Gerhard Schröder - von Journalisten gerne als "Medienkanzler" bezeichnet-
bewies am Sonderparteitag in Berlin, dass er die Kunst der Rede vor allem
dann beherrscht wenn es ernst gilt. Vor allem in schwierigen Situationen
verhält er sich rhetorisch geschickt. In einer für seine Verhältnisse
geradezu leidenschaftlichen Rede hatte er um Unterstützung geworben.
Die Kernbotschaft war gewiss gut vorbereitet gewesen und die Emotionen nicht
künstlich als Show vorgetragen. Schröder wusste: Jetzt geht es um "die
Wurst".
Obschon Schröder meist ein Könner allgemeiner, vager Formulierungen ist
(siehe dazu Airbagrhetorik,
Quasseln,
Fussballrhetorik, argumentierte er in Berlin recht konkret und
setzte gezielt seine Kernaussagen an passender Stelle:
- Wer die Realität verdrängt, wird schliesslich von der
Realität beiseite gedrängt.
- Ohne die Kürzungen der Leistungen (auch bei der Arbeitslosen und
Krankenversicherung) ist der Sozialstaat nicht finanzierbar.
Die Rede war zeitweise bittend, an anderen Stellen temperamentvoll
(Quelle: ZDF Sendung)
Redeauschnitte wiederholen
Uns fiel auf, dass Schröder bei dieser Rede nicht - wie leider bei anderen
wichtigen Auftritten - mit Rücktritt drohte, sondern den Druck mit einem
geschickten Vergleich aufbaute:
Schröder erinnerte an das Schicksal des gestürzten Kanzlers Helmut Schmidt
und die Regierungsunfähigkeit der SPD in den achtziger Jahren.
Gemäss den Erkenntnissen bei
Verhandlungen hob Schröder in seiner Rede die Gemeinsamkeiten mit
den Gewerkschaften hervor. Er begrüsste sogar eigens den am Parteitag
anwesenden Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes, Sommer.
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| Kampf | Ungewissheit | Triumpf |
Fotoquelle: Spiegel
Reaktionen
"Der Leidensdruck war spürbar", sagte Günter Zienterra, Seminarleiter
des Instituts für Rhetorik und Kommunikation in Bornheim bei Bonn. Die
Delegierten hätten einen Parteivorsitzenden "auf der verzweifelten Suche
nach Zustimmung" erlebt. Die Rede bezeichnete Zienterra als "verkrampft
und unsicher", als einen "Hilferuf", eine Rede für die Köpfe,
nicht die Herzen. Der Kanzler habe mit einem "eingeübten, zum Teil nachlässig artikulierten
Wechselgang von leiseren Appellen und mit Stimmdruck hervorgehobenen
Aufforderungen" versucht, Entschlossenheit zu demonstrieren. Mimik,
Gestik und Haltung hätten jedoch Unsicherheit verkörpert.
Die Haltung sei gebeugt gewesen, der Blick unruhig und auf der ständigen
Suche nach Verbündeten im Saal. "So kann er seine Glaubwürdigkeit nicht
verstärken", sagte Zienterra. Verkrampft sei der Kanzler von einem
Bein auf das andere geschwankt, die Gestik habe sich auf Bewegungen der
rechten Faust beschränkt. "Er hat entscheidende Botschaften nicht mit
Bewegungen unterstrichen."
Mimik und Stimme seien zwar von Kampfeswillen geprägt gewesen. "Aber
Schröder hat nicht einmal verbindlich oder aufmunternd gelächelt",
kritisierte der Experte. So sei es schwer, Vertrauen zu gewinnen und die
Zuhörer für sich einzunehmen. "Daran ändert auch nichts, dass er jeden
vierten Satz mit 'Freundinnen und Freunde' beendete."
Quelle: www.spiegel.de
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Der Kanzler musste kämpfen. Er hat gekämpft - mit Erfolg. Mit einer
energischen Rede hat der SPD-Vorsitzende Gerhard Schröder auf dem
Sonderparteitag in Berlin die Genossen auf Reformkurs gebracht: Der
Antrag zur Agenda 2010 wurde mit klarer Mehrheit angenommen: ein Erfolg
des Kanzlers und doch nur ein Etappensieg. Der Schlussspurt kommt noch:
Der Kampf um die Stimmen in der Fraktion.
Schröder erinnerte auch an die Worte seines Fraktionschefs Franz
Müntefering, der von der Saat sprach, deren Früchte man erst morgen ernten
könne. Und da kommt in der 53minütigen Kanzler-Rede ein Satz, der wie
kein anderer die momentane sozialdemokratische Gemütslage beschreibt:
"Die Rückenschmerzen vom Bücken bei der Aussaat, die spüren wir heute."
Quelle: ZDF Heute .
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