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www.rhetorik.ch aktuell: (05. Jan, 2025)

Bescheidenheit vs. Ueberheblichkeit

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Karin Keller-Sutter unterstrich in ihrer Neujahrsansprache als Bundespräsidentin den Satz: "Bescheidenheit ist ein Schweizer Wert." Weil es im Volksmund heisst, "Bescheidenheit ist eine Zier", stellte nach der Ansprache kein Schweizer diese Kernbotschaft in Frage. Nach der jüngsten Kolumne im BLICK von Frank A. Meyer hat jemand, der von höchster Stelle so etwas verlauten lässt, ein Problem. Das Eigenlob der Bundespräsidentin kontrastiert mit der segensreichen Tugend "Bescheidenheit".

Wer sich generell mit dieser positiv gefärbten Charaktereigenschaft auseinandersetzt, sollte Begriffe ommer zuerst definieren. Allgemein gelten folgende Synonyme für Bescheidenheit: Genügsamkeit Anspruchslosigkeit Einfachheit Schlichtheit Demut sich zurückhalten, zurücknehmen sich nicht in den Mittelpunkt stellen Unaufdringlichkeit verzichten sich begnügen andere an die erste Stelle setzen. Menschen finden Genügsamkeit erstrebenswert und wertvoll. Psychologen sehen aber auch Schattenseiten: Bescheidenheit kann für zu Bescheidene ein Karrierekiller sein. Wer Mitmenschen wertschätzt, läuft zudem Gefahr, sich selbst zu verleugnen, sich selbst abzuwerten. Bescheidene müssen darauf bedacht sein, das eigene Wohl nicht auszuklammern.

Anderseits sollten wir auch die Gegenseite der Bescheidenheit genauer kennen. Es gilt beim Gegenpol "Die Ueberheblichkeit" ebenso einzukreisen. folgende Stichworte bringen uns da weiter: Geltungssucht Masslosigkeit Prunksucht ambitioniert (ehrgeizig, strebsam) hochnäsig prahlerisch angeberisch grossspurig selbstverliebt, selbstgefällig sich für etwas Besseres halten auf zu grossem Fuss leben egozentrisch arrogant aufgeblasen.

Im Alltag stellen wir fest, dass im Umgang mit Menschen, extremes Verhalten schlecht ankommt. Auch beim Spannungsfeld Bescheidenheit vs. Ueberheblichkeit geht es einmal mehr um die Frage des Masses. Die Balance zwischen den extremen Polen zu finden, ist die Herausforderung.

Zurück zum Schweizer Wert "Bescheidenheit": Bei den Verhandlungen mit der EU wird seit geraumer Zeit bewusst, dass ein Land nicht zu bescheiden sein darf im Hinblick intern vereinbarten roten Linien. Denn fixe Grenzen dürfen auch bei Kompromissen nicht überschritten werden. Bei allen Verhandlungen auf Augenhöhe ist es immer zulässig, bei zementierten roten Linien hart und unbescheiden deren Einhaltung einzufordern und anderseits überhebliches Verhalten der Gegenpartei zu entlarven. Ueberhebliches Verhalten der EU darf die Schweiz desahlb nie grossmütig akzeptieren. Dies wäre falsche Bescheidenheit.

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