Im
SRF vom 3. Mai wird über die
genderneutrale Sprache im Deutschen informiert. Bei der Umfrage mit fast 1000 Leuten ist
die Meinung klar und dabei handelt es sich schon um einen Querschnitt der Bevökerung,
die ans Thema interessiert sind.
Genderneutrale Sprache ist im Deutschen deutlich schwieriger umzusetzen
als in anderen Sprachen. Das hat unter anderem mit dem komplexen
Flexionssystem zu tun. (Auch das Kasussystem ist komplizierter).
Die Relativpronomen passen sich im Englischen und Schwedischen gar
nicht dem Geschlecht an.
Die meisten non-binären Personen akzeptieren für sich weder
"er" noch "sie". Nun gibt es aber nicht eine einzige Alternative, sondern
viele - etwa "they" aus dem Englischen, das schwedische "hen" oder "es".
In einem Beispielsatz:
"They kommt aus Zug. Their Hobby ist Jassen." "Hen kommt aus Zug. Hens
Hobby ist Jassen." "Es kommt aus Zug. Sein Hobby ist Jassen." "Es"
wird von einigen non-binären Personen verwendet, von anderen aber
abgelehnt, weil "es" auch als verniedlichend oder abwerten wahrgenommen
werden kann. Ausserdem fallen einige sächliche Pronomen mit den
männlichen zusammen.
Am üblichsten ist im Deutschen aktuell, dass der Vorname der
Person an die Stelle des Pronomens tritt:
"Kim kommt aus Zug. Kims Hobby ist Jassen."
So will es auch Nemo, die diesjährige Vertretung der Schweiz am
Eurovision Song Contest.
Es gibt aktuell also viele verschiedene Vorschläge für
genderneutrale Pronomen in der deutschen Sprache.
Dass sich eine Variante bald durchsetzen wird, scheint nicht wahrscheinlich.
Die Krux mit den deutschen Pronomen Und selbst wenn es zu einer Einigung
auf ein bestimmtes genderneutrales Pronomen käme, bliebe die
Umsetzung schwierig. Das liegt an der Komplexität des deutschen
Flexionssystems. Im Gegensatz zu Sprachen wie Englisch oder Schwedisch hat
Deutsch nämlich ein umfangreiches Kasussystem mit vier Fällen
(Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ), an die sich die Pronomen
anpassen.
Deutlich komplizierter wird es bei den
Possessivpronomen. Aus männlicher (und sächlicher) Perspektive
das, jeweils in den vier Fällen, folgende Formen:
"sein/seines/seinem/seinen" (männlich) "seine/seiner/seiner/seine"
(weiblich) "sein/seines/seinem/sein" (sächlich) Aus weiblicher
Perspektive gibt es noch einmal so viele Possessivpronomen, und auch
aus genderneutraler Perspektive braucht es für jedes davon
eine Entsprechung. Für den Vorschlag "xier" existieren diese
Entsprechungen bereits:
"xies/xieses/xiesem/xiesen" (männlich) "xiese/xieser/xieser/xiese"
(weiblich) "xies/xieses/xiesem/xies" (sächlich). Was hier noch
fehlt, sind die Possessivpronomen im Bezug auf eine non-binäre
Person. Für das "xier"-System wurden folgende Formen vorgeschlagen
(wiederum Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ):
"xiesa/xiesas/xiesam/xiesan" Und aus männlicher/sächlicher
Perspektive "seina/seinas/seinam/seinan" sowie aus weiblicher Perspektive
"ihra/ihras/ihram/ihran".
Auch hier ist es nicht fertig mit der Pronomenvielfalt des Deutschen.
Hinzu kommen noch die Relativpronomen, welche sich ebenfalls dem
Geschlecht anpassen. Ein Beispiel:
"Das ist Josef bzw. Maria, dem/welchem bzw. der/welcher der Hund
gehört."
Auch hier wären genderneutrale Alternativen nötig.
Angesichts dieser Komplexität
scheint eine durchgehende Einführung von neuen genderneutralen
Pronomen in der deutschen Sprache sehr schwierig. Vielleicht wäre
es doch am besten, das sächliche "es" als genderneutrales Pronomen
zu verwenden. Denn da wären alle Pronomen-Formen schon bekannt.
In einer Box wird behauptet:
Englisch: Im Englischen ist "they/them/their" - auch "singular they" - seit dem
Spätmittelalter als genderneutrales Pronomen belegt.
In Shakespeares Werk etwa kommt das "singular they' schon regelmässig vor.
Entstanden ist es aus dem Pronomen für die dritte Person Plural, entspricht
also dem deutschen "sie".
Es wird aber verschwiegen, warum Autoren wid Shakespeare das "they" verwendet haben. Der Grund
war Dramaturgie oder Komödie, nicht politische Korrektheit. Dies als eine
historische Berechtigung für heutige Gendersrpache zu bewerten, ist eine
krasse Falschinterpretation.
In der Vergangenheit wurde auch das "Plurais Majestatis", (royal we) verwendet.
Auch dort ist es nicht irgendwelche Gendersprache, sondern um zu unterstreichen,
wie wichtig eine Person war.
Der Plural ist auch heute noch in der Wissenschaftlichen
Sprache üblich, auch wenn ein einzelner Autor das Paper geschrieben hat.
Der Grund dort ist, dass man sich nicht selbst zu wichtig erscheinen zu lassen.