Yuri Bonder
Der Mensch kann sich selbst nicht sehen; nur indirekt über Spiegel oder Mitmenschen. Jean-Paul Sartre hat diese Thematik im Theaterstück 'Bei verschlossenen Türen' aufgegriffen: Ein Raum ohne Spiegel. Der eine sieht sich nur im Andern - in den Blicken, Reaktionen, Gefühlen der Partner. Dies wird im Theaterstück als Qual empfunden. Übertragen auf das Verhaltenstraining veranschaulicht dies: Sich von Menschen spiegeln zu lassen braucht Überwindung. Vielleicht ist der 'Spiegel Mensch' doch die beste Medizin des Menschen.

Erfolgreiche Führungskräfte lassen sich spiegeln. Denn: Spiegel machen uns die eigenen Stärken und Schwächen bewusst. Dies ermöglicht eine gezielte Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit. Leider meiden viele Vorgesetzte das Lernen mit Spiegeln. Vielleicht aus Angst vor der Selbsterkenntnis? Oder befürchten sie, eitel zu werden? (Nur Affen betrachten sich im Spiegel/ Wer viel in den Spiegel schaut, wird eingebildet). Möglicherweise basieren die Hemmungen vor Spiegeln auf der Angst, sich mit den Mängeln auseinander setzen zu müssen. Ist es denkbar, dass der obligate Schock vor dem eigenen Abbild oder der eigenen Stimme eine ablehnende Haltung hervorrufen kann - unter Umständen verstärkt durch unfachgemässes Coaching in einer Ausbildung?


Unzählige Personen meiden beispielsweise in Seminarien die Bespiegelung der eigenen Tätigkeit mit Video. Und recht wenige setzen sich regelmässig dem 'Tonspiegel' aus. Dies ist mit einem Tonbandgerät möglich. Gute erfolgreiche Vorgesetzte nutzen hingegen bewusst die verschiedensten Möglichkeiten des Spiegelns: Angefangen bei der Selbstbespiegelung (Selbstbeurteilung). Sie fragen sich nach jedem Einsatz: Was war gut gelungen? Was könnte verbessert werden? Sie halten sich einen Hofnarren, der nach wichtigen Einsätzen unter vier Augen offen und unverblümt sagt, was ihn gestört hat. Auch erfolgreiche Bundesräte haben übrigens Berater. z.B. spielt Daniel Eckmann bei Bundesrat Villinger den Hofnarren. Nur jene, die sich bespiegeln lassen, entdecken die blinden Flecken beim eigenen Kommunikationsverhalten.


Wer mit Menschen zu tun hat, sollte sich von den Adressaten regelmässig bespiegeln lassen (Feedback). Erstaunlicherweise verlangen nur wenige Ausbildner permanente Rückmeldungen. All die vielen Spiegel von aussen;

  • von oben (Vorgesetzte)
  • von einem Experten (Supervisor)
  • von der Seite (Partner oder 'Hofnarr') oder
  • von der eigenen Arbeitsgruppe (Team)


erleichtern die Optimierungsprozesse im Bereich zwischenmenschlicher Kommunikation. Auch bei der Persönlichkeitsentwicklung gilt: Stillstand ist letztlich Rückschritt. So gesehen müssten unzählige Führungsperssnlichkeiten und Ausbildner umdenken lernen und die vorhandenen Befürchtungen vor Spiegeln unverzüglich ablegen.

In der Fachhochschule Rapperswil werden beispielsweise seit 1997 alle Dozenten und Dozentinnen von den Studierenden beurteilt. Die Beurteilungsblätter (Feedback von unten) bleiben beim betreffenden Dozenten dh. Die Beurteilungsblätter müssen nicht weitergeleitet werden. Der Erfolg wirkte sich positiv aus. Denn durch den Spiegel von unten wuchs plötzlich das Interesse an hochschuldiddaktischer Weiterbildung. Dieses Beispiel veranschaulicht uns, dass Kritik nicht Selbstzweck ist. Die Spiegel haben vor allem ein Ziel. Nämlich: Das Verhalten zu verbessern. Die Angst vor Spiegeln würde gewiss rascher abgebaut, wenn Kritik vor allem unter vier Augen erfolgt.


Im Alltag stellen wir leider immer wieder fest, dass allzu oft im Plenum kritisiert wird, obwohl Kritik in der Regel kein Publikum benötigt. In einem Schulversuch nahm ein Sekundarlehrer die Schülerinnen und Schüler wührend den Prüsentationen im Unterricht mit einem Videogerüt auf (Bild- und Tonspiegel). Dank der fachgerechten Ausbildung stellte der Lehrer die Kinder nicht vor versammelter Klasse bloss. Die Kinder konnten sich später im Nebenraum einzeln an einem Monitor erleben und sich selbst beurteilen. Der Erfolg war nach Monaten erstaunlich gross. Denn allein der Spiegel Video machte den Jugendlichen ihr Verhalten (Stärken und Schwächen) bewusst. Jedenfalls lohnte sich diese unübliche Supervision. Grundlegende Mängel verschwanden durch das Erkennen des eigenen Verhaltens, wie beispielsweise: Teilnahmloses, spannungsloses Reden; unruhiges Stehen, fehlende Gestik, mangelnder Blickkontakt, Monotonie usw. Der Spiegel Video wurde so zum Lernhelfer. Die Kamera war Supervisor. Dieser Erfolg macht uns deutlich, dass das eine neutrale Bespiegelung sehr wertvoll sein kann. Fachgerechtes Verhaltenstraining verläuft stets in drei Phasen:

  • 1. Phase: Sensibilisierung (Wahrnehmungsdifferenzierung)
  • 2. Phase: Einstellungsveränderung (Einsicht, dass.....)
  • 3. Phase: Erprobung der verbesserten Verhaltensweise


Der ganze Prozess kann jedoch nur durch Selbstwahrnehmung eingeleitet werden. Vor allem in der ersten Phase bedarf es der Konfrontation mit dem Fremd- und Selbstbild. Hier sind Spiegel notwendig und hilfreich. So gesehen ist tatsächlich das 'Lernen mit Spiegeln' ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.




Das ist eine Version eines Artikels in Alpha . einer Publikation der Verlage Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung . Der Artikel ist am 5/6. Juni 1999 erschienen und ist hier zu finden.

In der Praxis stelle ich immer wieder fest, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis jemand sein echtes Spiegelbild (bei Videoaufnahmen) akzeptiert. Beim fachgerechten Videofeedback sind sich viele Menschen nicht bewusst, dass sie beim Betrachten der Sequenzen mit dem natürlichen Abbild konfrontiert werden und sich so sehen wie die Umwelt. Das Bild wird weder beschönigt noch verschlechtert.

Ein ausgebildeter Kameramann filmt möglichst objektiv, d.h. so, wie jemand von den anderen Menschen gesehen wird. In der Regel sehen wir uns leider täglich X Mal seitenverkehrt im Spiegel. Links ist rechts und die rechte Seite ist links. Ferner blenden Menschen gerne das wahre Bild des eigenen echten Bildes aus.

Das Spiegelbild trügt in der Regel, das wir in uns haben. Nicht nur, dass wir uns möglicherweise jünger in Erinnerung haben. Oder weil wir unser tatsächliches Bild überblenden. Mit Versuchen konnte nachgewiesen werden: Wurden Menschen mit ihren manipulierten d.h. beschönigenden Portraits konfrontiert, so zeigte sich: Die Betrachter unterstellten sich die geschönte Aufnahme und bezeichneten diese als echt. Erst, wenn sich jemand ständig mit dem echten ungeschönten Abbild auseinandersetzt, bekundet er weniger weniger Mühe, sich zu akzeptieren und dieses ungeschminkte Abbild richtig zu lesen. Man kann diesen Prozess der Selbsterkenntnis mit dem Lesen eines Textes im Spiegel vergleichen. Wer versucht, Texte im Spiegelbild zu lesen, wird grosse Mühe haben, diesen Text fliessend zu lesen. So ergeht es auch uns, wenn wir nicht gelernt haben, sich mit unserem echten Abbild ständig auseinanderzusetzen. Wer das echte Abbild ständig ausblendet, wird es beim ersten Videofeedback so gehen, wie wenn man im Spiegel versucht den gespiegelten Text zu lesen.

Das will heissen: Es lohnt sich, sich regelmässig dem fachgerechten Videospiegel auszusetzen. K+K ist Ihnen bei diesem Check behilflich.






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