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Zum Umgang mit schwierigen Teamtypen: Das Janusgesicht


von Marcus Knill

Roland Rosenbach, Janusgesicht, 1989 Öl auf Holz, 50 cm x 50 cm Privatbesitz, Kreuzlingen.
Im Lehrbuch Team und Kommunikation ist ein Kapitel dem Umgang mit den unterschiedlichsten Teamtypen gewidmet. Ich sammelte damals monatelang die gängigsten und sonderbarsten Teammitglieder und glaubte, die wichtigsten Typen und Mischformen zusammengetragen zu haben.

Wir behandeln hier ein besonders schwieriges, gefährlichen und heiklen Teammitglied, das oft auch bei Mobbingprozessen anzutreffen ist. Der Team-Typ hat zwei Gesichter, diskutiert bei Fachgesprächen aktiv mit und äusserte keine offene Kritik. Die Hinterhältigkeit bleibt verborgen, auf eine offene Auseinandersetzung wird verzichtet. Das zweite Gesicht bleibt im Hintergrund.

Undurchsichtige und versteckte Doppelspiele können im Beruf und im Kommunikationsalltag passieren. Die Methode ist in klassischen fernöstlichen Kriegslisten dokumentiert, die heute auch Strategeme genannt werden.

Das "Janusgesicht" in der folgenden Geschichte macht sich solche Leitsätze der Chinesischen Kriegslisten zu Nutze.

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Ein Fallbeispiel aus der Praxis

Wir kennen die Vorkommnisse direkt vom betroffenen Seminarleiter dem nach dem Kurs Teilnehmer schriftlich und mündlich die Vorkommnisse bestätigt haben sollen. Bei der Janus Person handelt es sich um ein Kommunikationsfachmann, der selbst in der Beratung tätig ist und Erwachsenenbildungskurse organisiert und sich für Kommunikationsprozessen interessiert. Die positive Mitwirken ist jedoch nur ein Doppelspiel. Vor und nach dem Seminar - auch in Pausen - agierte er destruktiv. Er kritisierte im Versteckten den Kursleiter. Am Schluss des Seminars schreibt er im anonymen Beurteilungsblatt ein vernichtendes Urteil. Beim Ausfüllen des Blattes nimmt er Kontakt zu zwei Mitgliedern seiner persönlichen Arbeitsgruppe auf und bearbeitet ihr Urteil über den Leiter. Der Agitator weiss, dass die Wirkung seiner Einzelaktion verpuffen würde und eine gemeinsame Aktion wirkungsvoller ist.

Nur durch Zufall wurde das Tun entdeckt. Der Janustyp wurde vom Leiter und der Gruppe aber im Glauben gelassen, die Strategie sei aufgegangen und wurde nicht zur Rede gestellt. Der Kurs konnte in guter Stimmung abgeschlossen werden. Nur bei der Verabschiedung könnte die Person vom Schluss-Gedanken verunsichert worden sein, als der Seminarleiter meinte, dass eine gute Wahrnehmung bei Kommunikationsprozessen immer wichtig sei und meinte:

"Oft lassen wir uns täuschen. Ich wünsche Euch im Alltag, viele Ent-täuschungen d.h. dass Ihr Täuschungen rechtzeitig erkennt."


und sich mit den Worten

"Ich bin froh, Sie richtig kennengelernt zu haben!"


vom "Janusgesicht" verabschiedete. Der Seminarleiter in dieser Geschichte durfte hautnah erfahren, wie doppelbödiges Verhalten wirken kann. Der Teilnehmer war während des Seminares stets freundlich und zuvorkommend. Die täglichen Feedbackrunden waren immer positiv. Er bot dem Leiter vor dem Seminar an, den Kurs im eigenen Ausbildungszentrum durchzuführen und das Team zu sich nach Hause ein und einem Nachmittag in bester Atmosphäre arbeiten. Das ist das Strategem "vom Gast zum Gastgeber werden". Erst am Schluss wurde "mit dem Messer eines anderen getötet". Das Hauptstrategem war aber, "Hinter dem Lächeln den Dolch zu verbergen".


Strategeme aus dem "Geheimbuch der Kriegskunst"

Harro von Senger Der Schweizer Sinologe Harro von Senger widmet sich seit Jahren der Kunst der List, einer Geheimwissenschaft, die in Asien als Kunst gilt. Bei den Strategemen geht es nicht um Ratschläge, sondern um Denkanstösse.

Der Katalog der 36 Strategeme ist nicht eine neuzeitliche Zusammenstellung von Redewendungen, sondern ein Auszug aus einem Militärtraktat, das von einem unbekanntem Autor vor etwa 500 Jahren geschrieben worden ist. Es hiess "Sanshiliu Ji. Miben Bingfa". Dieses Geheimbuch der Kriegskunst enthät 36 Strategeme. Quelle Hier ist eine Auswahl der Strategeme, die im obigen Fallbeispiel zum Zug kommen:




  • Mit dem Messer eines anderen töten
  • Ausgeruht den erschöpften Feind erwarten
  • Hinter dem Lächeln den Dolch verbergen
  • Auf das Gras schlagen, um die Schlangen aufzuscheuchen
  • Will man etwas fangen, muss man es zunächst loslassen
  • Das Wasser trüben, um die ihrer klaren Sicht beraubten Fische zu fangen
  • Sich mit dem fernen Feind verbünden, um den nahen Feind anzugreifen
  • Dürre Bäume mit Blumen schmücken
  • Die Rolle das Gastes in die des Gastgebers umkehren:
  • Das Strategem des Zwietracht-Säens
  • Die Stille nutzen, um Lärm zu machen.


Zu diesen Thema passt das Zitat von Inge Meysel (1910-2004) einer deutsche Schauspielerin, die n der Zeit des Nationalsozialismus zwölf Jahre Auftrittsverbot hatte. Ihr Vater wurde enteignet und sie überlebte die Zeit in einem Kellerversteck:

"Ich liebe Wortgefechte - wenn die Messer von vorne kommen"




Literatur und Links

  • Christian Kunert und Marcus Knill, Team und Kommunikation, Sauerländer Verlag,
  • Die Kunst des Krieges, Sun Tzu, Sunzi, Droemer Knaur, 2001 Unbesiegbarkeit durch innere Meisterschaft Sun Tzu, Sunzi Bauer, Freiburg, 1997
  • Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft Sun Tzu, Sunzi Bauer,Freiburg 2000 , Piper, 2005
  • Harro von Senger: Strategeme: Die berühmten 36 Strategeme der Chinesen, Bd. 1 und 2, Scherz Verlag, Bern,München,Wien, 2000
  • Harro von Senger (Hrsg.): Die List, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 3.Aufl. 2000 (es Nr. 2039)
  • Harro von Senger: Die Kunst der List, Beck Verlag, München 3. Aufl. 2002.
  • Die 36 Strategeme
  • Strategeme

Datum: 10. August, 2005

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