Rhetorik.ch

Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com
Aktuell Artikel Artikel Inhaltsverzeichnis Suche in Rhetorik.ch:



Zeichen-Rhetorik


von Marcus Knill


Wie auch die Kleidersprache kann das "Zur Schau tragen von Zeichen" Aussagen beeinflussen. Trägt zum Beispiel ein Jugendlicher ein Peace-Symbol oder jemand ein Rotary-Abzeichen, so beeinflusst dies die Einstellung der Beobachter. Vorurteile oder Erwartungshaltungen werden geweckt.

Signete Signale

Ob bei Fischsymbolen oder lustigen Klebern am Auto, aufgedruckten Symbolen auf T-Shirts oder Tatoos auf der Haut. Die Zeichen sprechen wortlos für sich. Es handelt sich um Zeichenrhetorik oder Signetrhetorik. Wir erwarten dass ein Zeichenträger gewisse Dinge tun muss, tun sollte und tun kann.
Beispiel: Fromm sein, so scheint es, scheint derzeit sehr schick zu sein. Prominente tragen beispielsweise wieder stolz christliche Symbole. Wenn im Dekolletee von Barbara Wussow ein Kreuz blitzt, so ist dies mehr als nur ein Schmuck. Ob sie will oder nicht, so macht, sie mit dem Zeichen eine Aussage. In diesem Fall stimmt die Vermutung. Barbara Wussow bestätigte: Ich bin ein gläubiger Mensch. Das Kreuz hätte aber auch nur ein Schmuckstück sein können.


Obwohl Rollenerwartungen oder Rollenvorschriften klar zugeordnet sind, und das Rollenverhalten von der Erwartung abweichen kann, beeinflussen Zeichen die Einstellung zur betreffenden Person.


Stereotypen

Zeichenträger wecken Stereotypen, vorgefertigte Bilder in uns. Es sind Bilder, die wir in unseren Köpfen gespeichert haben. Zeichen verstärken emotional gefärbte Vorstellungen und beziehen sich auf ganze Gruppen von Menschen.

Stereotyp Art Schimpfwort Beispiel eines vorgefertigten Bildes
Jugoslave NationenstereotypAutoraser hat keine Skrupel, Unerlaubtes zu tun
Schweizer NationenstereotypBünzli hat keinen Mut zu Neuem
Manager Berufsstereotyp Abzocker ist rücksichtslos
Beamter Berufsstereotyp Bürogummiarbeitet freudlos und ideenlos
Sozialist Politstereotyp Linker möchte Wirtschaft verstaatlichen
KonservativerPolitstereotyp Kapitalist ist mit Wirschaftsinteressen verfilzt


Eine Person, die mit einem Zeichen versehen ist, ordnen wir unbewusst ein. Wir machen uns sofort ein Bild von ihr und sind überzeugt, etwas über diese Personen oder ihr Verhalten zu wissen. Das Zeichen bestimmt den Gesamteindruck. Andere Aussagen werden von diesem Zeichen "überstrahlt". Es kommt zum Halo-Effekt.


Assoziationen

Zeichen wecken stets Assoziationen. Wie bei der Bildrhetorik wird das Zeichen oder Bild ganzheitlich erfasst und weckt zwangsläufig neue Bilder. Zeichen können jedoch logische Fehler beinhalten. Der logische Fehler besteht darin, dass bestimmte Eigenschaften für uns logischer weise zusammen gehören:

Stereotyp: Trägt eine Frau ein Kopftuch, so akzeptiert sie das Patriarchat. Stereotyp: Wer ungepflegt umherläuft, ist faul, uninteressiert und arbeitsscheu. Stereotyp: Ein Manager geht im Interesse der Gewinnoptimierung über Leichen.


Bei Zeichenträgern ziehen wir bei den Verhaltensweisen Rückschlüsse auf die betreffende Person. Wir schreiben ihr bestimmte Eigenschaften zu. Diese Zuschreibungen prägen "das Bild des Zeichenträgers".

Warum überleben Vorurteile?

Wird das Zeichen mehrfach "richtig" interpretiert, so beeinflusst diese Bestätigung die Wahrnehmung. Das Zeichen verstärkt die Interpretation. Es kommt zur selbsterfüllenden Prophezeihung. Wie beim wöchentlichen Horoskop, haben die bestätigten Fälle grössere Chance, im Langzeitgedächtnis zu überleben.



Wahrnehmungsverzerrung

Weshalb verzerren Zeichen unsere Wahrnehmung?

  • Zeichen sind einfacher als die Realität. Sie erleichtern die Orientierung.
  • Zeichen sind dauerhafter als die Wirklichkeit. Wenn die Menschen so sind, wie wir es von ihnen erwarten, so verstehen wir das Verhalten besser.
  • Zeichen sind weniger widersprüchlich als die Realität. Wir empfinden die als eindeutiger.
  • Zeichen erzeugen Übereinstimmung mit der Gruppe und erleichtert die Zuordnung.



Beobachtungsaufgabe:



Beachten Sie während eines Tages, wann Sie Menschen aufgrund eines Zeichens "zu rasch" zugeordnet haben, ohne die Zuordnung zu hinterfragen. Notieren Sie Zeichen, die Vorurteile wecken können. Diese Beobachtungsübung können wir im Beruf, beim Fernsehkonsum oder bei der Alltagkommunikation machen. Es sich ebenfalls zu bedenken, ob wir nicht selber Zeichen tragen, die zu Missverständnissen führen könnten.



8. Februar 2006:

Da Hakenkreuze nicht erlaubt sind, müssen die Bürger gegen die Rechtsextremisten künftig auf durchgestrichene Hakenkreuze verzichten, damit sie nicht gegen das Gesetz verstossen. Um nicht kriminalisiert zu werden, wurde das Zeichen mit dem Wortlaut Hakenkreuz ersetzt. Damit wird die Zeichenrhetorik legal. Auch das Verteilen von zerbrochenen Hakenkkreuzen ist übrigens nach Aufffassung der Stuttgarter Strafanwaltschaft nicht erlaubt. Weil die Behörden bereits Flugblätter mit zerbrochenen Hakenkreuzen eingezogen haben, wurde jedoch eine Beschwerde gegen dieses Vorgehen eingereicht.


10. Dezember, 2004




Rhetorik.ch 1998-2009 © K-K , Weblinks sind erwünscht.
Bei Weiterverwendung ist Autoren- und Quellenangabe erforderlich. Feedback?
Knill.com