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www.rhetorik.ch aktuell: (12. Jan, 2025)

Kuenstliche Wahrnehnung

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
An seiner Pressekonferenz verriet Trump einige seiner geostrategischen Ideen: Er möchte Grönland kaufen und fordert: Der Panamakanal müsse wieder den USA gehören. In der Fragerunde drohte sogar Trump, er könne den Einsatz des Militärs nicht ausschliessen, um die Expansion der USA voranzutreiben. Sind das blosse Hirnbespinste? Vermutlich steckt hinter jeder Forderung ein ernst zu nehmender Gedanke. Grönland hat wertvolle Erdschätze, die auch bei den Chinesen Begierden geweckt haben. Der strategisch wichtige Panamakanal wird schon heute bei der Einfahrt und Ausfahrt von Chinesen kontrolliert.

Die Provokationen und Drohungen sind bei Donald Trump nicht neu. In der ersten Amtszeit waren viele seiner Ankündigungen Rhetorik, um sich in eine vorteilhafte Verhandlungsposition zu verschaffen. Trump tickt nicht wie ein üblicher Politiker. Er handelt eher wie ein Immobilienhändler. In NY war er schon der grosse "Deal Maker". Seine Unberechenbarkeit hat System. Durch die Machtfülle des US-Präsidenten und mit den Kenntnissen der ersten Amtszeit ergibt sich jetzt eine potente Mischung und Trump ist gar noch nicht im Amt. Er schiebt schon vor der Wahl Biden vor sich her.

Wer die Medienlandschaft verfolgt stellt fest: In Europa werden die Provokationen Trumps gross aufgemacht und prominent diskutiert. In Amerika sind aber Trumps Ideen weniger ein Thema. Die unterschiedliche Wahrnehmung ist offensichtlich. Es sieht so aus, als hätten die europäischen Medien eine andere, gleichsam künstliche Wahrnehmung.


Trump hat wieder einmal gezeigt, dass er ein Meister der Provokation ist. Er kommt schliesslich aus dem Fernseh-Milieu. Hier geht es um einen neuen Anlauf, den Kauf von Grönland ins Visier zu nehmen. So soll er seinen Sohn privat nach Nuuk geschickt haben, um das Interesse zu untermauern. Hier ist eine Meldung des Spiegels:

Die von Trump geäusserten Ideen vom Kauf von Grönland sind eine Provokation, die kaum ernst zu nehmen sind. Vielleicht war er auch einfach froh, dass er seinen Sohn nach Nuuk schicken konnte. Vor allem konnte er die Aufmerksamkeit geniessen. Wie erwartet, haben die Medienberichterstattungen bei der Ankündigung reagiert. Vor allem in Europa, weniger in den USA. Auf NPR hiess es etwa, das sei eine "Madman Strategie". Ein paar Artikel aus der Schweiz:

Trump weiss, wie man Journalisten der traditionellen Medienhäuser in Aufregung bringen kann. Er hat das schon vor seiner ersten Amtszeit zelebriert. Fast niemand scheint sich zu errinnern, dass Trump schon während seiner ersten Amtszeit (im August 2019), den Kauf von Grönland vorgeschlagen hatte Quelle. Trump konnte die Medien schon lange nach Belieben trollen. Es ist eine Win-Win Situation: Trump kommt in die Schlagzeilen, die Journalisten können etwas schreiben, die Kommentatoren dürfen sich entrüsten. Die Leser sind amüsiert. Der private Flug nach Nook für seinen Junior kostete ihn vielleicht ein paar Tausend Dollars. Der Medienwirbel darüber ist aber unbezahlbar. Man kann darauf wetten, dass die Sache einfach versanden wird.

Die Geschichte zeigt aber eine schon fast Künstliche Wahrnehmung von Signalen. Dass jemand die Idee, dass die USA Grönland oder Panama oder Kanada kaufen kann, ernst nehmen kann, ist schon fast komisch. Man muss Trump es lassen, dass die Idee im Jahre 2019 (vor mehr als 5 Jahren) originell war. Man ist trotzdem überrascht.

Die Welt ist komplizierter und medialer geworden. Wir sind nicht mehr im Jahre 1867, wo die USA Alaska fast unbemerkt und billig von den Russen wegkaufen konnte, oder dass die USA vor mehr als 100 Jahren die Jungferninseln kaufen konnte. Das war damals ein Pappenstil, heute weniger als einer Milliarde Investition. Die "Financial Times" schätzt, dass der Kauf von Grönland heute bis zu 1.1 Trillionen kosten würde. Quelle. Man kann das gut nachvollziehen. Heute weiss man um Bodenschätze und vor allem auch um die strategische Werte von Grönland. Die USA könnte Grönland oder Kanada oder Panama schon nicht kaufen, weil die Menschen dort es nicht wollten. Eine Kaufofferte würde den Preis exorbitant machen. Was wäre denn, wenn China mehr bieten würde? Es gibt auch kein Geld für solche Dinge. Das Haushaltsdefizit der USA war im Jahre 2001 noch im Lot. Heute beträgt es mehr als 2 Trillionen Dollar. Ein Grönlandabenteuer ist unrealistisch. Militärische Optionen sind noch weniger denkbar, ausser es käme zu einem dritten Weltkrieg.

Trump weiss, dass grosse Probleme auf ihn zukommen, wenn er in etwas mehr als einer Woche antritt. Der Krieg in der Ukraine zeigt unhaltsame Fortschritte der Russen. Die Kurksinvasion hat sich als komplete Fehlplanung erwiesen. Traditionelle Waffen werden von relativ billigen neuen Waffen gedemütigt. Auch die Situation im Nahen Osten gibt noch viele Probleme.

Es gibt auch Positives an der Grönland Geschichte: man beginnt sich für Grönland zu interessieren. Gut für Trump ist, dass er wieder auf den Titelseiten ist. Für die Zeitungen ist es gut, dass sie etwas über Trump schreiben können. Schon die erste Amtszeit von Trump war ein Segen für die Branche. Das könnte sich wiederholen.


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