
Die erfolgreiche Kommunikationschefin
Franziska Ingold
vom UVEK
hat für Rhetorik.ch exklusiv folgende zwei Fragen beantwortet:
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Wie kann eine Kommunikationschefin ihren Bundesrat ohne Zeitverlust dazu bringen, dass er bei Auftritten
verständlich und glaubwürdig überzeugt?
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In der begrenzten Zeit, die einer Kommunikationschefin zur Verfügung steht, sind vier
Prinzipien entscheidend:
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Fokussierung auf Kernbotschaften
Jede Vorbereitung beginnt mit der Identifikation
von drei bis vier prägnanten Aussagen, die man sich unbedingt merken muss.
Diese Botschaften müssen einfach, wiederholbar und relevant sein. Die Methode der
"Schlüsselsätze" hilft mir dabei: Der Bundesrat erhält klar
formulierte Kernbotschaften, die er sich in eigenen Worten aneignet oder
die er selber so sagen will.
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Nähe zu den Entscheidungsprozessen
Als Kommunikationschefin bin ich
bei allen wichtigen Sitzungen als Zuhörerin dabei. Das hilft enorm, um
die Knackpunkte zu verstehen, frühzeitig zu erkennen, wo die
Herausforderungen liegen, und direkt aus erster Hand zu hören, was die zentralen Botschaften
sind. Dadurch können diese im Dialog mit dem Bundesrat immer wieder
geschärft und verankert werden. Kommunikationsverantwortliche
gehören deshalb in den direkten Stab, in die Geschäftsleitung
oder zumindest nahe an die betreuten Personen " nur so können sie
ihre Arbeit wirklich wirkungsvoll machen.
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Simulierte Interviews und Rollenspiele
Statt trockener Theorie setzen
wir auf die Praxis. Wir bereiten Medienkonferenzen so vor, dass ich die Fragen stelle und
Bundesrat Albert Rösti mir antwortet. So sehen wir sofort, wo
er noch keine klare Antwort geben kann. Selbstverständlich haben
wir nicht immer alle Fragen auf dem Radar, aber so kann man jederzeit
auf kritische Nachfragen ruhig und kontrolliert reagieren. Dabei
gilt: Wer sich auf die inhaltliche Klarheit konzentriert, gewinnt an
Souveränität.
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Authentisch bleiben
Mir ist es wichtig, den Menschen nicht zu verändern.
So banal es klingen mag - ich bin davon überzeugt: Bleibt eine Person authentisch, wird ihr
Inhalt glaubwürdig vermittelt. Der Fokus liegt auf positiven
Verstärkungen: Was funktioniert bereits gut? Wo lässt sich mit
minimalem Aufwand die grösste Wirkung erzielen? Durch gezielte
Wiederholungen wird die Sicherheit gestärkt, sodass niemand
"übercoacht" wirkt, sondern seine eigene, authentische Stimme und
Persönlichkeit bewahrt. Erfolg in der Kommunikation bedeutet nicht
Perfektion, sondern eine überzeugende Kombination aus Klarheit,
Glaubwürdigkeit und natürlicher Präsenz.
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Was ist der grösste Fehler im Umgang mit Journalisten?
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Der grösste Fehler im Umgang mit Medien ist die Illusion der
Kontrolle. Wer glaubt, er oder sie könne die Berichterstattung
steuern, gerät schnell in eine defensive Haltung oder verliert sich
in unnötigen Rechtfertigungen. Journalisten sind keine Sprachrohre,
sondern eigenständige Akteure mit einer klaren Aufgabe: Informationen
einzuordnen, kritisch zu hinterfragen und Zusammenhänge sichtbar
zu machen. Drei Grundsätze helfen, Fehler zu vermeiden:
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Die Rolle der Journalisten akzeptieren:
Journalisten haben eine andere Aufgabe
als Kommunikationsverantwortliche " und das muss man akzeptieren. Es ist
zielführender, sich zu überlegen, welche Fragen Journalisten
stellen sollten, anstatt sich darüber zu ärgern, welche
Fragen sie tatsächlich stellen. Wer seinen Job beherrscht, kann
oft voraussehen, was ein Journalist fragen müsste " und sollte sich
darauf fokussieren, überzeugend zu antworten.
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Transparenz statt Taktik:
Unklare oder taktische Antworten wecken Misstrauen. Wenn Fakten
nicht offen kommuniziert werden, graben Journalistinnen und Journalisten
umso tiefer. Besser ist es, Herausforderungen proaktiv anzusprechen
und eigene Narrative zu setzen, statt auf Krisenkommunikation zu
warten. Gleichzeitig muss man nicht alles immer im Detail im Voraus
wissen " eine zu perfekte Antwort wirkt oft konstruiert und wenig
glaubwürdig.
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Professionelle Distanz - und trotzdem Nähe:
Gute Beziehungen zu Medien sind essenziell, aber sie dürfen nicht
zu einer ungesunden Vertrautheit führen. Die Balance zwischen
professioneller Distanz und menschlicher Nähe ist entscheidend. Es
hilft, mit Journalisten auch mal persönlich zu sprechen, sich zu
treffen, anstatt immer nur per E-Mail zu kommunizieren. Man darf sich
auch nicht eingeschnappt zeigen, wenn die Fragen hart sind " solange
alles fair bleibt, gehört kritisches Nachfragen zum journalistischen
Handwerk dazu.
Kommunikation ist kein Nullsummenspiel. Wer den Dialog
mit Medien als Chance und nicht als Risiko sieht, gewinnt langfristig
an Glaubwürdigkeit " und damit auch an Wirkung.