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www.rhetorik.ch aktuell: (13. Mai, 2024)

"Musik und Politik" - ein Dauerthema

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Es ist heute Mode, Sport, Kunst, Musik, Film oder Sprache zu politischen Kulturkampfstätten zu machen. Dieses Jahr wurde der Eurovisionswettbewerb als Demonstrations Ort ausgewählt und mit Hasspetarden beworfen.
Beim Auftritt Israels am ESC gab es Proteste. Als die israelische Sängerin Eden Golan beim Einlauf der Nationen die Bühne betrat, waren Pfiffe zu hören. Bei der Präsentation Liedes "Hurricane" musste Golan erneut Buhrufe über sich ergehen lassen. Eden Golan erlebte das schon beim Halbfinale. Doch der Jubel des Publikums hat bei den Auftritten überwogen. Vor der Halle demonstrierten nach Schätzung der Polizei 6000 bis 8000 Menschen gegen die Teilnahme Israels am ESC. Klimaaktivistin Greta Thunberg wurde dabei abgeführt. Bereits am Donnerstag hatte sie anlässlich des zweiten Halbfinales bei einer Demonstration gegen Israels Teilnahme mitgemacht. Damals sagte sie, sie teile nicht die Meinung, dass der Wettbewerb unpolitisch sei. "Wir werden nicht hinnehmen, dass einem Land, das derzeit Völkermord begeht, eine Plattform geboten wird, um sich selbst mit Kunst reinzuwaschen", schrieb Thunberg auf der Plattform X und verstieg sich auch mit der Aussage: Die Juden sollen wieder nach Polen zurück

Musik als gesellschaftspolitischer Treiber

Der Sieg von Nemo am ECS verdankt das Gesangstalent nicht nur der Musik. Als Influenzer non binärer Menschen, profitierte er auch als Vertreter des Zeitgeistes, der die Reduktion der Menschen nur auf männlich und weiblich ablehnt. Bei der Flaggenparade präsentierte der Sieger auf dem Rücken die Schweizer Flagge - präsent vor der Brust jedoch die non-binäre Flagge. Nemo selbst identifiziert sich als nicht binär, also weder als Mann noch als Frau. Auf die Frage, wen Nemo als erstes angerufen habe, antwortete er, dass ein Gespräch mit Bundesrat Beat Jans geplant sei. Nemo wolle sich dafür einsetzen, dass in der Schweiz ein drittes Geschlecht eingeführt werde. Der Auftritt hatte auch eine gesellschaftspolitische Seite.

Lässt sich Politik und Musik trennen?

Im Sport werden Athleten, die ihre Position für politische Anliegen missbrauchen, bestraft. Immer wieder gibt es Wettkämpfe, bei denen Gesten und Demonstrationen zu reden geben. Verbote und Strafen konnten solche Aktionen reduzieren. Bei der Musik war seit jeher ein Mittel zur Kritik an sozialen Normen und politischen Verhältnissen, Musik hilft den Menschen zu erkennen, dass sie mit ihrem Dissens gegen Ungerechtigkeiten nicht allein sind. Musik kann das mit unterschiedlichsten Kontexten nutzen. Laut oder leise. Mit direkten Texten oder mit solchen Texten, wo das Wesentliche zwischen den Zeilen steht. Denken wir an die Protestlieder und die Musikgenres wie Reggae, Punk oder Hip-Hop. Wenn wir gegen die Versuche sind, Musik von staatliche Seite zu vereinnahmen lassen sollten wir den Künstlern die Meinungsfreiheit lassen.

Zur Rolle der Medien

Bei den Vorkommnissen am ESC erntete die Moderatorin Barbara Schöneberger Kritik, weil sie die grossen Themen ausklammerte, die den ESC überschatteten. Am Freitag hatte die Europäische Rundfunkunion (EBU) bekannt gegeben, dass die Niederlande nicht an der zweiten Probe für das Finale teilnehmen wird. Darüber schwieg Schöneberger. Aber auch kein Wort über die israelfeindlichen Aktionen. Aber warum wurde weder der Skandal um Joost Klein (Niederlande) noch die Kritik an Israel thematisiert? Viellicht, weil der Eurovision Song Contest mit Politik nichts zu tun haben. In den Wettkampfregeln steht unter anderem auch, dass "Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur während des Contests untersagt" sind. Wenn ein Song politische Aussagen enthält, kann er sogar vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Medien dürfen jedoch ungefreute aktuelle Vorkommnisse nicht unterschlagen. Ihre Rolle ist es, offene oder versteckte politische Aktionen zu erkennen und diese faktentreu zu beschreiben. Information und Kommentar sollte dabei immer getrennt werden.
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