Am Lilienberg Gespräch vom 29. April hat Moderator Dr. Andreas Jäggi den Gast Matthias Ackeret als eine
der schillerndsten Figuren in der Schweizer Medienlandschaft
vorgestellt. Matthias Ackeret gelang es sofort, mit Geschichten aus seiner
Medientätigkeit, das Publikum in Bann zu ziehen. Seine Leidenschaft
für den Journalismus zeigte sich schon in den Jugendjahren, als er
mit Freunden mit dem Piratensender "Tutti frutti" von Kohlfirstwald
aus die Agglomeration Schaffhausen bestrahlte. Ackeret
konnte aus dem Vollen schöpfen. Dank seiner reichen Erfahrung als
Print-, Radio- und Fernsehjournalist sowie Buchautor, Chefredaktor und
Verleger des Branchenmagazins "persönlich" war sein Blick in die
heutige Medienlandschaft spannend. Der grosse Aufmarsch im Lilienberg
bestätigte, dass es einem Bedürfnis entspricht, die Sicht
eines Generalisten zu hören. Vor allem, wenn es einem Referenten
so gut gelingt, mit narrativer Rhetorik, komplexe Sachverhalte einfach,
klar und gut verständlich zu vermitteln.
Aus der
Webseite::
Wie beurteilt Matthias Ackeret die Medienlandschaft Schweiz heute?
Wie steht es mit der Unabhängigkeit des Journalismus,
der Kompetenz der Medienschaffenden, dem Unternehmertum mit Leidenschaft
und der Motivation, neue Wege zu gehen? Und weshalb haben Fernsehen,
Radio und Magazine trotz Internet und Social Media seiner Meinung nach
noch eine Zukunft? Er verrät es an unserem heutigen Lilienberg
Gespräch, das von Andreas Jäggi moderiert wird.
Nach der Veranstaltung hat Ackeret Antworten zu
vier anspruchsvolle Fragen exklusiv kurz zusammengefasst:
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Wie steht es heute mit der Unabhängigkeit des Journalismus?
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Und mit der Kompetenz der Medienschaffenden?
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Weshalb haben Fernsehen, Radio und Magazine trotz Internet
und Social Media noch eine Zukunft?
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Braucht ein Medienunternehmen noch mehr als Leidenschaft und Motivation,
wenn es neue Wege beschreiten will?
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Absolute Unabhängigkeit gibt es nicht. Aber ich glaube trotzdem,
dass der Schweizer Journalismus aufgrund der vielen Titel, die es immer
noch gibt, im Vergleich zu anderen Ländern vielfältig und
auch unabhängig ist. Sogar gegen die "politische Korrektheit"
geben Titeln wie Weltwoche oder Nebelspalter ein publizistisches
Gegengewicht. Journalisten selber sind ja auch nicht ganz unabhängig
von ihren Vorurteilen. Obwohl ich mit der Corona-Politik des Bundesrates
mehrheitlich zufrieden war, haben 30 Prozent (!) der Bevölkerung
das Vertrauen in die Regierung und vor allem in die Medien, die diese
unterstützten, verloren. Das ist viel.
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Ich glaube, Journalistinnen und Journalisten sollten wieder vermehr vor
Ort sein. Heute macht man vieles aus dem Newsroom oder per Email. Das
gibt schon eine Verzerrung. Bereits die Wahl von Donald Trump 2016 zeigte
doch, dass die meisten, die über Trump berichteten, diesen gar nie
gesehen hatten und konnten somit auch nicht die Stimmungslage in den
USA einschätzen, sondern schrieben lediglich den Journalisten in
Washington und New York ab. Das Motto hiess nicht "Schreiben, was ist"
(Augstein), sondern "Schreiben, wie es sein sollte."
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Als zuverlässiger Anker mit klar erkennbarem Absender der Botschaft.
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Ja, es muss seinen Markt und die Wünsche seiner KonsumentInnen
kennen. Was nützt alle Leidenschaft, wenn niemand das Produkt lesen,
sehen oder hören will?
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