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Moderieren-aber wie?


von Marcus Knill


quelle: www.sfdrs.ch Aktuellbeiträge zum Thema Moderation auf www.rhetorik.ch":


Der Moderator

Das Wort "Moderat" heisst gemässigt. Wenn sie als Moderatorin oder als Moderator ein Gespräch, eine Sitzung, eine Diskussion oder eine Veranstaltung leiten müssen, so nehmen Sie ebenfalls eine moderate, gemässigte, neutrale Haltung ein. Moderation heisst denn auch ursprünglich Mässigen oder Schlichten zwischen einzelnen oder mehreren Personen. Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Wort "moderieren" dem lateinischen Verb "moderare" entlehnt.


Neutralität

Neutral sein, heisst:
  • Nicht Partei ergreifen.
  • Beiträge weder werten noch kommentieren.
  • Alle Teilnehmer gleichermassen zu Worte kommen lassen.
  • Kein Teilnehmer hat recht oder unrecht.
Trotzdem können Sie als Moderatorin Inhalte in Frageform einbringen; z.B. "Könnte es sein, dass ....?"
Als Moderatorin haben Sie durch die Leitungsfunktion eine Machtposition. Beim Ablauf d.h. bei den Prozessen sind Sie Expertin; hingegen beim Inhalt gilt stets:

Sich neutral einbringen.




Vorbereitungen

Zu den Vorbereitung gehören:
  • Themen (Traktandenliste)
  • Ziel
  • Ausgangslage.
  • Zeitbudget
  • Teilnehmerkreis (Auswahl)
  • Einladungen
  • Rahmenbedingungen, wie
    • Raum (eher zu gross wählen)
    • Umfeld (Tische, Heizung oder Lüftung, Störquellen (z.B. Natel))
    • Sitzordnung
    • Utensilien
    • Medien
    • Leibliches Wohl



Auch Profis machen Fehler bei der Vorbereitung
Dass selbst Profis grobe Fehler machen koennen bei der Vorbereitung einer Moderation, erlebten die Fernsehzuschauer am Samstagabend 9. Juni 01 in einer Diskussionssendung im SF DRS 2 (P-RV) unter der Leitung von Frank A. Mayer: Plötzlich läutete während einer lebhaften Diskussion Mayers Natel. Das Gespräch wurde nicht nur gestört. Der Diskussionsfluss (übrigens diskutierte auch Jean Ziegler mit) wurde unverhofft gestoppt. Die Körpersprache des Moderators verriet, dass er sich über die mangelnde Vorbereitung ärgerte. Es gehört zum Handwerk jedes Moderators, vor einer Sendung alles zu tun, damit die Diskussion nicht durch Selbstverschulden gestört wird. Es können immer noch genügend andere unverhoffte Zwischenfälle eintreten. Dass Frank A. Meyer den selbstverschuldeten Zwischenfall professionell auffangen konnte, bewies er damit, dass er auf die Panne einging. Er thematisierte die Panne und sagte humorvoll: "Vielleicht wollte mir ein Börsenberater telefonieren". Bei der Diskussion ging es nämlich gerade ums Thema Geld.
Dass sich aber Frank A. Mayer ungenügend vorbereitet hatte, zeigte der Umstand, dass er sein Natel nicht ausgeschaltet hatte.
Fazit: Moderatoren nehmen keine Natels in den Diskussionsraum.




Leiten

  • Techniken des Steuerns kennen (siehe Lenkungstechniken).
  • Spielregeln vor der Sitzung bekanntgeben und durchsetzen.
  • Bei den Prozessen hart sein. Aber mit den einzelnen Menschen freundlich bleiben (Harvard Prinzip).
  • Warten können, unter Umständen auch rasch intervenieren (flexibel sein).
  • Aktiv zuhören (Techniken des Spiegelns und Paraphrasierens beherrschen).
  • Selbst als Moderator ehrlich, echt, natürlich und offen bleiben.
  • Die Teilnehmenden und deren Beiträge wertschätzen.
  • Resultate und Aussagen visualisieren können (Medien beherrschen).


Intervenieren bei Konflikten

Falls Konflikte und schwierige Situationen entstehen, gilt es Probleme rasch zu erkennen und Ursachen herauszufinden. Unterschiedliche Begriffe oder zwischenmenschliche Aspekte können zu Frustrationen führen. Speziell gilt es Interventionstechniken zu beherrschen:
  • Reviewtechnik: Nochmals kurz das Ziel rekapitulieren. Klären, wohin wir letztlich wollen.
  • Fragetechnik nutzen. "Fragen statt sagen".
  • Auf die Meta-Ebene wechseln. Über das Gespräch reden.
  • Feedback einholen
  • Blitzlicht: Jeder sagt kurz seine Meinung oder Befindlichkeit zur Situation.
  • Schriftlich weiterdiskutieren ( Metaplantechnik anwenden)
Beim Umgang mit Konflikten:
  • Angriffe gegen den Moderator nicht persönlich nehmen.
  • Aussage notieren
  • Auseinandersetzung auf später verschieben
  • Neu starten, wenn sich alles im Kreis dreht und die Sache nicht vom Fleck kommt.
  • Bei Beleidigung oder unfairem Verhalten, das Problem unter vier Augen mit der betreffenden Person nach der Sitzung bereinigen
  • Wenn Teilnehmer kommen und gehen, Störung anmelden. (Störung hat Vorrang)
  • Bei Vielredneren, den Umgang mit schwierigen Teamtypen beherrschen.


Instrumente der Konfliktlösung

  • Blickkontakt
  • Pausen aushalten können
  • Verständis und Ergänzungsfragen stellen
  • Neue Informationen zulassen und sammeln.
  • Alternativen abwägen lassen
  • Lösung suchen, die für beie Seiten annehmbar sind.


Aufgaben der Moderatorin:

  • Formales klären (Themen, Vorgehensweisen)
  • Bei der Eröffung Übersicht schaffen
  • Regeln vereinbaren. z.B.
    • Rauchen erlaubt/Kein Rauchen.
    • Pünktlichkeit des Abschlusses.
    • Dafür sorgen, dass Natels abgeschalten sind.
  • Beim Ablauf
    • Gespräche anstossen, beleben
    • Nachfragen
    • Helfen, sich zu äussern
    • Alle mit einbeziehen
    • Zeit managen
    • Kreativität der Teilnehmenden moblilisieren
    • Prozesse und Ergebnisse transparent machen
    • Zusammenfassen
    • Dafür besorgt sein, dass roter Faden nicht verloren geht
    • Zur Reflexion der Prozesse anregen
    • Für angenehmes Gesprächsklima sorgen (kommunikationsfreundliches KI)
    • Bei Störungen intervenieren
    • Bei Konflikten vermitteln
    • Regeln durchsetzen (Schiedsrichterin)
    • Bedenken: Was geduldet wird, entspricht immer einer Zustimmung
    • Moderationstechnik nutzen mit situationsgerechter Visualisierung
    • Ziel und Abschluss erreichen, positiv abschliessen


Tipps für die Moderatorin:

  • Aussagen reflektieren.
  • Beiträge strukturieren.
  • Was war wichtig? (Wichtiges herausschälen).
  • Nicht zu viel wollen (Sich nicht zuviel vornehmen).
  • Immer wieder das Ziel betonen und auf das Ziel hinleiten.
  • Nicht nur das Endergebnis auch Zwischenergebnisse fixieren.


Einige Regeln:

  • Nur eine Person redet
  • Alle fassen sich kurz (Langredner werden unterbrochen)
  • "Ich" statt "Man"-Aussagen
  • Jeder spricht für sich und nicht für andere


Prinzipien des Moderierens:

  • Prinzip des "Dienstkleides"
    Wer in einer Institution ein bestimmtes Kleid trägt, übt auch eine bestimmte Rolle aus mit Rechten und Pflichten. Beim Gespräch gilt es deshalb, den jeweiligen Status zu erleichtern. z.B. Wer spricht, steht beim Flipchart. Die Moderatorin sitzt in der Mitte oder oben am Tisch.
  • Prinzip der Schriftlichkeit
    Inhalte werden visualisiert. Traktanden sind schriftlich fixiert (evt. als Plakat angeschlagen). Wichtige Erkenntnisse und wichtige Punkte werden notiert.
  • Prinzip der Fragehaltung
    Anstelle der Sagehaltung dominiert bei der Moderation die neutrale Fragehaltung. Meinungen werden erfragt - nicht bewertet. (So erfahren wir Standpunkte).
  • Prinzip der "Goldwaage"
    Dieses Prinzip geht davon aus, dass alle, die im Glashaus sitzen, keine Steine werfen sollten. Es geht um die gegenseitige Wertschätzung; um ein konstruktives Arbeitsklima. Wenn Missverständnisse erkannt werden, geht es um die Einstellung: "Ich habe mich offensichtlich ungenau ausgedrückt" Nicht: "Sie müssen besser zuhören!"


Struktur einer Moderation (Handlauf):

  • Einstieg
    • Begrüssung
    • Veranstaltung eröffnen - Interesse wecken
    • Orientierung (Ziele, Erwartungen, Wümsche, Rollen
  • Traktanden
    • Programm bekanntgeben
    • ev. klären, wo wir stehen
    • Festlegen, was dringend ist
    • Eventuell Prioritäten ändern
    • Ziel und Zeitplan
  • Themen bearbeiten
    • Erstes Traktandum präsentieren
    • Meinungen anhören
    • Ansichten klären
    • Lösungsalternativen gegenüberstellen
    • Ergebnisse festhalten
    • Massnahmen planen (Wer macht was bis wann?)
    • Analog mit anderen Traktanden verfahren
  • Abschliessen
    • Resultate zusammenfassen
    • Reflexion
    • Fragen
    • Rückschau
    • Ausblick (Traktanden festhalten, die später zu behandeln sind)
    • Pendenzen
    • Dank
    • Positiv abschliessen
    • Verabschiedung


Moderationsstil

Direktiv mit positiven Assoziationen:

  • gibt klare Strukturen
  • vermittelt Sicherheit'
  • lässt Diskussionen nicht ausufern

Direktiv mit negativen Assoziationen

  • lässt keine Freiräume
  • ist unflexibel (weicht auch bei neuen Problemen nicht aus)
  • unterbricht die Teilnehmenden
  • wirkt bevormundend

Nondirektiv mit positven Assoziationen

  • lässt Platz für längere Prozesse
  • Teilnehmer haben Eigenverantwortung
  • Teilnehmer fühlen sich ernstgenommen

Nondirektiv mit negativen Assoziationen

  • wirkt antriebslos
  • Diskussionen ufern aus
  • Teilnehmer fühlen sich unsicher
  • keine klaren Strukturen


Die Balance zwischen direktiv und nondirektiv suchen!


Methodendiskussion

Wichtig:
Während der Moderation darf keine Methodendiskussion über die Art des Moderierens zugelassen werden.
Lassen Sie eine Methodendiskussion zu, sind sie rasch in eine Sackgasse verstrickt und sehen den roten Faden nicht mehr.


Checkliste "MODERATIONSVERHALTEN"

  1. Kontakt herstellen
    • Blick
    • Interesse zeigen
    • Lob
    • Positiver verstärken
  2. Ausgleichen
    • Rollen verteilen
    • Passive aktivieren und miteinbeziehen
  3. Übersicht wahren und für Übersicht sorgen.
    • Wesentlichste Aussagen in kompakter Form skizzieren
    • Gemeinsamkeiten und Differenzen herausschälen
    • Unter Umständen sogar eine provokative Meinung in den Raum stellen
  4. Kritische Situationen meistern.
    • Um Lösungsvorschlag bitten.
    • Kritik verstehen wollen. (Verständnis zeigen für...)
    • Gemeinsamkeiten hervorheben
    • Angriffe aufgliedern (auf der Sachebene)
    • Nie emotional zurückschlagen


Fazit

Wer moderiert, muss die Balance zwischen Empathie und Kontrolle finden. Wer gut moderiert, meistert auch die spezifische Ambivalenz: Sich weder in den Vordergrund zu spielen, noch sich bei den Gesprächen zu stark zurückzunehmen oder ganz herauszuhalten.

Der Moderator hilft, zu einem Ergebnis zu kommen.




In unseren Seminaren "Moderieren- aber wie?" werden Sie die unterschiedlichen Moderationsmethoden zur kreativen Anregung und Visualisierung kennenlernen. Alle Übungen sind praxisorientiert. Sie lernen auch, mit schwierigen Gruppenkonstellationen und heiklen Mitarbeitenden umzugehen. Ferner werden Sie alternative Reaktions- und Steuerungsmöglichkeiten kennenlernen. Sie erproben die Rolle des Moderators / der Moderatorin. Das Modul "Moderieren- aber wie?" erteilen wir für Journalisten, aber auch für Führungskräfte. Es hat sich gezeigt, dass viele Vorsitzende nicht gelernt haben, wie Meetings oder Sitzungen fachgerecht moderiert werden.




Quelle: Foto von Martin Zinzigi in der Zeitschrift TERZ .

Ich durfte am Symposium PRO SENECTUTE am 23. April 2009 die Jubiläumsveranstaltung moderieren. Peter Gross sprach über den Glücksfall Alter François Höpflinger über engagierte Grosseltern, Enkelkinder und Wahlgrosseltern Otto Zok über die Sinnfindung im höheren Alter. Gabriela Manser, die CEO der Mineralquelle Gontenbad AI befragte ich über die Erfahrung und Flexibilität mit älteren Mitarbeitern im Betrieb. Ich musste die Referenten vorstellen, mit einer Referentin auf dem Podium ein Interview führen und die Podiums- und Forumsdiskussion leiten. Dabei hielt ich mich an folgende bewährten Prinzipien: Gute Vorbereitung und Konsequentes Zeitmangement. Moderieren heisst, Präsent sein und die anderen zu Reden bringen. Die Vorbereitungen haben sich gelohnt. Ich hatte mich intensiv mit den Referenten und deren Publikationen auseinandergesetzt. Hinsichtlich Zeitmanagement sagte ich jedem Referenten. 5 Min vor Ablauf eines Zeitbudgets würde ich in der vorderen Reihe aufstehen, dann langsam die Treppe hinaufsteigen und nach Ablauf des Refrates neben ihm stehen. Falls die Zeit nicht eingehalten würde müsste ich die Hand hochhalten. Alle sprachen zeitgerecht. Das konsequente Zeitmanagement hatte sich gelohnt. Es ist unangenehm und ärgerlich, wenn die ersten Redner den Nachfolgern die Zeit "stehlen".






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