Bei jeder Kampagne gilt: Sie darf weder bagatellisiert oder ignoriert,
noch soll unbedacht zurückgeschlagen werden. Vor allem nicht,
wenn es zu Eigendynamik kommen sollte.
Nach dem ersten Beitrag in der Weltwoche gegen den prononcierten
Linkskurs in Radio und Fernsehen, war es wohl noch richtig, nicht
vehement zu reagieren - nach der Devise, den Ball bewusst flach zu
halten. Nachdem jedoch in der Weltwoche in einem zweiten grossen Beitrag
Persönlichkeiten mit Fotos als "Oberlehrer der Nation" bezeichnet
und SRF als "rot-grünes Schweizer Umerziehungsfernsehen" bezeichnet
wurde, erhielt die Geschichte eine neue Dimension. Vor allem, weil Thomas
Matter ankündigte, seine Partei wolle die SRG-Zwangsabgaben auf 200
Franken pro Jahr beschränken (persoenlich.com berichtete). Jetzt
darf die SRG den Angriff nicht mehr still aussitzen. Die Alarmglocken
müssen läuten.
Auch wenn die Vorwurfsliste nicht völlig wasserdicht ist und
zum Teil falsche Aussagen enthält, könnte die jüngste
Attacke für die SRG gravierende Folgen haben. Matter könnte
von verschiedensten Seiten Unterstützung bekommen und Erfolg haben.
- Nach der Coronakrise ist die Stimmung gegen SRF umgeschlagen. Viele
glauben den Kritikern, die monieren, SRF habe zur Panikmache beigetragen.
- Viele Haushalte und Unternehmer sind finanziell knapp dran und
würden möglicherweise jeder finanziellen Entlastung zustimmen.
- In Deutschland können wir seit den letzten Wahlen ein
Trauerspiel mit der AfD verfolgen. Obschon die Partei mit über 20
Prozent Wähleranteil eigentlich eine Volkspartei ist - nicht jeder
fünfte Deutsche ist ein Nazi -, wird sie in den Medien geschnitten
und von Redaktionen totgeschwiegen. Diese Maulkorbpolitik können wir
Schweizer in den deutschen Medien seit Monaten verfolgen. Die Schweizer
Bevölkerung reagiert allergisch auf solche Spielchen. Die SVP
erhält dadurch zusätzliche Sympathiepunkte. Viele könnten
befürchten, auch die SVP würde von den Medien, wie die AfD in
Deutschland, ausgeklammert.
- Es ist denkbar, dass für Onlinemedien und Verlage, die unter der
SRG-Konkurrenz leiden, jede Gebührenkürzungen willkommen ist.
- Kommt dazu, dass die überhöhten Saläre und Bonis
der Führungsspitze mit beitragen könnten, die Gebühren
zu kürzen.
- Was bei Krisen auch berücksichtigt werden müsste: Werden
nachgewiesene Fehler nicht eingestanden, kehren die Kritiker künftig
jeden Stein um. Weil überall, wo gearbeitet wird, Fehler entstehen
können, werden dann meist noch weitere Mängel aufgedeckt und
diese summieren sich dann.
Nochmals: Die SRG darf sich jetzt nicht zurücklehnen in der Meinung,
morgen werde wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Es bleibt zu
hoffen, dass die SRG die Situation richtig einschätzt. Beides:
Überreagieren oder ignorieren wäre falsch. Gefragt ist eine
einheitliche Strategie. Jede Krisenkommunikation muss geführt werden.