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Publizist Erich Gysling, populärer Patriarch
der helvetischen Nahost-Analytiker, sieht Israels Bodenangriff auf den
Libanon mit sorgenzerfurchter Stirn: "Die israelische Armee begibt sich
in eine sehr heikle Situation." Sehr heikel?
Die Situation Israels ist seit seiner Gründung mehr als das: Dem
feierlichen Akt am 14. Mai 1948 folgte noch in der Nacht der Angriff
durch ssgypten, Transjordanien, Syrien und Irak.
Krieg ist seither die Wirklichkeit des jüdischen Staates:
1956 Suezkrise, 1967 Sechs-Tage-Krieg, 1973 Jom-Kippur-Krieg, 1982
Libanonkrieg, 1991 Golfkrieg, 2006 Libanonkrieg, 2009 Gazakrieg â und am
7. Oktober 2023 das Gazamassaker der Terrororganisation Hamas mit 1200
Toten und 240 jüdischen Geiseln, einige davon inzwischen ermordet.
Das "heikle" Schicksal Israels besteht aus einem fortwährenden
Kriegszustand: Seit drei Generationen widerfährt der kleinen Nation
durch ihre Nachbarschaft immer wieder neuer Vernichtungsterror. Das kleine
Land, nur halb so gross wie die Schweiz, ist umgeben vom gewaltigen Raum
geballter Macht des Islam.
Wie ist die Unduldsamkeit dieser Weltreligion gegenüber dem winzigen
jüdischen Gemeinwesen zu erklären?
"Zwei Welten und zwei Zeiten prallen aufeinander: die westliche
Freiheits- und Fortschrittszivilisation auf die muslimische Religions-
und Rückschrittsideologie, der aufgeklärte Westen auf die
unaufgeklärte Doktrin der Gläubigen Mohammeds und Allahs.
Die wissenschaftliche, wirtschaftliche, politische und kulturelle
Weltspitzennation Israel inmitten einer historisch verspäteten
Nationenwelt ist eine ständige Provokation - verglichen mit
diesen Nachbarn: Ihnen gebricht es an jeder Modernität, abgesehen
von den Nachahmungen einer durch Rohstoffreichtum ermöglichten
Prosperität wie beispielsweise in den Emiraten oder Saudi-Arabien
- Werkstätten eingekaufter Errungenschaften des Westens.
Diesen Westen, allen voran die mächtigen USA und ihren
nahöstlichen Sendboten Israel, bezeichnet man dort voller Neid und
Hass als "grosser und kleiner Satan".
"Kleiner Satan?" Eine heikle Identität - in der Tat.
So steht Israel seit gut 75 Jahren für alles, wofür,
beispielsweise, die Schweiz steht: Freiheit, offene Gesellschaft,
wirtschaftlichen Erfolg - und Wehrhaftigkeit. In dieser Disziplin ist der
jüdische Staat sogar so etwas wie eine Weltmacht - und entschlossen,
sich niemals besiegen zu lassen.
Welche andere Nation wäre nach einem Dreiviertel-Jahrhundert
Kriegszustand noch eine durch und durch demokratische Gesellschaft?
Doch das tapfere Land im feindlichen Umland trägt, neben der
westlichen Wertewelt, eine weitere Last: Israel ist die Heimstatt der
Juden, die hier, auf angestammter Erde, ihren Fluchtort vor der Verfolgung
gefunden haben â nach systematischer Vernichtung durch Nazi-Deutschland
im Holocaust. Israel - der einzige sichere Hort für die Juden der Welt!
War das jahrtausendealte ssbel des Antisemitismus nach Abermillionen
ermordeter Juden nicht endlich besiegt - oder wenigstens verfemt und
tabuisiert? Der Berliner "Tagesspiegel" meldete am vergangenen Mittwoch:
"Raketen auf Israel - Jubel in Berlin."
Eine ganz und gar nicht ungewöhnliche Nachricht: Israelhass geht
in Israels westlicher Mitwelt Hand in Hand mit Judenhass - auf dem
Campus der Universitäten, in den Strassen der Städte, sogar
schon in den Schulen. Und zwar nicht nur in der rechtsextremen Szene,
nein, ganz besonders deutlich in der akademisch geprägten Kaste
der linken Intelligenzia.
Endlich darf man wieder, was man sich so lange verboten hat, weil es als
geächtet galt: sich öffentlich zur Judenfeindschaft bekennen.
"Für die linksreaktionären Genossen ist Israelhass der
neue Schlüssel zur ältesten Krankheit der westlichen Welt:
Antisemitismus.
Kann ein Volk, kann eine Gesellschaft, kann eine Nation "heikler" leben
als Israel?
Die Armee des von seiner Gründung an existenziell bedrängten
Landes hat den schiitischen Terroristenführer Hassan Nasrallah
eliminiert: in seinem Bunker tief unter der Erde, mitten in einem
Beiruter Quartier, dessen Bewohner als Schutzschild zu dienen hatten. In
der westlichen Staatenwelt beklagt man seither die zivilen Opfer und
beschwört den Flächenbrand. Während die Uno proklamiert:
"Der Kreislauf gegenseitiger Gewalt muss ein Ende haben!"
Israel und seine Vernichter â ist das "gegenseitige Gewalt"?
"Es ist an der Zeit, dass für die Begriffe Israel und Juden
einfach nur ein einziges Wort steht: Wir.