Psychoanalytikerin
Verena Kast sagt über die Wut:"Aggressive
Taten, die zu Verletzung und Zerstörung führen, sind von Wut
abzugrenzen. Denn Wut ist kein Verhalten, sondern eine Emotion. Wut
sei die intensivierte Form von Ärger, die eine unserer Grundemotionen
ist. Und Ärger entsteht, wenn wir uns gekränkt, unfair behandelt
oder in unserer Integrität angegriffen fühlen oder uns
entwickeln wollen, aber daran gehindert werden."
Politische Gesinnungen werden oft von Angst oder Wut beeinflusst.
Welche Emotionen wirken nachhaltiger?
Parteien, die Ängste schüren, können zwar emotional
etwas bewirken, doch führt dieser Weg oft zu Resignation,
Hoffnungslosigkeit. Aengste können zudem lähmen. Anderseits aber
auch zu Kurzschlusshandlungen führen, wie bei den Klimaaktivisten,
die sich auf Strassen klebten und damit die Bevölkerung
verärgerten und letztlich ihrer Partei nachhaltig geschadet
haben. Die Grünen stürzten bei Wahlen nachher ab, die Wut
der Oeffentlichkeit wirkte sich für die Partei offensichtlich
negativ aus.
Wer von Wut vereinnahmt wird, ankert die Gesinnung und lässt sich
schwerlich von der gefestigten Meinung abbringen. Das zeigt der Erfolg
jener Parteien, die es schaffen, die Wut gegen kriminelle Asylanten
und die negativen Folgen der Einwanderung zu wecken. Beispielsweise im
Bildungswesen: Weil die Probleme in Schulklassen mit zu vielen Kindern
ohne deutsche Sprachkenntnisse Lehrkräfte überfordern und
eigene Kinder "zu kurz" kommen. Ebenso im Gesundheitswesen: Weil man
sich hier über fehlende Betten oder Aerzte ärgert. Sowie
bei der Wohnungssuche, weil billige Wohnungen den Einwanderern zur
Verfügung gestellt werden.
Dem politischen Personal ist viel zu wenig bewusst, dass Wutbürger
sich kaum eines Besseren belehren lassen. Die Meinung dieser
Stimmberechtigten bleibt zementiert und wird kaum geändert.
Wut festigt die Haltung der Menschen. Wenn Wut im
Spiel ist, misslingt in der Regel der Versuch, die Gesinnung mit
tauglichen Argumenten zu ändern. Die Kraft der Wut blockiert
Verhaltungsänderungen somit stärker als die Angst.
{Nachtrag vom 7. Februar, 2026: Dominic Voegtli fragt:
Ich kontaktiere Sie im Zusammenhang mit einem Lektorat, bei dem ich ein Zitat,
das ich auf rhetorik.ch gefunden habe, nicht nur korrekt wiedergeben,
sondern am besten auch richtig bibliografieren moechte.
Es handelt sich im ein Zitat von Verena Kast in Ihrem Beitrag auf dieser Seite:
Das "sei" im dritten Satz weist darauf hin, dass das Zitat im Original
unterbrochen war; womöglich ist es deshalb nicht moeglich, die Originalquelle zu finden.
Das eindrückliche Zitat finde ich zwar in allerlei Zeitungsartikeln, aber
leider auch mit Google Books nicht in einem Buch, z.B. in
Kast, Verena (2023). Vom Sinn des Aergers. Herder, Freiburg
Aber vielleicht stammt es doch aus diesem Buch? Damit waere einiges geklaert.
Unsere Antwort: Hier ist eine Seite aus dem Buch von Kast. Das Zitat war nicht wortwoertlich:
Bild KI generiert