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www.rhetorik.ch aktuell: (29. Jul, 2024)

Umstrittenes Letztes Abendmahl

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Bei der Eröffnungszeremonie in Paris wurde eine Darstellung des letzten Abendmahls durch Dragqueens gespielt. Es sollte die Diversität in der Gesellschaft thematisiert werden. Wie erwartet gab es Kritik: Die französische Bischofskonferenz bedauerte in einer Mitteilung, dass die Zeremonie Szenen enthalten habe, in denen das Christentum verspottet worden sei. Man muss sich wirklich fragen, was das letzte Abendmahl mit Olympischen Spielen zu tun hat. Die Charter 50.2 [PDF] der Olympiade meint "Es ist ein fundamentales Prinzip, dass die Olympischen Spiele neutral gegenueber Politische, Religioeser oder anderer Art von Einmischung ist." Es sind unzählige Gläubige vor den Kopf gestossen worden. Die Sequenz sollte zum Denken anregen. Das ist gelungen. Das IOK sollte aber auch selbst etwas mehr Nach-Denken. Was hat denn dieser Beitrag mit Olympischen Spielen zu tun? Es ist nicht das erste mal, dass man versucht, im Sport auch Gesellschaftspolitik zu betreiben. Man errinnere sich an der DFB Armbinde an der Katar WM. Der Schaden ist nun angerichtet und zwar irreparabel. Es war vorhersehbar, dass die Sache kontrovers oder gar partisan gesehen wird. So haben konservativen Kreisen, wie der Sprecher Mike Johnson gemeint, dass der "Spott schockierend und beleidigend" sei. Tatsächlich haben die Organisatoren sich entschuldigt. (USA today.) Interessant ist die Empfindlichkeit in anderen Bereichen: als ein Olympiade Journalist im Live Kommentar beim Schwimmen der Frauen sagte:

"Die Frauen sind gerade fertig geworden. Du weisst, wie Frauen sind: sie hängen herum und schminken sich"

da hat er auf sofort seinen Job bei Eurosport verloren. Was lustig ist und was nicht, das ist heute sehr heikel. Nur annähernd "sexistisch", "rassistisch", "transphob" oder "islamophob" und man ist als Journalist tot. Kein Problem gibt es jedoch bei "antisemitisch" oder "antichristlich" oder bei der "Relativierung von Terror" oder gar "Legitimisierung von Terror". Da ist die Toleranz der Medienelite unendlich gross.

Das Phenomen wurde in letzter Zeit viel diskutiert im Zusammenhang mit Unterdrückung. Mit diesem angeschnallten Filter ist Humor oder Kritik an Teilen der Gesellschaft erlaubt, wenn sie als unterdrückt gilt. Humor oder Kritik ist jedoch ein Tabu, wenn die Zielgruppe als "unterdrückt" gilt. Zum Thema müsste man sagen, dass in der halben Welt Christen verfolgt werden so z.B in Nord Korea, Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan, Yemen, Iran, Nigeria oder Indien. Die meisten Kirchen werden in China, Nigeria oder Angola angegriffen oder geschlossen. Nach Opendoors werden etwa 365 Millionen Christen weltweit verfolgt, in mehr Ländern als Länder die Muslims verfolgen Pew Research 2019. Wer als unterdrückt gilt, ist immer auch eine Sache der Position.


Direct Media Links: Webm, Ogg Quicktime.
Die Medien hielten mit Kritik zurück oder halten sie als übertrieben. Oder dann wurde die Assoziation mit dem Abendmahl beiseite gewischt. Man beachte aber, dass 12 Drag Queens mit einer zentralen Figur und Krone auf der Szene zu sehen sind. Wer die Ähnlichkeit nicht sieht, muss sich eine neue Brille kaufen: Hier ist das Bild von da Vinci in Grossauflösung. In der New York Times wurde gar ein Historiker beigezogen, um zu sagen, ob die Szene wirklich das "letzte Abendmal" parodiere. Nein, es seien Griechische Götter! Kein Wunder, diese Publikationsorgane haben immer mehr an Glaubwürdigkeit verloren. Ein wenig gesunder Menschenverstand zeigt, dass eine solche Interpretation wohl in einem Elfenbeimturm Sinn machen, aber nicht bei 99 Prozent der Menschen.

Auf Today wurde gesagt, dass "das letzte Abendmal" nicht die Inspiration gewesen sei. In Deutschland meinte von Weizsaecker , die Kritik sei übertrieben. Auf NBC news wurde gesagt, dass die Kritik von Konservativen oder von der "religiösen Rechte" komme. (Man ging nicht so weit wie sonst oft üblich, es als "rechtsextrem" zu bezeichnen.) Auch Auf USA today wurde gesagt, dass "Das letzte Abendmahl nicht die Inspiration gewesen sei. Es seien griechische Götter, wie Dionysus:
Hier sind weitere Pressebeispiele. Man beachte die Sichtweise. "War es Spott gegen Christen?" wird mit einem Fragezeichen versehen oder oder "Christen verhoehnt" zwischen Anführungs und Schlusszeichen. Bei einem Witz über eine andere Religion wäre die Empörung schon im Titel zu sehen gewesen. Es hätte geheissen: "Spott gegen Christen!" oder "Christen verhoehnt!". Die FAZ bringt vor allem die Sicht des Regisseurs Thomas Jolly:

Der französische Regisseur Thomas Jolly hat den Verdacht zurückgewiesen, er habe bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in Paris "Szenen der Verhöhnung und der Verspottung des Christentums" eingebaut. Die französische Bischofskonferenz hatte dies in einem Kommuniqué geschrieben und die "Masslosigkeit und Provokation einiger Szenen" beklagt. Zugleich habe die Zeremonie auf dem Seine-Fluss aber "wunderbare Momente der Schönheit und Freude beschert", schrieben die katholischen Bischöfe.


Man beachte, dass in der FAZ nicht das Bild mit der Abendmal Szene, sondern das Bild mit der Dionysos Szene gezeigt wird. Das war nicht der Stein des Anstosses! Die Sichtweise der Redaktion ist schon am Bild transparent.
20Min hat zwar einen Titel der die Meinung des Journlisten (heute mehr und mehr die Sicht der Redaktion) klar unterstrichen. Es wurden die Bedenken jedoch klar angegeben und der Beitrag ist recht ausgewogen. Die Leserkommentare sind jedoch eindeutig. Der Top Kommentar: "Mach das mal mit einer anderen Religion" (885 likes).

In der vierstündigen Eröffnungszeremonie von Paris gab es eine Szene, die derzeit weltweit Empörung bei gläubigen Christinnen und Christen hervorruft. In Tausenden Beiträgen in den sozialen Medien beschweren sich Menschen in den unterschiedlichsten Sprachen. Kritisiert werden im Wesentlichen diese drei Punkte:
  • Diese Darstellung des letzten Abendmahls durch Dragqueens verhöhne den christlichen Glauben.
  • Die Organisatoren verhöhnten den christlichen Glauben, trauten sich aber nicht, dasselbe mit dem jüdischen oder muslimischen Glauben zu machen.
  • Die Olympischen Spiele seien der falsche Ort, um Werbung für Diversity oder Wokeness zu machen.
Verantwortlich für die Inszenierung war Thomas Jolly. An einer Medienkonferenz des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) sagte er, er habe die Toleranz der Gemeinschaft feiern wollen. Und in einem Interview mit "Le Monde" ergänzte er, er habe absichtlich mit Gegensätzen gearbeitet. Fragen von 20 Minuten beantworteten am Sonntag weder das IOK noch Jolly. An der Pressekonferenz von Sonntag sagte Anne Descamps, Kommunikationschefin des IOK, lediglich: "Es war nie beabsichtigt, irgendeine religiöse Gruppe zu verletzen. Die Eröffnungsfeier sollte die Toleranz der Gemeinschaft feiern. Wir glauben, dass dieses Ziel erreicht wurde. Wenn sich jemand beleidigt gefühlt hat, tut uns das sehr leid."


Vor allem auf sozialen Medien wurde aber immer Kritik an diesem Spektakel laut. Nachtrag: der Blick hat einen guten Titel: "Diese Abendmahl finden manche das Letzte".

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