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www.rhetorik.ch aktuell: (29. Okt, 2024)

Video als Lernbeschleuniger

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Ein Rhetoriktrainer lehnt Videoaufnahmen bei seinen Seminaren generell ab. Er begründete sein Urteil jüngst in einem Filmbeitrag im Netz mit folgenden Argumenten: Wenn bei einem Training mit acht Teilnehmern alle die Videoaufnahmen von einem Betroffenen anschauen müssen, ist dies verlorene Ausbildungszeit. Anstatt die Videoaufnahmen zu analysieren, sollten die Akteure direkt korrigiert werden. Wenn einem Teilnehmer nach der Videoaufnahme gesagt wird: "Sie machen keine Sprechpausen", so wird ihm dadurch nicht geholfen. Wir müssen Marotten SOFORT beheben. Wir erreichen schnellere Fortschritte, wenn wir die Zeit nutzen, um Mängel sofort zu verbessern, statt Videos anzuschauen. Videoaufnahmen sind verlorene Zeit. Nur konkretes Training bringt uns weiter. Diese Einstellung teile ich jedoch nur, wenn ein Coach den "Spiegel Video" falsch einsetzt. Für mich hat sich der Einsatz mit Video stets gelohnt. Folgende Fehler sind aber in der Praxis immer wieder anzutreffen:
Bänder werden den Betroffenen mitgegeben. Richtig ist aber, dass Videoaufnahmen nach dem Seminar gelöscht werden müssen, damit der Betroffenen nicht Mängel mehrmals anschauen oder hören und damit zementieren. Ein weiterer Fehler: Der Coach weist nach der Aufnahme sofort auf Fehler hin, statt die Betroffenen zuerst sich selbst kritisieren zu lassen. In der Regel erkennt der Redner dank der Videoaufnahmen die Mängel problemlos. Das ist der grosse Vorteile des "Spiegels Video". Die Bereitschaft, sein Verhalten zu verbessern, erfolgt dank der Einsicht rascher (Fakten). Selbstkritik verhindert Rechtfertigungen, Beschönigungen oder die übliche Abwehrhaltung bei Fremdkritik. Professionelles Videotraining ist ein Lernbeschleuniger. Doch setzt dies voraus, dass die wichtigsten Spielregeln eingehalten werden:

Die Zuschauer müssen aktiviert werden. Sie notieren die persönlich festgestellte Hauptstärke des aufgenommenen Redners. Diese positive Rückmeldung erfolgt auf einem Notizblatt, das dem Betroffenen persönlich überreicht wird. Positives wird dadurch verstärkt und bewusst gemacht. Das stärkt das Selbstvertrauen und fördert die Selbstsicherheit.

Es ist ein gravierender Fehler, durch eine wohlwollende Kameraführung Negatives auszublenden oder Mängel mit Zoomaufnahmen zu vergrössern, d.h. zu verstärken. Es muss stets objektiv gefilmt werden, mit fixer Einstellung. In der Filmsprache will dies heissen: Nie "edieren" (verfremden). Kein Weglassen von Defiziten. Negative Details keinenfalls zoomen. Auch keine Geschwindigkeitsveränderungen (Schnelllauf oder Zeitlupe) vornehmen. Die beobachtungsorientierte Interpretation mit der Kamera ist übrigens in kurzer Zeit erlernbar. Bei der Ausbildung mit Video geht es auch um die Einhaltung folgender Schritte: In meiner langjährigen Tätigkeit mit Video brachte es ein Sporttrainer anlässlich eines Medientrainings vor der Olympiade mit Spitzenportlern auf den Punkt, nachdem er während der ganzen Ausbildung unsere Arbeit in Magglingen verfolgte. Nach der Unterrichtsequenz mit Video sagte der Profi Sport Coach: "Das war für mich mehr als nur ein Medienrhetoriktraining. Das Training mit Video war gleichsam eine angewandte Selbsterfahrung, die alle Akteuere sehr schnell weiterbrachte." Die "Ausbildung mit Video" - fachgerecht durchgeführt - lohnt sich. Sie ist ein "Lernbeschleuniger" und sollte nicht pauschal abgelehnt werden.
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