Rhetorik.ch

Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com
Aktuell Artikel Artikel Inhaltsverzeichnis Suche in Rhetorik.ch:

www.rhetorik.ch aktuell: (21. Mai, 2024)

Medien und das Seilziehen zwischen Normalos und Elite

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
In der NZZ vom 1. Mai wird ein Kernproblem vieler Medien beschrieben. Es geht in diesem Fall um den öffentlichen Radiosender NPR in den USA. Seit mehreren Jahren hat dieser Sender sich ähnlich wie andere Medien von Information zu Belehrung verwandelt. Wie der 25 jähriger Mitarbeiter Uri Berliner auf der Substack Webseite "The Free Press" berichtet, soll der Sender sich nicht nach Wahrheit, sondern einem "Nordstern" orientieren. Und da geht es nicht nur um Wahrheit. Er beschreibt drei Beispiele, die heute gut dokumentiert sind: Die "Russiagate" bei der eine Verbindung von Trump zu Russland vorgegaukelt wurde und die sich später als nicht wahr herausstellte, dann die Berichterstattung um den Ursprung der Covid Pandemie, wo a priori die Möglichkeit dass der Virus aus einem Laboratorium war, ausgeschlossen wurde und die heute (nachdem man seit Jahren kein Kandidaten für eine Zoonose gefunden wurde und das Laboroatorium "Gain of function Forschung" gemacht hat, die eine solche Möglichkeit erlaubt.) Oder dann die Geschichte mit dem Laptop von Hunter Biden, die unter den Teppich gekehrt wurde, um Biden nicht zu gefährden. Uri Berliner meint, dass seit 2020 mehr belehrt, statt berichtet wird. Das habe sich auch nicht under der neuen CEO Katherine Maher verbessert.
Aus der NZZ:
So gibt es für Katherine Maher viele verschiedene Wahrheiten. Die verfassungsmässig zugesicherte Redefreiheit, die Grundlage für die journalistische Arbeit, ist für sie ein Problem, da sie auch Desinformation zulasse - oder eben unliebsame Standpunkte, wenn man an den Covid-Ursprung oder Hunter Bidens Laptop denkt. Dann wieder hat Maher die Wahrheit gepachtet: Hillary Clinton etwa soll nicht von "Jungs und Mädchen" sprechen, da dies nonbinäre Menschen ausradiere. Am Martin-Luther-King-Feiertag stimmte Maher dem Autor Ta-Nehisi Coates zu, für den Amerika auf der "Plünderung Schwarzer" gegründet ist, weshalb dem Land Reparationszahlungen gut anstünden. Plünderungen während "Black Lives Matter"-Protesten sind für Maher, die aus einer wohlhabenden Familie stammt, hingegen nachvollziehbar. Einmal hat sie sich an einem Thanksgiving dafür gerühmt, keine Truthähne den "rassistischen Onkeln" geopfert zu haben. In einem anderen Post auf X wünscht sich die "cis-weisse Mobilitätsprivilegierte", so ihre Selbstbezeichnung, Kohlenstoffgutschriften zu Weihnachten. Eine politisch unabhängige Haltung sieht anders aus.
Im Jahre 2017 hatte NPR noch 30 Millionen Zuhörer, Im Jahre 2022 waren es 23 Millionen Pewresearch. Es wäre interessant zu sehen, wie das heute, im Jahre 2024 aussieht. Im Jahre 2023 musste NPR 10 Prozent der Angestellen kündigen. Vor allem die Gelder von Sponsoren sollen ausbleiben. Man wird warten und beobachten müssen, um zu sehen, ob der Trend global für alle Radio Stationen gilt, ob es wirtschaftsbedingt ist, oder ob auch der Trend zur Missionierung ist, der zu den Problemen des Senders beitragen.
In eine ähnliche Kerbe haut Bari Weiss, die von der New York Times abging, weil es nach ihrer Meinung "nur noch darum ginge, dem Publikum eine Art politisches Heroin zu verabreichen. Bari Weiss, hat dann im Jahre 2021 den Substack Kanal Die freie Presse gegründet. Diese Publikation ist unterdessen zum grössten Substack Kanal angewachsen. Im Oktober 2023 hatte die Seite 75'000 zahlende Kunden und 520'000 Subscribers (nichtzahlende Leser). Im April 2024 waren es bereits 630'000 subscribers. Das ist immer noch viel weniger als die New York Times, die 10.5 Millionen Subscribers hat. Zum Vergleich, die NZZ hat 211'000 Subscribers. Ein Artikel auf "Free Press" von gestern hat den Titel Die Revanche der Normalen. Es gehe um einen Konflikt der Normalen gegen die Eliten. Auf Deutsch übersetzt:

Ein heftiger politischer Konflikt tobt über weite Teile der demokratischen Welt. Auf der einen Seite stehen die Normies: gewöhnliche Menschen, die naiv die historischen Prinzipien der Demokratie verteidigen, wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Gewaltenteilung usw. Auf der anderen Seite stehen die Eliten, Meister der grossen Institutionen des Reichtums, des Wissens und der Macht, die darauf bestehen, dass aussergewöhnliche Massnahmen ergriffen werden müssen, um eine verdorbene und selbstzerstörerische Gesellschaft vor ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Menschen zu retten - das heisst, vor den Normies. Die Eliten sind vollständig vom Drang nach Kontrolle getrieben. Sie verabscheuen die Demokratie, die ihnen ständig im Weg steht, und bevorzugen viel mehr ein goldenes Ideal, das sie possessiv "Unsere Demokratie" nennen - ihre eigene Herrschaft in Ewigkeit. Individuelle Rechte sind bedauerliche Überbleibsel aus einer einfacheren Ära. Der Erste Verfassungszusatz, zum Beispiel, wird von ihnen als "die Regierung in bedeutender Weise fesselnd" angesehen. Übrigens, das war Ketanji Brown Jackson, eine Richterin am Obersten Gerichtshof, deren Aufgabe es ist, die Verfassung zu verteidigen. Meinungsfreiheit fesselt die Regierung, das ist vollkommen wahr - aber nur für die Eliten (die den Klang der Stimmen der Normies hassen) ist es eine schlechte Sache. Die Normies wollen mit ihrem Leben weitermachen. Sie wollen arbeiten, heiraten, Kinder bekommen - langweilige Sachen. Das bedeutet normal zu sein. Die Eliten hingegen wollen alles ändern: Geschlecht, das Klima, unsere Geschichte, dein Auto, deine Ernährung, sogar die Strohhalme, mit denen du deinen Smoothie schlürfst. Für sie gibt es kein Gut und Böse, kein Richtig und Falsch, nur Unterdrücker und Unterdrückte. Jede Transaktion verlangt nach ihrem Eingreifen, um bestimmte unterdrückte Gruppen zu schützen. "Soziale Gerechtigkeit" übersetzt sich nahtlos in "Kontrolle durch die Eliten". Die Normies, von Natur aus eine unorganisierte Menge, kämpfen zurück, indem sie in erschreckend grosser Zahl auf die Strassen strömen und Politiker wählen, die von den Eliten verachtet werden, wie Donald Trump in den USA und Javier Milei in Argentinien. Die Eliten, als Wesen der Hierarchie, sind hyperorganisiert und können die etablierten politischen Parteien, die nationalen und transnationalen Bürokratien und die Aktivistenklasse auf ihre Seite ziehen. Sie können dich von oben (mit Regierungsmandaten) oder von unten (mit der Parolengruppe) erreichen und scheinen daher alle Vorteile zu haben. Doch der Konflikt tobt weiter rund um die Welt, unentschieden, und es sind die Eliten, die meiner Meinung nach diesen verängstigten, verzweifelten Blick haben.

Rhetorik.ch 1998-2024 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com