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www.rhetorik.ch aktuell: (23. Mai, 2024)

Sollen Journalisten belehren?

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Uri Berliner meinte, dass im Journalismus seit 2020 mehr belehrt, statt berichtet wird. Ihn stört es, wenn Journalisten Medienpriester spielen und belehren wollen. Selbstverständlich ist es zulässig, wenn uns Redaktoren in Kommentaren uns ihre Sicht der Dinge wissen lassen. Kommentare und Meinungssparten sind wervoll. In letzter Zeit werden Meinung und Information immer mehr verwischt. Die Belehrungen wirken penetrant und abstossend und fühlen sich schlimmer als Werbung an, weil bei Werbung die Absicht immer noch klar markiert ist.

Sowohl auf 20 Min als auch im Blick gibt es im Moment gar mehrere Artikel über die Problematik, wie man non-binaere Menschen bezeichnen soll. Interessant ist, dass im Blick die Kommentare bei diesen Aktivisten Arikeln im Allgemeinen ausgeschaltet worden sind. Die fast einhellige Meinung wäre kastastrophal. 98 Prozent haben einmal in einem 20-Minuten Artikel einen Aktivistenbeitrag als "ausgewogen" betrachtet. Hier sind drei Beispiele von Leserbewertungen auf 20 Min. Beim Artikel über Nemo finden noch 10 Prozent, dass der Artikel ausgewogen ist, bei der Ankuendigung, dass Nemo ``non-binaer" ist waren es 4 Prozent. Beim Artikel über Lösungen bei Garderoben beim Turnen sind es 2 Prozent. Beim letzten Artikel ist nicht erstaunlich, denn es geht dabei um Dinge wo auch der gesunde Menschenverstand nicht mehr mitmacht: wer will, dass seine Tochter sich in der Schule sich mit Buben umziehen muss, die sich als Mädchen fühlen. Wer will, dass sich junge physisch männliche Athleten Medallen im Frauensport holen? Die Zwängereien bei der Sprache kann man zwar einfach ignorieren oder umgehen (es ist doch überhaupt kein Problem, Nemo einfach Nemo zu nennen), die Belehrungen gehen aber immer mehr auf die Nerven.
Blick von heute.


20 Min, 1576 Bewertungen 10 Prozent meinen es sei ausgewogen 20 Min, 10098 Bewertungen, 2 Prozent meinen, es sei ausgewogen 20 Min, 6199 Bewertungen, 4 Prozent meinen, es sei ausgewogen


blick
Einige Non-Binaries bestehen darauf, ausschliesslich mit ihrem Namen angesprochen zu werden - dann schreibt man in einer E-Mail am besten: "Guten Tag Max Muster". Am einfachsten fragst du die Menschen, wie sie angesprochen werden möchten. Einige benutzen für sich das sächliche Pronomen "es". Andere "they/them", also die englischsprachige Plural-Form "sie/sie", die keinem Geschlecht zugeordnet werden kann.
Auf Persönlich.com wurde kürzlich in einem Blog propagiert, dass Journalisten und Journalistinnen im Sprachgebrauch bei non-binären Menschen von sich aus ein neues Pronomen anwenden. Sandra Porchet meint im Blog vom gestern
Es ist unsere Verantwortung als Journalistinnen und Journalisten, an der Suche nach einer Lösung aktiv teilzunehmen. Schliesslich ist die Sprache unser alltägliches Werkzeug. Wie wäre es zum Beispiel mit dem "es"? Der abwertende Charakter würde sich vielleicht mit der Zeit verschieben. Eins ist klar: Wir können nicht ewig auf das "Gesangstalent" zählen.
Dies ist ein Beispiel, das zeigt, wie versucht wird, zu belehren und zu missionieren, die Konsumenten zu erziehen oder gesellschaftspolitisch zu beeinflussen. Es gibt bei diesem Blog Beitrag einen guten Kommentar von Nadja Schnetzler:
Es gibt im Deutschsprachigen immer mehr Personen, die they/them oder dey/deren benutzen. "Es" finde ich abwertend, es kann natürlich sein, dass sich das mit der Zeit auflösen würde. Die Zeit hat einen ganzen Artikel geschrieben ohne Pronomen zu verwenden und der las sich sehr elegant, es ist also möglich!

Tatsächlich, ist das "Es" vor allem in Schweizerdeutschen äusserst problematisch. Man verwendete das Pronomen man es vor allem, um abschätzig von Frauen oder Mädchen zu reden. Zum Beispiel: "Aes isst halt gaern a chli" oder "Aes isch halt ae chli as Tschumpeli". Selbst beim legendären Franz Hohler wird vom "Ds Tottemmügerli" gesprochen. "Ds" steht fuer Es und ist Gender Neutral. Auch Gespenster werden mit "Es" bezeichnet. Will man non-binaere mit solchem Sprachgebrauch assoziieren?

Es zeigt, wie schwierig es ist, ein Spracharchitekt zu sein:
Erzwungene Sprachänderungen haben oft verhehrende Nebeneffekte.





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