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Handy Etikette

von Marcus Knill

Vom Handy gestörter Redner

Sie werden bei einem Referat durch einen Handysünder gestört - was tun?

Wenn jemand an einer Veranstaltung stört, weil der penetrante Klingelton seines Handys die Aufmerksamkeit des ganzen Saales auf sich zieht, lohnt es sich, als Referent die Ausführungen kurz abzubrechen und zu sagen: "Musik Musik" (mehr nicht) Alle Augen sind nun auf den "Sünder" gerichtet. Er wird gewiss mit hochrotem Kopf den Saal verlassen. Er wird diese peinliche Situation nie mehr vergessen. Als Redner würde ich so lange warten, bis der Handysünder den Raum verlassen hat und würde erst dann mit den Ausführungen weiterfahren. Wir garantieren nach diesem Einschub die volle Aufmerksamkeit. Allfälllige Döser sind geweckt worden. Alle sind nun ganz Ohr.


Warum nerven Handys?

Vielen Leuten gehen Mobil-Telefonkonversationen auf den Wecker. 9 von 10 Befragte einer deutschen Umfrage wünschen Verbotzonen für Mobiltelefone Quelle. Hier sind Erklärungsversuche:
  • Der Mensch liebt keine Halbinformationen. Bei einem Handy Telefongespräch bekommt man als Aussenstehender nur die Hälfte mit. Das Gehirn muss die Lücken ausfüllen. Das lenkt ab. Man kann nicht mehr im Buch lesen. Eine Konversation zwischen zwei anwesenden Leuten stört weniger. : Die New York Times berichtet von einer Studie die im Journal PloS One publiziert wurde, die das bestätigt.
  • Beim Überhören einer Telefonkonversation wird man zum Mitlauscher oder Voyeur. Ob man es will oder nicht. Die meisten Telefonate per Mobiltelefon sind privat. Manchmal sehr privat. Die Konversation ist nicht für andere Ohren bestimmt. Man kann aber nicht anders als zuzuhören.
  • Weil der Handybenutzer die eigene Stimme nicht laut im Hörteil hört, reden viele Leute laut, brüllen ins Handy. Viel lauter als in einem normalen Gespräch. Lautes Sprechen stört.
  • Die Banalität der Informationen grenzt oft ans Unerträgliche für einen Anwesenden: "Ja Schatz, ich bin jetzt gerade an der Bahnhofstrasse. Ja, ich bin im Tram". Für den Zuhörenden ist das banal, weil man ja auch an der Bahnhofstrasse ist. Gerade Telefonate wie "Rate, wo ich im Moment gerade bin?", könnten unterlassen werden.
  • Die am Handy sprechende Person ist abwesend, ein Klingelton kann ein Gespräch oder eine Stimmung zerstören. Das elektronische Gerät hat Vorrang über die wirklch anwesende Person.
Es gibt schon Handy-Etikette oder Handy-Knigge rsp. Tips für Handy Umgangsformen.


Handy-Knigge von "justbeman" (Quelle)

  • Bitte nicht schreien. Auch in einer lauten Umgebung ist eine normale Stimme gut zu verstehen.
  • Lieber kurz und knapp. Wenn nötig, bieten Sie einen späteren Rückruf an.
  • Schalt mal ab. Bei romantischen Dates, Kino, Gottesdienste, Museen, Konzerten.
  • Vor der Tür. Wenn der Anruf im Restaurant länger dauert, gehen Sie vor die Tür.
  • Handy vom Tisch. Ein Handy auf dem Tisch signalisiert: ein eingehender Anruf ist wichtiger als der Partner.
  • Nicht ohne mein Handy. Ein eingeschaltetes und liegengelassenens Handy an das man nicht rankommt, nervt.
  • Kein Endlosklingeln. Handy einstellen, so dass nach maximal 4 klingeln soll die Mailbox umgeschaltet wird.
  • SMS kann warten. Wenn eine SMS reinkommt, nicht mit Blick aufs Handy das Gespräch unterbrechen.
  • Tastentöne Tastentöne desaktivieren beim SMS. Hundert Pieptöne nerven die Umgebung.


Sarkastischer Handy-Knigge (Quelle)

  • Sprich immer laut und deutlich. Mitmenschen haben schliesslich das Recht, das Gespräch mitzuhören.
  • Einschaltquoten in Talk-Shows beweisen: Leute lieben intime Details. Also nur drauflos, melde was der Doktor gesagt hat.
  • Wenns irgendwo klingelt, zeige der Welt das Du auch eines hast. Greif nach Deinem Handy.
  • Ignoriere ein klingelndes Handy, wenn Du alleine bist. Wenns niemand sieht, machts keinen Spass.
  • Benutze Räme, die optimale Verständigung garantieren: Museen, Kirchen, Bibliotheken etc.
  • Handy im Theater, Konzert, oder Oper ist in Ordnung: die Künstler werden so zu Höchstleistungen angespornt.
  • Telephonieren im Auto trainiert nützliche Fertigkeiten wie Einhändigfahren und verbessert die Geschicklichkeit.
  • Telefonat beim Liebesspiel ist nicht tabu. Der Partner hat Verständnis, dass man auch die Neugier befriedigen muss.


Die 10 Gebote von Dan Briody (Quelle)

Erspare Deinem wehrlosen Mitmenschen Deine banale Konversationen in Räumen ohne Fluchtmöglichkeit (Bus, Esstisch, Zug). Leute in der Nähe soll die Möglichkeit bewahrt bleiben, nicht mitzuhören.

Unterlasse es, den Rington "La Cucaracha" oder "Beethoven's Fünfte" zu spielen, jedesmal, wenns klingelt. Es ist schon genug, dass die Handies ständlig loslegen. Müsssen wir jedesmal diesen synthetischen Unsinn anhören?

Schalte das Handy vor öffentlichen Aufführungen, Reden, Konzerten aus. Obwohl es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, passiert es immer wieder, dass Telephone eine Vorführung stören.

Nimm kein Handy ins Schwimmbad oder in die Umkleidekabine des Sportclubs. Praktisch alle Handies haben auch eingebaute Fotokameras. Lass Deinem Mitmenschen die Privatsphäre beim Umziehen, oder auf der Toilette. (Wir haben dieses Gebot geändert: Briody hat hier das Gebot, die Anzahl Handy und Pagergeräte auf 2 am Gürtel zu beschränken)

Benütz kein Telephon beim Autofahren. Es ist eine Herausforderung an sich, Autozufahren, oder zu Telephonieren. Beides zusammen ist zu schwierig. Man weiss, dass ein telphonierender Autofahrer die Fahrfährigkeit eines Betrunkenen Fahrers hat.

Trage nicht ein Ohrhöhrer, wenn Du nicht telphonierst. Ein wirklicher Gesprächspartner, weiss nicht, ob Du present bist oder nicht. Man nennt jamand mit blinkenden Bluetoothgeräten am Ohr auch "Bluetoothferry".

Sprich nicht lauter als mit einem normalen Telefon. Handies haben gute Mikrofone. Lautes Sprechen hilft nicht, wenn die Verbindung schlecht ist.

Versuche nicht, mit dem Handy anzugeben. Handies sind dazu schon lange nicht mehr geeignet. Wenn es dazu gebraucht wird, erkennt die Umgebung sofort den Neuling oder Angeber.

Knalle nach der Ankunft im Restaurant nicht das Handy auf den Tisch. Wir sind nicht mehr im wilden Westen, wo die Knarre beim Pokern auf den Tisch gehört. Wenn das Handy klingelt, hört man es auch im Anzug oder am Gurt. Noch besser ist es, das Handy im Restaurant auch auszuschalten.





7. Juli, 2006


Das Beste von Readers Digest hat Statistiken über Handygebrauch in der Schweiz: 86 Prozent der über 16-jährigen haben ein Handy.

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