Man ist sich schon einiges gewohnt in den USA,
das Drama um die Benennung des neuen Richters in den USA war aber noch
nie so spannend. Der Senat hörte sich zuerst eine
Frau an, die behauptet, als Mittelschülerin von
Kavanaugh sexuell belästigt worden sei.
Dann, am Nachmittag durfte sich Kavanaugh verteidigen. Die New
York Times titelte: "Sie sagte, er sagte, nun muss der
Senat sagen". Es sieht so aus, als ob das Senatoren
Kommitee nun heute Kavanaugh zur Wahl vorschlagen wird.
Nachtrag vom Freitag: Tatsächlich wird Kananaugh vorgeschlagen,
es wird aber eine kurze FBI Untersuchung verlangt. Die Wahl wird also
noch etwas verzögert, doch sieht es so aus, als ob der Richter
gewählt werden wird. Wie durch ein Wunder hat er die 4 Anschuldigungen
aus seiner Vergangenheit wegreden können. Dabei wichtig war aber,
dass die Mehrheit im Senat aus Republikanern besteht, die Kavanaugh um
jeden Preis wollen. Man weiss von ihm, dass er erzkonservativ und ganz
auf der Trump Linie ist. Weil Richter auf Lebzeiten gewählt werden,
ist die Wahl ungeheuerlich wichtig.
Nachtrag vom Samstag: Kavenaugh ist gewählt worden. Es war ein
einmaliger Prozess. Vor allem phenomenal war, dass ein so stark angeschlagener politischer Kandidat
trotz Skandal und Lügen unter Eid gewählt worden ist.
Seine Aussagen üb;er Trink und Sex sind einhellig als Lügen bewertet
worden: (Beispiele:
1,
2,
3,
4,
5,
6)
7,
8.)
So war in seinem Jahrbuch Eintrag von ihm von "Teufelsdreieck" die
Rede, was eindeutig ein "Dreier" heisst. Kavenaugh hat es unter Eid
als "Trinkspiel" definiert. Man errinnert sich an Clinton der sagte dass er
"keinen Sex mit dieser Frau hatte" (Oraler Sex war nach seiner Definition nicht
Sex). Ein anderer Jahrbuch Eintrag sprach von "Boofing", was als rektaler Sex
interpretiert werden muss. Er hat es unter Eid als "Furzen" definiert.
Erstaunlich ist, dass trotz dieser Dinge und seiner Parteinahme
(ein Richter müsste eigentlich unabhängig sein), und einem Brief
von 2400 unterschriebenen Uni Rechtsprofessoren, die sagten, dass Kavenaugh kein
geeigneter Richter sei, der Kandidat trotzdem durchgeboxt wurde.
Ein oberster Richter, der unter Eid nicht die Wahrheit sagt, ist nicht gerade
eine gute Sache. Die Wahl hat auch gezeigt, wie stark heute in den USA die
Politik zur Parteipolitik und nicht mehr Sachpolitik verkommen ist.
Spiegel:
Was von der Anhörung des Brett Kavanaugh vor dem US-Senat bleiben
wird, das ist dieses ikonische Bild.
Fast möchte man es in Öl auf Leinwand bannen, weil es
scheinbar die ganze Geschichte erzählt. Dabei ist es noch nicht
einmal ein Foto. Es ist ein flüchtiger Screenshot nur, der doch
in seiner beinahe zentralperspektivischen Anlage und Konzentration auf
den Mann im Mittelpunkt ein wenig an Leonardo da Vincis schicksalhaftes
"Abendmahl" erinnert: "Nehmt, dies ist mein Leib".