Die zunehmende Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit in verschiedensten
Lebensbereichen irritieren, verunsichern und destabilisieren. Menschen
schätzen Klarheit und wünschen einfache Strukturen. Auch bei
Kommunikationsprozessen sind Einfachheit, Kürze und die Strukturen
wie ein roter Faden Verständlichkeitshelfer. Im Alltag sollten wir
auch alle bewährten Orientierungshilfen, Regeln oder hilfreichen
Vereinbarungen nicht leichtfertig über Bord werfen.
Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sind für die Sozialisation
Navigationshilfen wichtig. Fehlt die Orientierung, wird versucht,
dies auszugleichen, man orientiert sich anderweitig. Es ist erwiesen:
Orientierungslosigkeit kann Stress auslösen. Wie sich ein Schiff
im Dunkeln nach Lichtsignalen richtet, navigieren Menschen nach
Wertesystemen (Kultur, Tradition, Religion usw.) Leider fehlen in der
westlichen Wohlstandsgesellschaft immer mehr die Leitplanken. Man will
sich nicht mehr sagen lassen, was zu tun ist. Die Orientierungslosigkeit
und Beliebigkeit zeichnen sich in verschiedensten Bereichen ab:
- Bei Geschlechterfragen:
Nemo, der Gewinner der ESC (Eurovision Song Contest) bezeichnet sich
heute als "Mann und Frau" (Non-binär). Er setzt sich dafür ein,
dass das ein drittes Geschlecht offiziell anerkannt wird. Das Recht,
beliebig das Geschlecht zu ändern, schafft der Menschheit zahlreiche
zusätzliche Alltagsprobleme (Toiletten, Sauna, Sport). Wenn ich in
diesem Beitrag von "Nemo dem Gewinner" geschrieben habe, wäre auch
"Nemo die Gewinnerin" unkorrekt. Nemo ist nämlich ein "Es". Das
Publikum dürften wir nicht mehr mit: "Guten Abend, meine Damen
und Herren" begrüssen und: "Guten Abend, meine Damen, Herren und
Eses". Das kann`s wohl nicht sein.
- In der Erziehung:
Es besteht eine Tendenz, Strukturen aufzubrechen. Das Kind darf
entscheiden, wann und was es essen oder wann es schlafen will. Auf
Regeln wird verzichtet.
- In der Familie:
Kinder können den Familiennamen des Vaters oder der Mutter
übernehmen. Es herrscht durch die Beliebigkeit "Namensalat"
auch unter den Partnern. Die klassische Familie wird zur
Ausnahmesituation. Auch sonderbarste Konstellationen gelten
als Familien.
- In der Bildung und Erziehung:
Jeder kann das lernen, was und wann er will. Auf Noten und Hausaufgaben
wird verzichtet. Ein Lehrer muss in seiner Klasse alle weiterbringen, jene
die kaum deutsch verstehen und Begabte. Jugendliche die den Unterricht
stören, wie auch Lernwillige. Eine Bezugsperson reicht nicht mehr
aus. Es bedarf der Assistenten, um den Unterricht zu bewältigen.
Wettbewerbe im Unterricht sind verpönt. Kinder dürfen in den
ersten Klassen so schreiben, wie sie sprechen. Obschon bekannt ist, dass
die falsche Schreibweise später mit viel grösserem Aufwand
korrigiert werden muss, weil die eigene beliebige Schreibweise bereits
verankert wurde.
- In Beziehungen:
Vereinbarungen können jederzeit geändert werden. Sie sind
unverbindlich.
- In der Sprache:
Durch das Gendern zeichnet sich ein Sprachchaos ab. Verschiedenste
Versuche, alles in die weibliche Form umzuschreiben, sind
unternommen worden. Keiner erlebte einen Durchbruch. Selbst
in der Schrift "Personalpolitik", bei der das männliche
Geschlecht bewusst eliminiert worden war, ist auf einer Seite zu
lesen: "Jede Mitarbeiterin hat das Anrecht auf regelmässige
Mitarbeitergespräche." Immerhin fehlt am Schluss wenigstens der Satz:
"Die Mitarbeiterinnen männlichen Geschlechtes haben im Büro
Frauenkleider zu tragen." Wollen wir einen Sprachsalat oder eine
einfache, verständliche Sprache? An grotesken Beispielen mangelt
es nicht: "Ich glaube nicht daran, dass ein_e glaeubig_r Muslim_in
auch Kapitalist_in sein kann". Eine deutsche Politikerin soll auf
dem Kirchentag in Berlin eine Rede mit "Liebe Kinderinnen und Kinder"
angefangen haben. Binnen I, Gender Sterne usw. sind alles andere als
Verständlichkeitshelfer.
Der Mensch dürstet nach Orientierung. Weshalb sollen wir
bewährte Wertesysteme und Spielregeln über Bord werfen, wenn
Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit schaden? Was aber nicht heissen
will, dass Veränderungen tabu sind. Veränderungen ja, aber nur,
wenn sie zu einer Verbesserung führen. Es kann auch mal gut sein,
auf Bewährtes nicht zu verzichten.

Bild KI generiert.