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Fit fürs Team



Spitäler haben Teams im Operationsaal oder in Pflegebereichen, auf der Intensivstation, bei der Physiotherapie, aber auch in der Küche oder bei Reinigungsequipen. Es gibt Kaderteams und verschiedene kooperierende Teams innerhalb der Abteilungen. Die Institution als Ganzes ist hingegen so wenig ein Team wie das Intercityteam, das Reisende über die Lautsprecher begrüsst. Damit Teams leistungsfähig sind, brauchen Sie Pflege und Spielregeln.
Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, können Sie die Frage "Wo steht Ihr Team?" in einem Test evaluieren.

von Marcus Knill

Einführung

Die Erfahrung bei Supervisionen machte mir in Kliniken verschiedene Dinge bewusst: Es gibt zahlreiche Missverständnisse und Problemfelder bei der Teamarbeit und Teamentwicklung. Die häufigsten Problemfelder zeichnen sich ab bei den Fragen, wie ein Team geleitet werden soll, wie Teams mit Konflikten umgehen und wie sie erfolgreich sind. Die grössten Missverständisse resultieren aus der überlieferten Meinung, ein gutes Team sei eines, das keine Konflikte kennt. Ein anderes Missverständnis ist auch die Ansicht, ein Team bedürfe keiner Führung. Und wichtig ist auch zu wissen, dass jeder Einzelne im Team Verantwortung trägt und diese nicht dem Team als Ganzes delegieren kann.
Gefährlich wird es dann, wenn Schwachstellen übersehen oder bewusst ausgeklammert werden oder wenn die Warnsignale der Überforderung unerkannt bleiben. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten deshalb unbedingt die Auswirkungen von Stress-Situationen kennen. Das betrifft zum Beispiel:
  • Leistungsreduktion
  • Psychosomatische Auswirkungen (Schlafstörungen, Erhöhte Krankheitsanfäffigkeit)
  • Emotionale Überreaktionen
  • Mobbing
  • Burn-out Symptome
  • Müdigkeit
Anderseits ist es zwingend notwendig, den Umgang mit Druck zu lernen:
  • Offene Streitkultur,
  • Konflikdösungsstrategien anwenden können.
  • Entspanngstechniken kennen wie Bewegung, Sport.
  • Belastungen aussprechen anstatt zu schweigen
  • Entspannungstechniken
  • Antizyklisches Verhalten bewusst anwenden: Taxifahrer, fahre langsam, ich habe es eilig.


Konfliktkultur

Nicht nur in Spitälern, auch bei Teams in anderen Organisationen (Firmen, Schulen) mangelt es leider allzu oft am Training im Umgang mit Konflikten. Die wenigsten Teammitglieder wenden konsequent die Methoden an, die sich bewährt haben, wie:
  • FRAGEN statt SAGEN
  • Interessendifferenzen unter VIER AUGEN austragen (nicht im Plenum)
  • Immer freundlich mit der Person sein aber hart in der Sache bleiben (Harvard Prinzip: Ich versuche die Gegenseite zu verstehen, aber ich bin nicht einverstanden mit....)
  • Nein sagen lernen. (Mitunter haben es viele Teammitglieder nie gelernt haben, diese bewährten Grundregeln im Alltag konkret umzusetzen).
Bei Differenzen im Team müssen die negativen Schwingungen rasch festgestellt und schon im Ansatz aufgefangen werden.


Zur Teambildung: Wie kann ich Betroffene zu Beteiligten machen?

Die Gesamtleistung des Teams ist grösser als die Summe der Einzelleistungen sofern folgende Spielregeln beachtet werden:




Eigene Stärken fürs Team gezielt einsetzen

Jedes Teammitglied muss die eigenen Stärken und Fähigkeiten kennen, sowie auch die eigenen Schwachpunkte. Nun gilt es, die besonderen individuellen Fälügkeiten dem Team voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Das einzelne Mitglied ist verpflichtet, auch ohne Aufforderung, diese Stärken einzubringen, damit das Team die individuelle Stärke des einzelnen Mitgliedes nutzen kann.
Beispiel: Falls jemand im Team sehr gewandt im Schreiben ist, nützt es dem Team wenig, wenn niemand diese Stärke erkennt. Es darf nicht sein, dass jemand aus falscher Bescheidenheit das eigene Licht unter den Scheffel stellt und möglicherweise eine unbegabte, aber ehrgeizige Person Berichte verfasst.




Konkurrenzdenken vermeiden

So wie ein Chor aus lauter Solisten unharmonisch klingt - weil jeder nur auf seine Stimme achtet d.h. sich nicht anpasst - so dürfen sich die einzelnen Teammitglieder nicht auf Kosten der Gruppe abheben. Konkurrenzdenken vermeiden heisst: Sich anpassen können, sich eingliedern können.
Vielen fällt es schwer, die eigenen guten Ideen im Team mit Anderen zu teilen und die Lorbeeren für die eigenen Ideen gemeinsam zu ernten.




Verantwortung nicht abwälzen

Wer von der Einstellung ausgeht, das Team werde das gestellte Problem schon lösen, ("ich bin ja nicht dafür verantwortlich"), der killt die gute Team- Arbeitsatmosphäre.
Jedes Teammitglied ist nicht nur für den eigenen Teilbereich, sondern auch für den Gesamtauftrag verantwortlich. Die Verantwortung auf andere abwälzen, stört letztlich den Arbeitsfrieden. Jeder ist mitveranwortlich am Gelingen der Teamaufgabe.




Offen kommunizieren

Erfolgreiche Zusammenarbeit bedarf eines offenen Kommunikationsverhaltens. Selbst unter Zeitdruck müssen Fragen stets geduldig beantwortet werden und alle Mitglieder sind auf dem gleichen Wissenstand zu halten. Bei der Teamarbeit ist die Querinformation etwas vom Wichtigsten. Offene Kommunikationskultur bedeutet nicht nur, Unangenehmes offen austragen. Es geht - wie gesagt - auch um Offenheit hinsichtlich dem Weitergeben von neuen Erkenntnissen oder Informationen.




Teamgeist kommt vor dem Ego

Eine der Team- Erfolgsformeln heisst: Das "Wir" in den Vordergrund rücken. Das heisst beispielsweise nicht: "Ich habe dies geschafft", sondern: "Wir haben das und das geschafft." Wenn es darum geht, Kollegen in Schutz zu nehmen; handeln Sie! Nehmen Sie die Kollegin in Schutz. Leiten Sie auch Lob rechtzeitig weiter, wenngleich Sie das Lob für sich alleine ernten könnten.




Schweigen hat nichts mit Integration zu tun

Bei der Teamarbeit müssen wir uns nicht völlig unterordnen. Selbstlose Anpasser sind keine guten Teammitarbeiter. Ein gutes Team lebt von unterschiedlichen Meinungen. Konträre Positionen gehören zu Meinungsbildungsprozessen. Diskussionen sind erwünscht. Wer erst nach Abschluss einer Arbeit meckert, weil er etwas anderes haben wollte - aber zu Gunsten des lieben Friedens geschwiegen hat - kann die anderen Teammitglieder zur Weissglut treiben. Schweigen, wenn etwas gesagt werden müsste, hat nichts mit Integration zu tun.


Im Team unter Kollegen die richtigen Worte finden



Ideen

Falls Sie im Team einen Vorschlag unterbreiten, kann das entweder unbedacht geäussert oder aber besser formuliert werden:

Anstatt: "Ich habe ein Super-Idee." (Wirkt etwas überheblich)



Besser: "Ich stelle mir dies so vor"

Bei Entschuldigungen (z.B. falls Sie versehentlich die Daten des Tages beim PC gelöscht haben):

Anstatt: "Ich weiss nicht, wie ich dies gut machen kann."



Besser: "Das tut mir wirklich leid."





Lob



Anstatt: "Nicht schlecht!" oder übertrieben: "Das Beste seit Jahren!"



Besser: "Ihre Zusammenfassung hat mich richtig überzeugt!"





Kritik



Anstatt: "Was ist das für ein Quatsch!"



Besser: "Eine ausgefallene Idee. Ich sehe folgende Probleme bei der Umsetzung: ..."

"Wie lässt sich dies bewerkstelligen, wenn ... ?".


Heikle Situationen im Team - was tun?

Es kommt bei allen Teams tagtäglich zu heiklen Situationen oder zu Differenzen. Vielleicht weiss jemand alles besser oder es wird gerne über Abwesende gelästert. An konkreten Beispielen gehen wir der Frage nach, was bei konkreten heiklen Situationen zu tun ist, ohne den Rückhalt im Team zu verlieren:




Ich soll die Fehler eines Kollegen decken

Empfohlene Reaktionen:
  • Bei Bagatellen nicht petzen.
  • Bei Fehlern mit ernsten Folgen. Den Kollegen überzeugen, dass er selbst Farbe bekennt.




Ein Kollege stöbert in meinen Sachen

Empfohlene Reaktionen:
  • Fragen: "Suchen Sie etwas Bestimmtes?"
  • "Im Wiederholungsfäll deutlich sagen: "Ich wünsche nicht, dass .... "
  • "Wichtige Unterlagen wegsperren"
  • Hört die Schnüffelei nicht auf: Aussprache mit vorgesetzter Stelle.




Ein Mitarbeiter erntet Lob, das eigentlich mir zusteht

Empfohlene Reaktionen:
Nicht sagen: "Es ist nicht der Rede wert." Sondern deutlich machen: "Es war kein einfaches Problem. Aber ich habe das ganz gut hingekriegt." Problematischer ist es, wenn sich die Chefin mit fremden Federn schmückt. Dann lohnt es sich künftig, die guten Ideen nur noch vor Zeugen zu erzählen.




Einer wird unerwartet befördert. Durch Neid wird das Teamklima vergiftet.

Empfohlene Verhaltensweisen:
  • &Uumml;berlegen: Was führte zur Beförderung? (Qualität beachten).
  • Die Person, die mit einem Karriereschub gerechnet hatte, sollte mit der Chefin reden.
  • Auf keinen Fall den Beleidigten spielen.


Die Arbeit eines Kollegen bleibt immer bei mir hängen.

Empfohlene Reaktionen:
  • In Ruhe abklären, warum beim Partner alles in Zeitlupe abläuft. (Vielleicht hat er Probleme oder er will zu perfekt arbeiten).
  • Eventuell lassen sich die Aufgaben tauschen.
  • Falls der Partner faul ist, hilft die Rüge von oben.




Eine Kollegin wird vom Chef bevorzugt.

Empfohlene Reaktionen:
  • Falls die Mitarbeiterin tatsächlich mehr leistet: Den eigenen Einsatz überdenken.
  • Wenn die bevorzugte Person einen Sympathiebonus hat: Sich nicht aus Trotz zurückziehen.
  • Besser ist es, mit der bevorzugten Person zu sprechen und zusammenzuarbeiten.
  • Falls Sie Stärken haben, -über die nur Sie verfügen: Diese Stärken bewusst weiterentwickeln. Sie werden so zur unentbehrlichen Team-Person.




Ein Neuer im Team weiss alles besser.

Empfohlene Reaktionen:
  • Sich nicht auf langwierige Debatten einlassen, in kleinen Dingen nachgeben.
  • Unter Umständen mit leicht ironischem Ton sagen: "Bekanntlich wissen Sie das ja besser!"


Jedes Teammitglied kauft einmal einen Kuchen oder sonst etwas zum Kaffee, nur eine Person macht nie mit.

Empfohlene Reaktionen:
Vielleicht mit Humor den Geizhals ansprechen:

"Wir freuen uns, dass du morgen eine Torte mitbringst".

Falls der Fingerzeig keine Früchte zeigt: Konsequent bleiben, indem die Person bei der nächsten Einladung im privaten Kreis nicht eingeladen wird (wenngleich dies unhöflich scheint.)


Fazit: Störungen gehören dazu.

Wenn gearbeitet wird, sind Störungen und Konflikte etwas Normales. Bei der Teamarbeit müssen jedoch negative Schwingungen rasch aufgefangen werden. Das lange Abwarten, Hinausschieben, Überhören, Übersehen, aufs Eis legen oder Verdrängen wäre völlig falsch.
Auch angebliche Bagatellen müssen situationsgerecht angesprochen werden.


Fünf Verhaltensweisen haben sich bei heiklen Situationen gut bewährt:

  • rasch reagieren (eine Überlegungsphase lohnt sich jedoch).
  • unter vier Augen kritisieren
  • fragend das Problem angehen
  • offen, direkt reden (unmissverständlich) d.h. keine Reizwörter brauchen
  • freundlich bleiben
Wie bei Beurteilungsgesprächen oder beim Überbringen einer schlechten Nachricht haben beide Seiten das Recht, sich zu äussern. Beide Partner hören der Gegenseite aktiv zu. Gemeinsam wird gleichsam eine Vereinbarung getroffen, die zu einer Verhaltensänderung führt.

Ohne Veränderung kommt es letztlich zu keiner längerfristigen Verbesserung.
Die Veränderung ist am besten möglich mit einem gezielten "on the job" Seminar d.h. eine echte Teamsitzung wird fachgerecht supervisioniert. (Wenig Zeitaufwand bei grossem Rendement).



Wo steht Ihr Team?"

Schätzen Sie Ihr Team mit den folgenden Test.




Dieser Beitrag wurde im Spital Info (Kantonsspital SH) im März 2000 veröffentlicht. Zudem erschien dieser Beitrag im: Hospital Management Forum "competence" 6/2000.



Das Buch Team und Kommunikation von K.Kunert und M.Knill enthält mehr Hinweisen über die Vor und Nachteile der Teamarbeit.





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