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www.rhetorik.ch aktuell: (05. Nov, 2021)

Kevin Kuehnert im Check

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Kevin Kühnert ist ein Politisches Talent, hat Stratege und ist ein feuriger Redner. Er stand vor, während und nach den Wahlen immer an den Orten des Geschehens herum.

Mit Turnschuhen, rauchend und dunkel gekleidet. Der 32 jährige umtriebige Berliner spielt bei der SPD eine wichtige Rolle. Der Vertreter des linken Flügels kann gut zuhören, aber auch feurig reden, wie wenige in seiner Partei. Er hat offensichtlich Lust, Argumente zu sezieren. Journalist Dominique Eigenmann beschreibt ihn treffend:

"Auf Twitter gibt es wenige, die lustiger, schlagfertiger, böser ätzen. Macht interessiert ihn, weil ohne sie linke Ideen Ideen bleiben. Der kleine Mann ist ein grosser Stratege, der stets einige Züge vorausdenkt."

Folgende Aussage Kühnerts gibt einen Einblick in seine rhetorischen Stärken:
"Wenn Sie mich nach meiner Einstellung fragen, bin ich dafür, dass wir morgen aus sind. Politik orientiert sich nicht an meiner Einstellung oder an meiner Wünsch dir was. Sondern ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu meinen politischen Zielen zu kommen. Und das ist die Strategie, die ich dafür anwende."

Bei dieser Sequenz erkennen wir Kühnerts Auftrittskompetenz. Kühnert: "...weil sie nur 25 Prozent Kapitalertragssteuer bezahlen müssen, oder von üppigen Erbschaften, weil die Erbschaftssteuer löchrig ist wie ein Schweizer Käse",
Es fällt auf, wie gut Kevin Kühnert die Konzentration über längere Zeit aufrecht erhalten kann. Beeindruckend, dass er es fertig bringt, ununterbrochen hochkonzentriert unter Strom zu stehen. Konzentration gehört immer seiner Rede und dem Publikum.
Wenn er zuhört, signalisiert der intensive, kritische Blick, dass er jedes Wort des Gegenübers prüfend wahrnimmt.
Es gibt nicht viele Redner, die während eines längeren Auftrittes so authentisch, eloquent und souverän bleiben können, wenn zahlreiche Kameras am Ort sind. Das ist nur möglich, wenn man nichts vorspielt. Für mich ist Kühnert ein begnadeter Redner, möglicherweise einer der besten rhetorischen Talente der SPD. Er kann aber auch seine schüchterne Seite zeigen. Medienrhetorisch punktet er, weil man ihm gerne zuhört, weil er Emotionen zeigen kann und wir seine Argumente nachvollziehen können, die er auf den Punkt bringt.
Was unangenehm auffällt, ist seine merkbar gequetschte, gepresste Stimme, dies verstärkt den aggressiven Unterton.
Kevin Kühnert könnte Scholz das Leben noch schwer machen. Schon als Vizekanzler war er sein Gegner. Der junge Wilde hat den Kampf anfangs verloren, aber jetzt wird er gefürchtet oder verehrt. Kühnert bleibt eine ambivalente Figur.
Er wird bestimmt nicht aufhören, Scholz zu piesacken, denn hinter jedem Kompromiss wittert der Linke Verrat.
Seine politische Karriere verdankt der gebürtige Berliner der SPD-Nachwuchsorganisation (Jusos), die er drei Jahre als ihr Bundesvorsitzender anführte. Durch sie hat sein Wort in den vergangenen Jahren Gewicht bekommen. Olaf Scholz lehrte er bereits das Fürchten. Kühnert verdarb im die Wahl zum Parteichef. Mit seinen Jusos unterstützte er die linken Kandidaten Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, die den Kampf um die Parteispitze gewannen.
Wer sich Zeit nimmt und im Internet unter Youtube den Dialog Kühnert-Lanz vom 14.10.21 linkt, kann 1:1 verfolgen, wie es der redegewandte Kühnert versteht, den Journalisten an die Wand zu spielen. Mit seinen ungewohnten, überraschenden Antworten gelingt es ihm, dass Markus Lanz ein paar Mal Mühe hat, den roten Faden wieder zu finden.
Was bei diesem Gespräch auffällt: Kühnert ist schlicht gekleidet. Schwarz mit weissen Sneakers und sehr gepflegter Frisur. Bisher hatte man oft das Gefühl, er sei schlecht rasiert und halte nicht viel von seinem Erscheinungsbild.
Auch wer die extrem linken Juso - positionen von Kühnert nicht teilt, schätzt, dass er offen und ungeschminkt zu seinen radikalen Forderungen steht. Auf die Frage, ob er radikal sei, antwortet er: #Wer nicht radikal ist, bekämpft das Unkraut mit dem Rasenmäher." Kühnert fordert, dass "jeder maximal den Wohnraum besitzen (dürfe), in dem er selbst wohnt."

Solche linken Thesen werden wohl in der neuen Regierung kaum viel Widerhall finden. Schon fehlender zu verteilender Mittel wegen, aber wohl auch grundsätzlich. Doch mit Kühnert ist zu rechnen. Die Frage ist nur, wann?

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