Kritik in den Medien mit Folgen
Helene Fischer erntete in den sozialen Medien verheerende Kritik
für ihre Weihnachtsshow. Die Sendung ermöglichte
Reinhard Mey ein verdientes Comeback vor einem Millionenpublikum.
Damit hatte Helene Fischer wohl nicht gerechnet: An Weihnachten,
als die Gastgeberin in ihrer Show hochkarätige Kollegen aus
der Schlagerbranche auf die Bühne brachte, verschafften viele
Zuschauer bereits nach wenigen Minuten ihrem Aerger Luft.
Vielen gefiel die Darbietung der Schlager Queen ganz und gar nicht.
Schon der Start misslang.
"Masterclass im schlechten Playback" schreibt ein Zuschauer auf Merkur.de
Quelle.
In einem anderen Kommentar lesen wir: "Fand" live schon absolut furchtbar."
"Wenn man die Augen zu macht, stellt man sich nicht Marianne Rosenberg
unter dieser Stimme vor", so das vernichtende Urteil. Nach der Sendung
hagelte es im Netz weiter zahlreiche negative Kommentare. Helene Fischer
wurde selbst Zielscheibe der Kritik. Die Moderatorin hat in ihrer ZDF-Show
zu viele Duette mit ihren Stargästen präsentiert "
und das kam nicht gut an. Ich zitiere auf der Social-Media Plattform
X frustrierte Zuschauer:
"Helene lässt keine Künstlerin alleine singen?
Sie hängt sich in jeden Song rein".
Ein anderer User ergänzt:
"Ich wünschte, Fischer würde sich mehr zurücknehmen und
nicht ständig die Ina Müller machen und mitsingen, manchmal
sollte sie sich einfach zurücknehmen und anderen den Vortritt lassen."
Dies der Grundtenor der Beanstandung.
Die Frage ist berechtigt: Warum muss Helene Fischer überall ihre
Stimme beifügen? Mit ihrem Konzept wertete sie manche Beiträge ab.
Das Fischer Bashing zeigt uns eindrücklich, wie Medien externe
Urteile - besonders Kritik - verstärken. Es findet ein sogenannter "
Dominoeffekt" statt. Medien können Meinungen vervielfachen und ankern.
Die Kritik an der Fischer-Show wird bestimmt Folgen haben.
Anderseits fand ich es es lobenswert, dass die Moderatorin an der
kritisierten Weihnachtsshow dem Poeten Reinhard Mey nach einer
längeren Pause wieder eine Plattform geboten hatte. Mey sah
sich nie als Schlagerstar. Er ist auch eher ein Liedermacher,
mit Texten ohne Hohlformeln.
In den 70er Jahren feierte er mit dem Lied "
Der Mörder ist immer der Gärtner"
und dem berühmtesten Titel "Ueber den Wolken"
einen grossen Erfolg. Der Auftritt Meys war bei
Helene Fischer ein besonderes Erlebnis.
Nachdem der Liedermacher früher mit dem Ohrwurm "Annabelle, Annabelle -
du bist so schrecklich intellektuell" eine alternative
Studentin aus den 68er Jahren
aufs Korn genommen hatte, wurde der Liedermacher von der
linken Szene jahrelang hart kritisiert, geächtet und an den
Pranger gestellt. Es wurde ihm vorgeworfen, er
betreibe eine kleinbürgerliche Hexenjagd. Erst als er später mit
dem Lied" Der Biker" gleichsam einen Entschuldigungssong geschrieben hatte,
verebbte die destruktive Kritik, deren abwertenden Kommentare die
Wirkung nicht verfehlten. Die Wiederholung -
"Mey beschreibt nur Alltägliches ohne politische Mission"
- führten dazu, dass sich Mey zurückzog.
Auch dieser Fall veranschaulicht uns die Macht der Medien. Im Grunde genommen
ist Meys Fähigkeit, dem Alltag über die Schulter zu schauen, seine
Stärke. Er schärft mit seinen Texten unsere Wahrnehmung und macht
uns hellhöriger. Folgende Sequenz auf
"Ueber den Wolken" verdeutlicht dies:
"Dann ist alles ganz still, ich geh, Regen durchdringt meine Jacke.
Irgend jemand kocht Kaffee in der Luftaufsichtsbaracke.
In den Pfützen schwimmt Benzin - schillernd wie dein Regenbogen.
Wolken spiegeln sich darin, Ich wär gerne mitgeflogen."
Reinhard Mey trat an der Weihnachtsshow bei Helene Fischer erst gegen den
Schluss ein zweites Mal auf. Ich wollte seinen wohlgesetzten Worte
lauschen. Doch wurde der Genuss geschmälert, weil sich die
egozentrische Moderatorin bei dieser Darbietung einmal mehr anmasste,
den Beitrag als Duett abzuwerten.
Fazit meiner Beobachtungen: Bei Fischer und bei Mey verdeutlicht uns
die Kraft der Kritik in den Medien. Die Macht der Medien darf nicht
unterschätzt
werden. Mitunter beinhaltet Medienkompetenz die Fähigkeit,
einen allfälligen Missbrauch der Medienmacht zu erkennen.