Ferienkolonie
Von 1963 bis 1981 leiteten wir Sprachkolonien für Zürcher
Schüler im Welschland. Diese Sprachkolonien hiessen damals ``Ferienkolonien der Stadt
Zürich". Es wurde im Jahre 1992 in
Zürcher
Schülerferien umbenannt. Sprachkolonien scheint es heute nicht mehr zu geben.
Von 1967 an haben wir (
Hildegard und Marcus Knill)
mit dem Leiterehepaar
Heidi und Hansueli Hostettler harmonisch zusammengearbeitet.
Jedes Jahr. Zuerst in
Côte-aux-Fées,
dann in
Prilly nahe von Lausanne
mit einem Jahr in
Paspels,
und schliesslich ein paar Jahre in
Chexbres
am Genfersee. Im letzten Jahr 1981 haben unsere Söhne Oliver und Matthias Knill die
Leitung mit uns für ein Jahr mitübernommen,
als die Hostettlers nicht kommen konnten. Hier sind ein paar Fotos, alle von der
Grangette in Prilly nach Lausanne. Klicken Sie auf ein Bild um es gross zu sehen.
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| Musizieren in der Grangette | Marcus und Hildegard Knill
| Marcus Knill und Hansueli Hostettler |
Heidi und Hansueli Hostettler und Hildegard Knill |
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| Information nach Siesta |
Planung mit Franzlehrern
| Franzlehrer |
Strassenmusik in Lausanne |
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| Klavier im Freien (vor der Grangette) |
Musik im Freien (vor der Grangette) |
Matthias Knill mit Reto Luginbühl |
Oliver Knill mit Reto Luginbühl |
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| Franzlehrer in Grangette
| Warten auf Bank |
Preisverleihung |
Die Strahms |
Tanne bei Grangette |
Die Struktur der ``Sprachkolonien" war sehr einfach aber effizient. Es gab eine
klare, gute Struktur. Die Leiterpaare wechselten sich konsequent jeden Tag
ab. Das verhinderte Burn-Outs, denn drei Wochen mit Jungen und Mädchen in den
Teenager Jahren braucht volle Energie und der freie Tag half, Energie aufzuladen und
den nächsten Tag zu planen (zum Beispiel das Rekognoszieren einer Wanderung oder
Reise (das war noch lange vor der Zeit des Internets!),
wie dem Kaufen von Billeten, Abstimmung der Fahrpläne etc). Hier zur Struktur:
- Es gab immer frühes Aufstehen mit Musik, das im ganzen Haus verbreitet
wurde. Jedes Ehepaar hatte seine eigenen Vorlieben z.B. klassische Musik.
Die Hostettlers weckten oft mit Jazz (z.B.
Louis Armstrong). Es gab nur ein Grammophon, doch das wurde so laut eingestellt, dass
es am Morgen im ganzen Haus gehört wurde.
- Gemeinsames Morgenessen mit kontinentalem Frühstück. Kakao,
Milchkaffee, Brot (nicht zu frisch: damals servierte man immer noch
mindestens ein Tag altes Brot, sodass die Kinder nicht zuviel assen) mit Butter
und Konfituere oder Honig.
- Profi Franzlehrer kamen vor Ort und haben die Schüler
am Morgen in Französisch unterrichtet. Drei Stunden intensive
Arbeit mit Pausen.
- Gemeinsames Mittagessen startete immer auch mit gemeinsamen Singen von französischen
Texten. Niemand begann zu Essen bis das Singen zu Ende war.
- Obligatorische Siesta für Reflektion, Lesen, Ruhen.
Die einstündige Siesta hatte auch einen anderen Grund: es erlaubte
die Planung und Absprache des Nachmittags mit den Lehrern. Das andere Ehepaar
hatte den Tag frei.
- Die Glocke bringen alle im Freien zusammen und es wurde
vom Leiterpaar über den Rest des Tages informiert.
Es wird auch ein Zvieri verteilt, wie ein Apfel, ein Pfirsich.
- Fast immer gab es ein in Gruppen absolvierter Parcours. Jeder Lehrer organisierte
eine Station z.B. in einem Wald oder einem Bauernhof oder Schwimmbad in der Nähe. Jede
Gruppe startet mit einem Posten. Es wird dann rotiert. Die Lehrer machten ihre
eigenen Aufgaben (im Allgemeinen etwas Relevantes in Französisch. Im Wald
die Namen von Bäumen, in der Stadt, etwas Geschichte etc. Jede Gruppe wurde an jedem
Posten bewertet.
- Die Bewertung der Gruppen passierte auch in anderen Bereichen. So musste jede Gruppe sich
zuerst in einem Theater vorstellen (man gibt der Gruppe dann einen Namen),
dann natürlich viel Sport wie Ping-Pong, Paddmington, Fussball, Tischfussball, Volleyball,
viele Spiele (Mühle, Schach, Karten oder Würfelspiele). Die Gruppen mussten selbst
Partien gegeneinander organisieren. Die Resultate wurden dann auf einem Board selbst notiert.
Auf Papier in der Nähe der Spiele.
- Nach dem Parcour (2-3 Stunden) war frei. Man konnte spielen, lesen, ruhen, ins Schwimmbad gehen,
spazieren. Man setzte damals noch viel auf die Selbstverantwortung der Schüler.
Die Schüler waren so zeitweise auch unüberwacht und mussten etwa auch
die Stadt Lausanne in einem Schatzsuche in Gruppen durchlaufen. Jedermann kannte die Regeln und was
die Folgen wären. Die Massnahmen waren drakonisch (sofortiger Ausschluss und nach Hause
schicken), doch es half, dass die Kolonien in fast allen Jahren ohne Probleme stattfanden.
- Natürlich gabe es Fälle. Das wurde aber knallhart mit ``nach Hause schicken" bestraft. Wenn
ein Schüler etwa beim Rauchen ertappt wurde, da gab es wenig Diskussion: der Schüler wurde von einem
Leiter mit dem Zug zurück nach Zürich verfrachtet. Einmal wurden ein paar Buben in der
Nacht im Zimmer der Mädchen erwischt: die fuhren alle mit dem Zug nach Hause. Das
war sehr hart, vor allem für die Eltern, die drei freie Wochen erwartet hatten. In Einzelfällen
mussten die Schüler auch zu Verwandten gebracht werden. Das gab viel Arbeit und Umtrieb für die Leiter.
Die Schüler und Eltern wussten das aber von Beginn aus. Konsequentes Durchgreifen und klare Regeln
haben sich herumgesprochen und waren auch ein Grund, warum die Eltern der Struktur und den
Leitern vertrauten und auch ganz wenig Vergehen vorkamen.
- An den Wochenenden gab es Spezialprogramme, wie zum Beispiel einen Tag im Schwimmbad
Bellerive Plage
(Photo) oder ein Sporttag, oder Wanderungen (z.B.
Rochers de Naye,
Chasseral oder
Vevey)
in der Westschweiz oft mit einem Besuch an einem Ort
(wie etwa auch dem Schloss Chillon mit Schifffahrt, einen Bauernhof, einer Fabrik, oder einem
Museum, das vorher organisiert worden war. Man ging auch singen, wie einmal
in einer psychiatrischen Klinik).
Hier sind die drei Hauptorte
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| Grangette in den 70er Jahren. | Sommerfotos |
Hier sind Photos von den ersten Jahren (frühe 60er Jahre in Côtes aux Fées)
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| Franzlehrer unterrichtet im Freien |
Talent show am Abend |
Franzlehrerin (Barbara Bresch) |
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| Auf dem Chasseral.
Links stehend
Hansueli Hostettler, rechts sitzend Marcus Knill. Rest sind
Studenten.
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In Côtes aux Fées: links auf der Bank
Heidi Hostettler und rechts auf der Bank Hildegard Knill.
Rest sind Studenten und Kinder.
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Leiter Kinder: Christine Hostettler, Matthias Knill und Oliver Knill,
Martin Hostettler
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Im Schnitt waren es immer etwas mehr als 40 Studenten.
Ein Beispiel mit einem Mädchenlager, dann ein Knabenlager.
Es gab auch gemischte Lager. Die waren aber schwieriger zu leiten.
Tagi Bericht
Austausch
Der Kontakt zu Französischlehrern
führte auch zu Schüleraustausche während des Jahres.
So kam Charly Rothen aus Ecublens nach Uhwiesen und seine Schüler
logierten bei den Eltern der Schüler, die ins Welschland gingen.
Einmal kam auch die Klasse ihrem Klassenlehrer und logierte
in der Jugendherberge im Schloss Laufen.
Tagsüber unternahmen die Romands mit meiner Klasse Exkusionen und
lernten Schaffhausen kennen. Die Deutschschweizer Schüler mussten
den Lead übernehmen.
Später wurde dieses Modell gekehrt. Die Uhwieser logierten in der
Grangette
und die Schüler von Monsieur Rothen machten
die Deutschschweizer mit den Sehenswürdigkeiten von Lausanne bekannt.
Am Abend musste jeder Schüler ein Tagebuch in de Fremdsprache
führen. Der Partner war dabei Coach und Korrektor.
Es war ganz wichtig, dass die Deutschschweizer sich konsequent in der
Schriftsprache ausdrückten (auch in der Freizeit und während der
Pausen), weil für die Welschen die Mundart eine Fremdsprache ist und
Mundart im Unterricht nicht gelernt wird.
17. Mai 1988 (Pressespiegel; Schaffhauser Nachrichten)
Wenn der "Röstigraben" nicht existiert
Wenn irgendwo die Rede vom "Röstigraben" ist, so meint man
ganz einfach den Unterschied zwischen den Deutschschweizern und den
"Welschen". Dass dies ganz anders sein kann, bewies der Uhwieser
Sekundarlehrer Marcus Knill mit seiner Klasse.
Die beiden Schulklassen zeigten, wie man den "Röstigraben"
überwinden kann.
Vor 20 oder 30 Jahren packten viele junge Deutschschweizer
ihr Köfferlein und zogen ins Welschland, um während einem
Jahr im Haushalt, in den Reben oder auf einem Landwirtschaftsbetrieb
die französische Sprache zu lernen und mehr von der welschen
Mentalität zu verstehen. Dies hat sich aber in der heutigen Zeit
grundlegend geändert, das Welschlandjahr wird kaum mehr benutzt. Was
kann man deshalb tun, um den Kontakt mit den Welschen zu erhalten? Ganz
einfach, man lädt eine Schulklasse aus einem welschen Kanton zu
sich ein.
Eine Woche zu Gast in Uhwiesen
Marcus Knill lud eine Klasse der Ecole Supérieur aus Ecublens
im Waadtland ein. Der Schulbetrieb wurde umgestellt, statt Rechnen und
Schreiben stand Spiel, Sport und Exkursionen auf dem Stundenplan. Ein
Postenlauf durch die Stadt Schaffhausen in Zweiergruppen mit je einem
Schüler aus beiden Klassen war ein Stundenplanteil, so waren
die Schüler gezwungen, sich jeweils mit dem anderen irgendwie
zu verständigen. Weiter wurde auch eine Exkursion nach Stein am
Rhein durchgeführt.
Höhepunkt am Freitag
Zu einem ganz besonderen Ereignis kam es dann am Freitag im Schloss
Laufen. Bundesrat Otto Stich kam mit den kantonalen Finanzdirektoren in
den Räumlichkeiten des Schlosses zusammen. Marcus Knill benützte
diesen Anlass ganz speziell für diesen Klassenzusammenschluss. Vor
den versammelten Regierungsräten aus der ganzen Schweiz
(Bundesrat Stich war bereits abgereist) sangen die Uhwieser Klasse
ein französisches Lied, die Welschen ein deutsches, und zusammen
wurde mit "Aprite le Porte" die dritte Sprache vertreten. Mit solchen
Anlässen kann man mehr erreichen als mit grossen Konferenzen und
Tagungen gegen den "Röstigraben".
Nachtrag April 2022:
Nachtrag Februar 2023: