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www.rhetorik.ch aktuell: (17. Mai 2002)


Das Drama von Erfurt - was nun?

Analyse nach einer Wahnsinnstat


Im Zusammenhang mit dem Drama in Ehrfurt geht es um zentrale Schwerpunkte im Themenkreis Erziehung, Gewalt, Schule und Familie. In diesem Beitrag machen wir eine Auslegeordnung einiger der Erklärungsversuchen, die nach dem Vorfall veröffentlicht worden sind.
Wahnsinnstaten wie der Amoklauf in Ehrfurt sind deshalb gespenstisch, weil sie oft nicht ins Schema der Experten passen, wie die unten aufgelistete Beispiele von ähnlichen Taten in den USA, Kanada oder BRD zeigen. Es gilt demnach, vorsichtig mit voreiligen Schlüssen zu sein, ohne aber aufzuhören, nach Lösungen zu suchen.
Die Tat
Politiker und Bevölkerung zeigten sich nach der grauenhaften Bluttat im "Gutenberg Gymnasium" vom 26. April 2002 in Erfurt fassungslos. Die Medien informierten die Öffentlichkeit umgehend über den Tathergang:
Der neunzehnjährige Gymnasiast, Robert Steinhäuser, ganz in schwarz gekleidet, den Kopf vermummt wie ein Ninja Krieger, tötete mit einer Pistole mehrere Lehrer, zwei Mitschüler und einen Polizisten. Er gab insgesamt 70 Schüsse ab. Seine Pumpgun setzte er nicht ein: Sie blieb auf des Attentäters Rücken, als Kennzeichen, wie ein Attribut aus einem Actionfilm entlehnt. Nach dem Amoklauf erschoss sich der Täter selbst. Fazit: Insgesamt 17 Tote.
Der Amoklauf von Ehrfurt, Quelle: Bild.de
Steinhauser Ein auffällig unauffälliger Täter
Im Unterschied zu zahlreichen Taten von Jugendgruppen oder Cliquen, handelte es sich in Erfurt um einen Einzeltäter, obschon vorerst niemand so recht glauben konnte, dass ein Einzelner eine solche Tat ausüben könnte.
Die ersten Abklärungen machten deutlich, dass der Jugendliche kein Geistesgestörter, sondern ein unauffälliger Gymnasiast war. Die Abiturprüfung hatte er das erste Mal nicht bestanden. Zur zweiten Prüfung wurde er nicht mehr zugelassen, weil er oft schwänzte und Urkunden fälschte. Die Chance, an einem anderen Gymnasium die Prüfung nachzuholen, hatte er ausgeschlagen. Der Amokläufer war ein Jugendlicher, der als ruhig, intelligent aber schulfaul, lustig, lebensfroh, aufgeschlossen, kontaktfreudig und als politisch interessiert beschrieben wurde. "Stini", wie man ihn nannte, war sportlich - in einer Handballmannschaft kannte man ihn als einen ehrgeizigen Torwart. In jüngster Zeit machte er aber im Verein nicht mehr mit. Gemäss Persönlichkeitsprofil war der Junge stets nett, in sich gekehrt, wenn auch etwas oberflächlich. Er wünschte Erfolge und wollte Anerkennung.
Suche nach Anerkennung
Angeblich sehnte er sich nach einem Eintrag ins Buch der Rekorde. Sein Bruder studierte bereits an einer Fachhochschule. Der Täter lebte bei seiner Mutter, einer Krankenschwester. Sein Vater, ein Ingenieur, der unter Multipler Sklerose leidet, soll sich geärgert haben, dass der Sohn ständig vor dem Bildschirm sass. Er baute beim Fernseher eine Sperrvorrichtung ein. Pro Stunde musste Robert nun eine Mark einwerfen. Doch dies half nichts, denn Robert bekam genügend Taschengeld (120 Mark monatlich). Die Mutter riss einmal alle Kabel raus und versteckte sie. Robert hatte innert Kürze alles wieder zusammengestöpselt.
Kommunikationsstörungen mit den Eltern
Die Kommunikation zu den Eltern war gestört. Die Mutter wusste nichts von den Schwierigkeiten im Gymnasium - sie wünschte dem Sohn ein gutes Abitur. (Ob der Schüler Briefe der Schulleitung unterschlagen hatte?) Der Junge zählte zu den Eigenbrödlern, war eher introvertiert und zurückhaltend, aber sozial durchaus integriert. Der thüringische Ministerpräsident beschrieb den Amokläufer mit dem treffenden Paradox: Der Junge war auffällig unauffällig. Das Normale verunsicherte im Nachhinein alle Analytiker, weil nun plötzlich das Normale zum Stigma wurde.
Vorwarnungen
Die Polizei stellte nachträglich fest, dass der Täter seine Tat nicht - wie vermutet - im Affekt vollzogen, sondern minutiös geplant hatte. Planung braucht Zeit. Es musste sich deshalb um einen "Hass auf Dauer" gehandelt haben. Es war keine hitzige Raserei, sondern es ging bei der Morderei eher um nüchterne Kälte. Einige Mitschüler hatte der Schüler vorher mit SMS Botschaften gewarnt: "Geht morgen nicht in die Schule!" Am Donnerstag traf in der Schule ein anonymer Drohbrief ein. Darin wurde das Selbstmordattentat eindeutig angekündigt. Niemand nahm diese Worte ernst. Die Schreiben wurden als üblicher Abiturientenscherz abgetan.

Nach einem Report vom October 2000 ("USSS Safe School Initiative") sind bei fast allen Schulschiessereivorfällen die Idee der Attacken schon Wochen vor der Tat geformt worden und in drei Viertel der Fälle wurde die Tat geplant. Viele Täter haben vor der Tat Warnungen abgegeben.

Nach ähnlich durchgeführten Racheakten in Schulen in den USA und Deutschland wurden im Nachhinein erwartungsgemäss unzählige Thesen aufgestellt und alle denkbare Ursachen ergründet. Experten bemühten sich mit verschiedensten Erklärungsversuchen.
Erklärungsversuche Es kam erwartungsgemäss auch zu Verallgemeinerungen und zu den üblichen Schuldzuweisungen. An Rezepten mangelte es nicht. Ratschläge folgten zuhauf. Es gab auch vorschnelle Antworten, obwohl nach dem ersten Schock vor allem Ruhe und Nachdenken angebracht gewesen wäre. Hier ist eine Liste einiger der gehörten Forderungen und Rezepten:

  • Die Schulen bräuchten mehr Psychologen, Mediatoren, Betreuungsstellen, Lernberater. Lehrer müssten entlastet werden. Kleinere Klassen und Anlaufstellen bei Problemen seien notwendig.
  • Psychologen waren der Meinung, der Jugendliche habe bestimmt eine schlechte Jugend gehabt. Sie waren sich sicher, dass der Jugendliche unter Druck gestanden haben muss und niemand diese Signale erkannt hatte. Der Täter habe bestimmt den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Seine Gewaltphantasien hätten aufgefangen werden können.
  • Bei Schulproblemen oder bei schlechten Leistungen müssten Schüler ein Anrecht auf Betreuung haben. Beim Täter muss es sich um einen gekränkten, gedemütigten Menschen gehandelt haben.
  • Schulen sollten in Zukunft auf Zensuren verzichten. Der Leistungsdruck in den Schulen gäbe es zu reduzieren. Kinder müssten weniger Stress haben.
  • Es wurde eine gewaltfreie Erziehung gefordert.
  • Eine vielgehörte Hypothese lautete, dass unsere Gesellschaft schuld sei.
  • Dass nach der Bluttat nicht noch mehr Druck und Drill verlangt werden darf, habe die PISA Studie gezeigt. Denn: Jene Länder, die Jugendliche gleichsam auf Prüfungen "abrichten", hätten die höchsten Suizidraten.
  • Die Schule müsse vermehrt Grundwerte vermitteln. Gewaltprävention sollte im im Unterricht Platz finden. Gewalt gälte es auf allen Ebenen zu ächten.
  • Wie in gewissen amerikanischen Schulen sollten in jedem Schulzimmer eine Alarmanlage eingebaut werden. Bei Alarm schliessen sich alle Schüler in ihren Zimmern ein, bis Entwarnung gegeben ist. Videokameras sollten in den Schulhausgäden eingebaut werden. Allerdings waren sich die meisten Kommentatoren einig, dass niemand wünsche, deutsche Schulen zu Festungen umfunktionieren, wie in den USA wo Überwachungskameras und Metalldetektoren bei der Eintrittskontrolle vielerorts bereits üblich sind.
  • Das Volljährigkeitsalter müsste generell für alle Bereiche auf 20 Jahre angehoben werden.
  • Wenn eine Mutter nicht merke, dass ein Kind ein halbes Jahr das Gymnasium schwänze, stimme etwas in der Wahrnehmungsfähigkeit nicht mehr. Schulprobleme seien auch Elternprobleme.
  • Ein CNN Journalist erkannte im deutschen Abitur die Ursache des Blutbades: Wenn in Deutschland eine Prüfung über so viel entscheidet, so dürfe man sich auch nicht wundern, wenn jemand dagegen rebelliere, der nicht durch dieses Tor gelassen werde. Einen "Ausschluss vom Unterricht" dürfe es nicht mehr geben.
  • Schülerinnen und Schüler verlangen einen Abschluss schon vor der Maturitätsprüfung. Damit jemand, der die Prüfung nicht besteht, wenigstens etwas in der Hand habe.
  • Eine N-TV Moderatorin fand anlässlich eines Interview mit einer Schülerin aus dem Gutenberg-Gymnasium die Ursache des Massenmordes in der fehlenden Beratung der Schüler und im zu hohen Arbeitsdruck.
  • Eine Expertin bei Tagesthemen sah sogar im Täter das Opfer. Dass es bei der Bluttat auch um Schuld und Verantwortung gehen könnte, blieb ausserhalb ihres Fragehorizontes. Warum ein Schüler mit der härtesten Strafe belegt werden musste, schien bei der Diskussion niemanden zu interessieren. (Urkundenfälschung, Schulschwänzen, Verweigerung des Rat- und Hilfeangebotes)
  • Die Förderung der sozialen Kompetenz scheint viel schwieriger zu sein als Lesen und Schreiben. Müsse deshalb in der Bildung die "Förderung der sozialen Kompetenz" mehr gewichtet werden.?
  • Den Medien wurde die Schuld zugeschoben. Die Sündenböcke seien Video, TV, PC oder Filme. Es brauche bei allen Medien einen Ehrenkodex gegen die Gewalt.
  • Die Tatwaffe Waffengesetze sollten zusätzlich verschärft werden. In Zimmer des Täters fand die Polizei 700 Schuss Munition, sowie gewaltverherrlichende Videos. Er besass eine Waffenbesitzkarte, weil er Mitglied eines Schützenvereins war. Munition konnte er legal beschaffen. Das Mindestalter zum Erwerb von Waffen müsste von 18 auf 21 Jahre angehoben werden.
  • Reale Darstellungen von Gewalt würde unter dem Deckmantel "Fiktionen" oder unter dem Begriff "künstlerischen Ansatz" toleriert. Hier gälte es, die Grenzen klarer zu ziehen,
  • Ein Medienpädagoge schrieb, es sei zu einfach, die Gewalt auf die Wirkung der Medien zu reduzieren. Auch andere Jugendliche konsumiere ähnliche Musik. Ein Kind sehe diese virtuelle Gewalt nur als Spiel.
  • In Europa solle - wie in den USA - pro Fernsehgeräte ein V-Chip einbaubar sein. Nach dem Schulmassaker in Littleton mussten dann alle gewaltfördernden TV-Beiträge mit einem Code gekennzeichnet werden. Ein Kind allein kann die bezeichnete Sendung nicht sehen. Weniger gekannt ist dass V-Chips in den USA kaum Absatz gefunden haben.
  • Slipknot Rockmusik mit Aufforderung zur Gewalt wie auch der Vertrieb von gewaltförderden Video Clips sollten verboten werden. Der war ein Fan der Metal-Band "Slipknot" und hörte auch gerne deren CD mit dem Titel "People-Shit". Ein Song lautete: "Tötet Lehrer - macht sie platt!" Die Brutaloband inszeniert auf der Bühne unter anderem den Weltuntergang. Dabei kotzen und bluten die Schock-Rocker auf der Bühne und verteilen Exkremente an ihre Fangemeinde. Der Täter hörte sich diese Musik stundenlang allein an, ohne mit jemandem darüber zu reden.
  • Gewaltvideos und alle gewaltverherrlichenden Computerspiele, wie auch Internetangebote von solchen Spielen müsste generell verboten werden.
  • Tatort Im Fernsehen in der Serie "Tatort" wurde vor der echten Bluttat ebenfalls ein Fall gezeigt wurde, bei dem sich ein Schüler in einem Lehrerzimmer mit einer Waffe gerächt hatte. Solche Gewaltkrimis animierten zur Nachahmung.
  • Computerspiele Da der Täter Computerspiele konsumiert hatte, die Vorlagen für die Choreografie einer Bluttat liefern, wurden Verbote solcher Spiele verlangt. Roberts Lieblingsspiel war "Coutersrike", ein Killerspiel, bei dem sich zwei Terroristeneinheiten bekriegen. Dass die Vorkommnisse in Erfurt auch für den Wahlkampf "missbraucht" würden, war vorprogrammiert. Die Frage lag im Raum ob die Regierung beim Verbot von Killerspielen versagt habe. Schilly muste sich den Vorwurf gefallen lassen, er habe das Verbot von Gewaltvideos zwei Jahre lang verschleppt.
  • Religiös orientierten Personen fragten sich, wie Kinder wissen sollten, dass man nicht töten darf, wenn sie dies noch gar nie gehört haben.
  • In Zimmer des Täters hingen mysteriöse Poster an der Wand. Der Amokläufer war anscheinend geltungssüchtig. "Ich möchte, dass mich alle kennen, dass ich berühmt bin," hatte er einer Mitschülerin mitgeteilt.
  • Eltern und Lehrer würden sich aus dem erzieherischen Auftrag stehlen. Nicht die Gewalt nehme zu, sondern die Resignation der Eltern und Schüler. Anstatt einzugreifen, würde mit der Schulter gezuckt. Alle schauten weg, bis etwas Schlimmes passiere. Auch in den Familien mache sich das Prinzip des "Wegschauens" breit.
  • Heute dominiere die Erziehungsverweigerung. Regeln würden gestrichen, weil das einfach sei als Grenzen durchzusetzen. Wer das Sanktionswesen durch angebliches "humanisieren" aufgebe, erweise der Jugend einen Bärendienst. Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler respektieren Lehrkräfte, die anspruchsvoll und fordernd sind - die sich aber für die Schüler engagierten.
  • Auf der anderen Seite wurde mehr Autorität von Lehrerseite gefragt. Es sei Abstand zu nehmen von falsch verstandenen Erziehungsliberalismus. Urs Rauber in der "NZZ am Sonntag" vom 5. Mai sagte: "Wer Jugendliche nicht fordert, fördert die Gewalt". Ob das beim Täter von Ehrfurt geholfen hätte?
  • 24 Stunden nach der Bluttat in Ehrfurt sprach eine Schulpsychologin in einer ersten Stellungsnahme von einer "fatalen Situation", in die der 19 jährige Robert Steinhäuser geraten sei. Die Wegweisung des Schülers von der Schule sei "die hilfloseste Lösung" gewesen. Die Fachfrau vertrat auch die Ansicht, dies hätte "unbedingt vermieden werden sollen". Sie sprach vom "ohnmächtigen Menschen", der "in einer Sackgasse, der vor dem Nichts" gestanden habe. Aus dem Täter wurde ein Opfer.
  • Es brauche bei den Lehrkräften Kriseninterventionsteams. Es habe sich gezeigt, dass die Zahl von Angriffen auf Pädagogen durch Beleidigungen und Bedrohungen markant in die Höhe geschossen sei. Viele Lehrer sind nach Untersuchungen in derartigen Situationen ratlos geworden. Ein Mittelschullehrer sagte: "Heute müssen wir uns viel mehr bieten lassen als früher." Ein Heilpädagoge: "Es gibt Jugendliche, die täglich ihre Lehrkräfte physisch und psychisch so verletzen, dass diese ärztliche Hilfe brauchen. Und alle schauen weg!"
  • Pädagogen müssten zusätzlich ausgebildet werden, damit sie mit den neuen Situationen umgehen könnten.
  • Wie in den USA solle das Unterrichtsfach "Schlichten" eingeführt werden. In Schulen sollten auch Kinder als Konfliklöser eingesetzt werden. Dass aber ausgerechnet im Gutenberg Gymnasium die Gewaltprävention als vorbildlich galt und ausgerechnet dort Schüler als Streitschlichter ausgebildet worden waren, ist erstaunlich.
  • Medienerziehung solle Pflichtfach werden. Unter anderem solle der Umgang mit Videos und Computerspielen behandelt werden.
  • Bei gravierenden Massnahmen, müsste die Schulleitung telefonisch mit den Eltern Kontakt aufnehmen, damit die Orientierungsschreiben nicht mehr unterschlagen werden können.
  • Als Gründe für das aggressive Verhalten von Kindern wurde ein verbreitetes Klima der Gewalttätigkeit in Filmen wie Video und Fernsehen sowie die leichte Verfügbarkeit von Waffen angegeben. Die Schulen in den USA reagierten mit einer Null-Toleranz - Politik. Kontrollen, Videoüberwachungen, härteren Strafen.
  • Wie empfänglich ein Jugendlicher für eine Nachahmungstat sein kann, blieb offen. Ausschlaggebend sei stets die Disposition des Jugendlichen, meinte ein Schulpsychologe. Dass die Medien zur Atraktivierung eines spektakulären Racheaktes mit beitragen können, schien anderseits unbestritten.
  • Dass die Gefahr von Nachahmungstätern nicht bagatellisiert werden darf, verdeutliche der Versuch eines Ex-Schülers fünf Tage nach dem Erfurter Amoklauf der seine ehemalige Schule in Essen in die Luft sprengen wollte, weil er seine Chemielehrerin hasste. Dank einem Zufall konnte rechtzeitig die Polizei alarmiert werden. In der Schweiz gab es kürzlich einen Vorfall, wo ein Schüler drohte, wenn er durch die Matura (Abitur) falle, dann "gehe die Post ab". Er hatte ein Sturmgewehr und wurde verhaftet. In Winterthur passierte ein änlicher Fall.
    Nach Aussagen der Polizei gab es viele Ankündigungen, die Tat von Robert Steinhauser nachzuahmen. Einige Versuche wurden ernst genommen. In München gab es wenige Tage nach Ehrfurt zwei Morddrohungen. Eine Woche nach der Bluttat in Erfurt gab es bereits einige Trittbrettaktionen. In Bautzen in Sachsen haben zwei Schüler ihrer Lehrerinnen mit einer Waffe bedroht. Eine Pädagogin wurde durch eine Plastikkugel aus einer Schreckschusspistole verletzt. In München prählte ein 14 jähriger Schüler, er habe 500 Schuss Munition und werde in seiner Wirtschaftsschule eine Bluttat anrichten. An der "Willy-Brandt-Gesamtschule" schmierten drei Schüler Namen von Lehrern mit blutroter Farbe an die Wand und ässerten Morddrohungen. In Niedersachsen fälschen vier Schülerinnen des Lothar-Meyer-Gymnasiums einen Drohbrief. Sie kündigen Mord und Selbstmord an. Ferner gab es in Köln, Berlin, Lübeck ähnliche Meldungen. Mehrere Jugendliche wurden vorläufig festgenommen. Ob die Vorkommnisse in New York Taten wie die Amoktat in Zug oder die Antrax Briefe zur Ausübung einer spektakulären Tat animiert haben, ob der Gymnasiast, der seinen Geschichtslehrer in der bosnischen Stadt Vlasencia wenige Tage nach der Bluttat in Erfurt in der Schule erschossen hatte, ebenfalls durch die Tat in Deutschland zu seinem Racheakt animiert worden war, kann kaum nachgewiesen werden.
  • Viele Politiker sprachen anlässlich der zahlreichen TV Diskussionen zur Gewalt an Schulen allgemein und in gewohnt diplomatischer Art. Hohle Sätze waren zu hören, wie: "Ein Überdenken der heutigen Situation in Schulen und Familien tut Not!" Konkretes Vorgehen, umsetzbare Antworten fanden sich selten.
  • Die meisten Experten hatten das Gefühl, dass die Hemmschwelle für spektakuläre Gewalttaten durch permanente Abstumpfung gesunken sei.


Die ausführliche Auflistung der unzähligen Massnahmen, die gefordert waren, soll verdeutlichen, dass heute ein riesiges Geflecht von Anregungen vorliegt. Wer die Medienberichte verfolgen konnte, stellte fest: Das Fernsehen, das sich gerne als gesellschaftliches Frühwarnsystem versteht, erliegt bei Krisensituationen immer mehr der Verführung zu Schnelligkeit. Es wird geredet, bevor es etwas zu reden gibt. Es werden fixe Deutungen veröffentlicht, ohne vor dem Urteil zuerst alle Informationen gesammelt zu haben.
Viele dieser Pseudolösungen haben Halbwertzeiten, die kaum grösser sind als der Abstand zwischen zwei Ausgaben von Fernsehmagazinen.
Uns erstaunte, wie rasch die Fernsehroutine ein tragisches Ereignis banalisieren kann. Bei jeder Analyse ist es ein Muss, den Ist-Zustand sorgfältig zu betrachten, bevor nach Lösungen gesucht wird.
Wir erlauben uns nun das Phänomen vor allem in den Zusammenhang mit dem heutigen gesellschaftspolitischen Umfeld und im Zusammenhang wichtiger Aspekte, der Kommunikation, Sozialisation in Schule und Familie zu stellen.
Die vielen Erklärungsversuche verlangten eine bewusste Rationalierung des Geschehens. Es ist aber zu einfach, die Tat mit raschen Rezepten und billigen Aussagen, wie
  • Es war ein Waffennarr, deshalb....
  • Es war ein typisch "testosterongesteuertes" Menschenmännchen, deshalb ...
  • Der Jugendliche wurde gedemütigt und ausgegrenzt, deshalb.....
  • Der Grund könnte ein "Borderline-Syndrom" eine Persönlichkeitsstörung gewesen sein, deshalb......


zu begründen oder vorschnelle Schlüsse wie einige der oben aufgelisteten zu ziehen. Wir werfen nun einen Blick auf einige der Problemkreise.
Globalisierung im Bildungswesen
In vielen Ländern schwebten in der Bildung Gedanken moderner "Gesamtschulen" in den Köpfen. Globalisierungstendenzen in der Bildungspolitik sieht man in Deutschland weil kleine, überschaubare Schulen zusammengelegt wurden und Kinder mit Bussen in "Schulzentren" verfrachtet wurden um sie dort, angeblich effizienter, ausbilden zu lassen.
Die Spezialisierung der Fächer wurde auch in die Hauptschule hineingetragen - im Glauben, die Kinder könnten dank dieses Modells effizienter und gezielter gefördert werden. Vieles wurde wie in der Industrie rationalisiert.
Schülerinnen und Schüler verloren jedoch ihre festen Bezugspersonen, sie wurden im Beziehungsbereich heimat- und orientierungsloser. Anstelle der Konstanz sowohl von Lehrmittel, Lehrpersonen oder Klassenverbände, war rascher Wechsel angesagt.
Die Architekten der neuen Schulen sahen vielleicht in dem "Wechsel" die Chance, Flexibilität zu fördern. Der Teamgedanke wurde bei Schulprojekten vielfach missverstanden. Die analogen Prozesse erfolgten heute in den Patchworkfamilien. Jede dritte Ehe wird bekanntlich getrennt. Die Tendenz ist steigend.
Mangelnde Konstanz von Bezugspersonen
Vertrauen können wir nur bei einer Person aufbauen, die wir kennen. Niemand wird einer wildfremden Person ein persönliches Problem anvertrauen. Zutrauen erhält eine Lehrkraft vor allem durch Präsenz, Konstanz und Glaubwürdigkeit. Man muss eine Person immer zuerst genau kennen lernen, bevor man ihr etwas anvertraut. Wenn jedoch Lehrkräfte ständig wechseln, kann ein Kind oder heranwachsender Jugendliche kein Vertrauen aufbauen. Bei psychischen Problemen wird das Anliegen nur einer Person anvertraut die nahe steht. Bei Supervisionen von teilautonomen Schulen haben wir immer wieder feststellen können, dass die Jugendlichen bald merkten, dass jedes persönliche Problem von Lehrerteams besprochen. Dies wird nicht geschätzt.
Wir sahen immer wieder Situationen, in denen Lehrerteams Sitzungen um Sitzungen um Sitzungen abzuhalten. Es ist bestimmt für Lehrpersonen entlastend, im Team Probleme deponieren zu können. Dies ist durchaus verständlich.
Wenn wir hingegen davon ausgehen, dass sich ein Jugendlicher bei einer gravierenden Enttäuschung eine Person wünscht, der er das Problem allein anvertrauen kann, wenn wir ferner davon ausgehen, dass es der Jugendliche nicht schätzt, wenn sein persönliches Problem im Team gleichsam "veröffentlicht" wird, so werden gutgemeinten Besprechungen im Team fragwürdiger.
Anstatt mit dem Kind zu reden, wird nämlich an den Meetings stundenlang über das Kind geredet. Weil diese Meetings so viel Zeit beanspruchen, fehlt sie, um Wesentliches direkt mit dem Schüler zu bereden.
In Erfurt verlangten bei Befragungen verschiedene Gymnasiasten mehr Möglichkeiten, persönliche Gespräche mit den Lehrkräften führen zu können.
Weshalb nicht eine Klassenlehrerstunde einführen? Dies müsste jedoch im Stundenplan eingebaut werden.
In verschiedenen Kantonsschulen der Schweiz erkannten die Rektoren diesen Mangel. Viele Mittelschulen führten ein Klassenlehrersystem ein. Jeder Klasse wird eine konstante Bezugsperson zugewiesen - der sogenannte "Klassenlehrer". Vertrauen heisst, Trauen können.
Wenn ein frustriertes Kind weiss, dass die Lehrkraft ein anvertrautes Problem im Lehrerteam bespricht, so hat sich gezeigt dass dem Lehrer ein Problem gar nicht anvertraut wird. Der Schüler schweigt, so wie es der Amokläufer in Erfurt getan hat. Wir kennen eine Familie, da haben die Kinder ihrer Mutter deshalb nichts mehr anvertraut, weil sie genau wussten, dass alle Nachbarn und Bekannten nach dem Gespräch von den Problemen erfahren hätten. Als Ombudsman wird einem laufend bewusst, dass das Zutrauen und damit auch das Vertrauen in heiklen Situationen eine zentrale Rolle spielt. Zuhören ist meist wichtiger als Reden. Gute Kommunikation bedeutet für die Japaner erstaunlicherweise "Vertrauen übermitteln!"
Veraltete Tugenden?
Wenn ein Schüler gekränkt ist und nicht gelernt hat, Spielregeln oder Werte zu akzeptieren; wenn Jugendliche sich bei den Erwachsenen nicht mehr nach Grundwerten ausrichten können, so lässt sich das Problem nicht nur mit Verboten oder zusätzlichen Planstellen verbessern.
Dass während Jahrzehnten die Selbstverwirklichung und die "Ichbezogenheit" gefördert werden musste, lässt sich zwar einleuchtend begründen. Das Prinzip "Befehl-Gehorsam" war jahrelang wichtiger, als das Prinzip des selbständigen Denkens. Doch führte die Egozentrik zwangsläufig dazu, dass viele Aspekte des Altruismus zu stark vernachlässigt worden waren:

  • die Hilfsbereitschaft, die Rücksichtnahme und das Pflichtbewusstsein
  • das Sich-eingliedern können und der Respekt vor Anderen
  • das Ertragen von Frustrationen, die Förderung der Frustrationstoleranz
  • das Verzichten können sowie der Umgang mit Stress oder Belastung
  • das Training des Stehvermögens und Leistungswillens

sind keine veralteten Tugenden. Es sind Schwerpunkte, die vielleicht zu stark vernachlässigt worden waren. Wer aus Grenzen in der Erziehung verzichtet, wer Regeln im Zusammenleben streicht, weil es bequemer ist, und übersieht, dass Heranwachsende wie auch Erwachsene immer neu lernen müssen mit Einschränkungen, Frustrationen und Kränkungen umzugehen muss sich nicht wundern, wenn Jugendliche keine Selbststärke entwickeln.
Versplitterung der Kompetenzen
Viele Lehrkräfte sind dankbar, wenn sie ihre Alltagsprobleme
  • einem Team
  • einem Schulpsychologen
  • einem Sozialarbeiter
  • den zugewiesenen Sozialpädagogen (wie in Finnland)
  • einem Schulberater
  • einem Mediator (Konfliktlotsen)
  • der Schulbehörde
  • dem Schularzt
  • einem externen Berater
  • einer Kriseninterventionsgruppe
  • einem professionellen Troubleshooter
delegieren können.
Wir vertreten die vielleicht unkonventionelle Meinung, dass eine gute Schule nur in Ausnahmefällen fremde Hilfe braucht. Dass es in ganz besonders schwierigen Situationen ein Auffangnetz braucht, ist unbestritten. Schulpsychologen, externe Berater haben ihre Daseinsberechtigung. Doch gehören sie nicht dauernd in die Schulstuben. Interessendifferenzen und Probleme sind bei Kommunikationsprozessen keine Störgrösse. Sie sind etwas Normales. Alltagsschwierigkeiten sollten nicht delegiert - d.h. aufgesplittet - werden. Gute Berater sorgen in erster Linie dafür, dass die Klienten sich selbst helfen können. Nur schlechte Berater machen Klienten abhängig!
Ausbildung von Lehrkräften zu Konfliktlotsen
Die Bezugsperson, ob Lehrerin oder Lehrer, müsste deshalb vor allem befähigt werden, Probleme und Konflikte ohne fremde Hilfe lösen zu können. Lehrpersonen sollten vermehrt mit Werkzeugen ausgestattet werden, die tauglich sind, auch den heiklen Umgang des Alltages mit Schülerinnen und Schüler zu meistern.
Eine Lehrerin ist aus unserer Sicht Psychologin, Konfliktlotse, Mediatorin, Coach oder Beraterin in Personalunion. Es ist durchaus verständlich, dass Lehrkräfte bei schwierigen Situation lieber die Distanz suchen. Jugendliche in der Pubertierphase sind anspruchsvoll und binden Kräfte. Distanzierung ist die bequemste Lösung. Jugendliche brauchen und wollen aber direkte emotionale Auseinandersetzungen.
Bei Fernsehdiskussionen nach der Bluttat in Erfurt sagten Gymnasiasten umnmissverständlich, man könnte ihnen noch so viele Sozialpädagogen zuweisen aber: "Wir würden nicht hingehen." "Wir reden nur mit einer Person, die wir kennen." "Wir haben mehr Zutrauen zu Kollegen oder Freundinnen."
Das Gleichgewicht finden
Im Schulalltag wie bei Kommunikationsprozessen ist das Finden der Balance etwas vom Wichtigsten. Es gibt bei Erziehungsfragen nicht nur ein "Entweder/Oder", sondern meist das "Sowohl/Als auch". Wir haben bei der Erziehung und Ausbildung die paradoxe Situation, dass Jugendliche unterfordert und gleichzeitig überfordert werden können. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass Jugendliche nicht mehr mit Stress umgehen können. Sie wünschen deshalb eine stressfreie Schule. Das Leben jedoch immer auch mit Druck verbunden ist und Eu-Stress lebensnotwendig ist, wird oft verkannt. Zu wenig beachtet wird ebenfalls der Umstand, dass auch die Eltern Jugendliche unter Druck bringen. Das Mittelmass zwischen zuwenig und zu viel Stress gilt es zu finden. Viele Kinder werden nicht nur in den USA zu sogenannten "Overscheduled Kids". Schon das Leben von Kleinkindern wird von ehrgeizigen Eltern zu stark verplant. Von früh bis spät sind sie auf Trab. Nicht die Schule wird damit zur Belastung, sondern die Überbeanspruchung während der "Freizeit". Dauend sind Sportclubs, Trainings, Klavier-, Ballettstunden, Nachhhilfeunterricht, Spanischstunden oder Partys zu organisieren. An Wochenenden gibt es noch Wettkämpfe.
Aktivitäten über Aktivitäten. Die Eltern meinen es in der Regel gut. Man will den Sprösslingen so viel wie möglich bieten und kann mit der Förderung nicht früh genug beginnen. Die Erziehung soll Geist und Körper stimulieren. In den USA scheint diese Tendenz ausser Kontrolle zu geraten. Das Wettbewerbsdenken wird immer mehr vorverlagert.
Das eigene Kind soll die besten Voraussetzungen haben für die beste Universität! Das sind Überlegungen, die zum Teil nicht offen ausgesprochen werden.
Bald wird es schon Sport für Neugeborene geben. Väter und Mütter haben nun in Zusammenarbeit mit der Universität Minnesota gegen diesen Familienstress eine Gruppe "Familiy Life 1st" ins Leben gerufen, die den Eltern Hilfe anbietet, den Tagesablauf ihrer Kinder zu normalisieren. Viele Familien schafften es nicht mehr alleine, Termine zu streichen. Der Gruppendruck ist zu gross. Im Kindergarten gibt es bereits die Förderung der akademischen Fähigkeiten mit Prüfungen und Tests. Als Folge dieser Hektik geht Ruhe und Zeit zur Reflexion verloren. Die Kinder leiden unter Ess- oder Schlafstörungen oder werden depressiv. Die übermüdeten Kinder verlieren die Freude am Lernen, bevor sie in die Schule gehen.
Nicht die Belastung oder die Entlastung - an sich - ist schädlich oder gut. Es geht immer um das Mass. Es ist nicht leicht, beides unter einen Hut zu bringen: Stress und Musse sind notwendig aber "Die Balance finden", eines der wichtigsten Grundprinzipen von Schule und Erziehung wie auch bei Kommunikationsprozessen, ist eine Herausforderung.
Zusammenfassung: Wir sind überzeugt, dass gezielt der zunehmenden Entfremdung, Zerplitterung und Unruhe in der Schule begegnet werden muss. Wenn Jugendlichen in den Familien keine Konstanz mehr finden können, weil dort vermehrt feste Bezugspersonen fehlen, und die Schule die unsteten Familienverhältnisse nicht mehr beeinflussen kann, so müsste die Schule wenigstens in ihrem eigenen Bereich gegensteuern und dafür sorgen, dass immerhin im Unterricht Nähe und Vertrauen aufgebaut werden kann. Gefragt sind Konstanz, Ruhe und vertrauenswürdige Bezugspersonen. Politiker, Behörden, Planer, Denker, Pädagogen, Psychologen, Lehrerinnen und Lehrer, wie auch die Eltern sind gefordert, den eigenen persönlichen Beitrag zu leisten.
Die USA hat in Schulen bereits eine Welle von Gewalt erlebt. Allein seit 1996 hatte es mindestens 15 schwere Vorfälle gegeben, bei denen Schüler auf Mitschüler und Lehrer geschossen hatten Quelle.
Schulschiessereien in den USA oder Kanada:
Feb. 2, 1996 Moses Lake, Washington. 2 Schüler und 1 Lehrer wurden getötet, ein anderer verwundet als der 14-year-old Barry Loukaitis auf seine Algebra Klasse schiesst. Feb. 19, 1997 Bethel, Alaska, Ein Schuldirektor und 1 Schüler werden getötet, 2 andere verwundet. Der Täter ist der 16 jährigen Evan Ramsey.
Okt. 1, 1997, Pearl, Missouri 2 Schüler werden getötet und 7 verwundet. Der Täter Luke Woodham, 16, wurde auch angeklagt, seine Mutter getötet zu haben. Er und seine Freunde waren in einer Sekte. Dez. 1, 1997, West Paducah, Kentucky. 3 Schüler werden getötet und 5 verwundet. Der Ort war die Heath High Schule. Der Täter ist der 14 jährige Michael Carneal.
Dez. 15, 1997, Stamps, Arkansas 2 Schüler werden verwundet. Der Täter war Colt Todd (14). Er hatte sich im Wald versteckt und schoss auf die Mitschüler als sie auf dem Parkplatz standen. März 24, 1998, Jonesboro, Arkansas. 4 Schüler und 1 Lehrer getötet, 10 andere verwundet. Die Westside Middle Schule war durch einen falschen Feueralarm evakuiert worden. Mitchell Johnson, 13, und Andrew Golden, 11, haben auf ihre Kameraden und Lehrer vom Wald aus geschossen.
April 24, 1998 Edinboro, Pa. 1 Lehrer, John Gillette wurde getötet, 2 Schüler wurden von an der James W. Parker Middle Schule verwundet. Andrew Wurst, 14 wurde angeklagt. Mai 19, 1998, Fayetteville, Tennessy. 1 Schüler wurde auf einem Parkplatz an der Lincoln County High Schule getötet. Das Opfer war eine Exfreundin des 18 jährigen Schülers Jacob Davis.
Mai 21, 1998, Springfield, Ore. Zwei Schüler getötet, 22 andere verwundet. Der Tatort war die Caffeteria an der Thurston High Schule. Der Täter war der 15-jährige Kip Kinkel. Kinkels Eltern wurden später auch tot zu Hause aufgefunden. Juni 15, 1998, Richmond, Va. 1 Lehrer und 1 Berater wurden von einem 14-jährigen Knaben in the Schulhalle ermordet.
April 20, 1999, Littleton, Colorado. 14 Schüler und 1 Lehrer wurden getötet, 23 andere verwundet. Der Tatort war die Columbine High Schule. Eric Harris, 18, und Dylan Klebold, 17 hatten ein Jahr lang geplant mindestens 500 Schüler zu töten und die Schule in die Luft zu sprengen. Am Schluss der Stundenlangen Schiesserei haben sie sich selbst erschossen. April 28, 1999, Taber, Alberta, Canada. 1 Schüler getötet, 1 verwundet. Tatort war die W. R. Myers High Schule. Dies war die erste tödliche Gymnasiumschiesserei in Canada seit 20 years. Der 14-järige Knabe war aus der Schule geflogen.
Mai 20, 1999, Conyers, Ga. 6 Schüler wurden an der Heritage High Schule von Thomas Solomon erschossen. Dieser war deprimiert, nachdenm er sich von seiner Freundin getrennt hatte. Nov. 19, 1999, Deming, N.M. Victor Cordova Jr., 12, schiesst und tötet Araceli Tena, 13, in der Lobby der Deming Mittelschule.
Dez. 6, 1999, Fort Gibson, Okla. 4 Schüler wurden von Seth Trickey (13) verwundet, der das Feuer mit einer 9mm halbautomatischen Waffe anx der Fort Gibson Middle Schule eröffnet hatte. Feb. 29, 2000, Mount Morris Township, Mich: Der 6-year-alte Kayla Rolland wurde an der Buell Elementary Schule near Flint, Mich. getötet. Der Angreifer war ein 6-järiger Knabe mit einer .32-Kaliber Pistole seines Vaters.
Mai 26. 2000, Lake Worth, Florida. Ein Lehrer, Barry Grunow, wurde an der Lake Worth Middle Schule von Nate Brazill, 13, mit einer .25-kalibrigen halbautomatischen Pistole am letzten Schultag getötet. März 5, 2001, Santee, Calif. Charles Andrew Williams (15) tötet 2 und verwundet 13 an der Santana High Schule.
März 7, 2001, Williamsport, Pa. Elizabeth Catherine Bush, 14 verwundet Schüler Kimberly Märzese in the Caffeteria of Bishop Neumann High Schule.  


Obschon es zu einer landesweiten Ursachenforschung kam, wurden keine wirklichen Lösungen gefunden. In Deutschland gab es ebenfalls verschiedene Fälle von jugendlichen Amokläufern oder Anschlagversuchen:

Nov 1999.: Ein sechzehnjähriger Gymnasiast tötete in Bad Reichenhall mit Gewehrschüssen vier Personen. Er erstach maskiert die 44-jährige Lehrerin und beging Selbstmord. Wenige Tage später erstach ein Schüler in Meissen eine Lehrerin. Vor der Tat sagte er: "Heute bringe ich eine Lehrerin um."
Im gleichen Jahr wurden drei Jugendliche festgenommen, die Mordpläne gegen ihre Schulleiterin und eine Lehrerin geschmiedet hatten. Im Jahre 2000: Aus Rache für einen Schulverweis schoss ein Schüler auf den Direktor des Internats im oberbayrischen Brunnenburg und verletzte ihn tödlich.
Februar 2002. Ein 22-jähriger Mann in Bayern erschoss zwei Kollegen und den Direktor einer Schule. Jüngst gab es im Weimar einen Brandanschlag durch die eine Schülerin welche ebenfalls zur Abiturprüfung nicht mehr zugelassen wurde. Ausgerechnet am Tag des Anschlages in Erfurt stand diese ehemalige Schülerin vor Gericht. Die Täterin Karin galt ein liebes, nettes Mädchen. Karins Mutter war zweimal geschieden. Die Mutter musste die Familie über Wasser halten. Das Kind wollte die Schulprobleme nicht mit der Mutter besprechen. Dank eines Zufalls konnte der Brandanschlag vereitelt werden. Es hätte Hunderte von Opfern geben können. Vor Gericht sagte Karin. "Ich wollte etwas zerstören."




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Datum: 17. Mai


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