Das Verscheigen oder Beschönigen von Vorkommnissen aus
klinischen Gründen oder Politischer Korrektheit kann
auch kontraproktiv sein. Wer Medien vorschreibt, wie sie über
heikle Fragen unserer Zeit schreiben müssen, läuft Gefahr,
extremen Bewegungen Aufwind zu geben, denn die können dann
zurecht auf Zensur oder Propaganda hinweisen. Medien müssen
unabhängig bleiben. Der folgende Beitrag ist im
Persönlichblog
erschienen:
Im Uno-Migrationspakt ist als Ziel Nr. 17 festgehalten,
dass sich die Länder dazu verpflichten, einen öffentlichen
Diskurs zu fördern, der zu einer humaneren und konstruktiveren
Wahrnehmung von Migration und Migranten führt.
Was heisst das? Müssen nun Medien künftig negative Vorkommnisse
bei Migrationsfragen verschweigen, beschönigen, so wie es bei
der Propaganda üblich ist? Dürfen Journalisten genötigt
werden, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu steuern? Wenn Medien
im Uno-Migrationspakt verpflichtet werden, sich für das Image einer
Gruppe stark zu machen, wo bleibt da die Unabhängigkeit?
Würde beispielsweise die Armee verlangen, dass die Medien
bestraft werden, falls Journalisten zu kritisch über die
Landesverteidigung schreiben, wäre bestimmt ein Aufschrei
programmiert. Anwaltschaftlicher Journalismus ist verpönt. Medien
sind verpflichtet, sachgerecht zu informieren. Sie haben aber auch
eine wichtige Kontrollfunktion. Schlimm wird es deshalb, wenn sie nun
gleichsam über Fördergelder diszipliniert werden können
und so gesteuert würden. Bereits heute gibt es einen rechtlichen
Rahmen, wie beispielsweise beim SRF. Dort muss bei allen Sendungen
auf die Menschenwürde geachtet werden. Es bedarf somit gar keiner
zusätzlichen Einschränkung.
Wenn künftig nur noch jene Medien in den Genuss von
Fördergeldern kommen, die sich an den Migrationspakt halten, so ist
dies ein gravierender Eingriff in den Medienpluralismus. Medieninhalte
dürfen nicht gelenkt werden. Weder von Politikern noch von
Interessensgruppen. Wer Medien vorschreibt, wie sie über ein
bestimmtes Thema zu schreiben haben, gefährdet eigentlich die
Demokratie und die Meinungsfreiheit. Bei Missständen - auch bei
der Migration - dürfen Journalisten keine Maulkörbe verpasst
werden. Journalismus hat nicht bequem zu sein. Verantwortungsvoll
informieren will nicht heissen, Negatives bewusst auszuklammern. Die
Medienkonsumenten erkennen meist sehr rasch, wenn Fakten gezielt
ausgeklammert oder beschönigt werden.
Nach gefärbten Informationen müssen wir uns nicht wundern,
wenn der Begriff "Lügenpresse" in der Öffentlichkeit Aufwind
bekommt. Das Verschweigen von Tätern aus Asylantenkreisen
entpuppte sich als Bumerang. In Deutschland schwand das Vertrauen
in die Medien. Dies führte mit zum Erfolg der AfD. Als der
Kanton Zürich anordnete, die Herkunft der Täter bewusst zu
verschweigen, litt ebenfalls das Vertrauen in die Medien, denn früher
oder später wurde die Herkunft der Täter doch publik. Es gibt
beim Informieren ein bewährtes Prinzip: Nur Fakten beschreiben. Zudem
muss Information und Kommentar eindeutig getrennt werden.
Der Verband Schweizer Medien kritisiert übrigens ebenfalls den
Passus im Uno-Migrationspakt. Ihr Sprecher findet immerhin den direkten
Eingriff, so wie er vorgesehen ist, als sehr heikel. Der Beitrag in
"20 Minuten" über den fragwürdigen Uno-Migrationspakt zeigt,
dass dieser Pakt von unterschiedlichsten Seiten in Frage gestellt
wird. So lehnt auch die FDP-Politikerin Doris Fiala diesen Pakt ab. Ich
bin überzeugt, dass eine Vielzahl von Medienexperten die Meinung
vertreten, dass Medienförderung nicht nach gesellschaftspolitischer
Ausrichtung erfolgen darf. Möglicherweise verstösst auch eine
gezielte migrationsfreundliche Berichterstattung gegen das Prinzip des
Medienpluralismus. Die Diskussion über den Uno-Migrationspakt ist
eröffnet und geht bestimmt noch weiter.