Es gibt unterschiedlichste Versuche, Menschen zu typologisieren.
Psychologen versuchten immer wieder, Menschen mit Tests in Gruppen einzuordenen.
So wurde z.B. in den 60er Jahren das DISG Modell entwickelt. Da geht es um Dominanz,
Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit.
Diese Tests gelten jedoch als pseudowissenschaftlich.
Bei meiner Tätigkeit als Berater habe ich an keine der
bekannten Raster gehalten. Auch nicht an die Klassischen. Es sind mir aber
im Alltag immer wieder folgende Typen begegnet:
- Die logisch denkenden Kopfmenschen. Sie können mit Fakten überzeugt werden.
- Die emotionalen Bauchtypen. Für sie ist die Beziehung wichtig. Sie entscheiden intuitiv.
- Die extrovertierten, dominanten Typen. Sie schätzen Anerkennung. Sie lassen sich von der Gruppe stark beeinflussen.
- Die introvertierten, stillen Schaffer. Sie meiden die Bühne.
Es sind eher Einzelkämpfer.
Es zeigt sich aber in der Praxis, dass jede Persönlichkeit einzigartig ist. Der Charakter
eines Menschen ist so individuell, dass einzelne Merkmale nicht nur einem Typ zugeordnet werden
können. Es gibt viele Mischformen. Dennoch kann es hilfreich sein, zu erkennen, wie eine
Persönlichkeit tickt. Das erleichtert den Umgang mit Menschen.
Ich hatte auch mit Journalisten zu tun. Bei dieser Berufsgruppe fielen mir immer wieder
folgende Typen auf:
- Die Missionare: Sie glauben, die Konsumenten mit allen Mitteln beeinflussen zu müssen.
Nach ihrer Ideologie: Mit der Auswahl der Themen, Titel, Bilder und Leserbriefe. Sie ignorieren
konträre Meinungen.
- Die Generalisten: Die haben ein breites Wissen. Verstehen von allem etwas, aber es
mangelt an fundierten Kenntnissen. Sie werden in Redaktionen geschätzt, weil sie
überall eingesetzt werden können.
- Die Experten: Als Spezialisten in ihrem Fachgebiet sind sie für Analysen und
vertiefende Beiträge prädestiniert. Ihr Nachteil: Viele haben meist einen
Röhrenblick.
- Die Kritiker: In der Regenbogenpresse sind sie die Wadenbeisser. Beim investigativen
Journalismus sind sie gefragt, weil sie die notwendige Hartnäckigkeit mitbringen
und Missstände aufdecken.
Beim Qualitätsjournalismus finden wir meist Mitarbeiter, die eine gute Ausbildung
mitbringen und beides sind: Generalisten und Experten. Das ist eine ideale Kombination.
Weshalb kann die Typisierung von Menschen bei Kommunikationsprozessen hilfreich sein?
Wir können im Alltag die unterschiedlichen Typen unterschiedlich einsetzen oder ihnen
auch unterschiedlich begegnen.
Es bingt uns weiter, wenn wir bei Kritikern Lösungsvorschläge verlangen.
Von Experten erhalten wir vertieftes Fachwissen. Generalisten sind hilfreich, wenn es
darum geht, eine Uebersicht über eine komplexe Thematik zu erhalten. Missionare
bitten wir, die Gegenposition einzunehmen. Introvertierte Menschen lassen wir in Ruhe
ein Problem bearbeiten. Extrovertierte können als Influenzer oder bei Auftritten
behilflich sein. Die Sicht der intuitiven Mitarbeiter liefern uns aussergewöhnliche,
wichtige Hinweise. Kopfmenschen bitten wir um Konzepte und logische Schlussfolgerungen.