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www.rhetorik.ch aktuell: (10. Apr, 2013)

SVP TV

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Web TV Beitrag MP3: Tagi:
Die SVP-Sektion Luzern hat ein eigenes Web-TV aufgeschaltet. Auch in anderen Kantonen denken SVP-Vertreter über solche Projekte nach. Seit Mitte März sendet die SVP des Kantons Luzern nun ein eigenes Webformat mit dem nüchternen Namen SVP Luzern TV. Dies berichtet die NZZ von heute. Gesendet wird aus der Wohnung des neu gewählten Kantonalpräsidenten Franz Grüter in Eich, vor der Kamera begrüsst der Luzerner SVP-Sekretär Anian Liebrand die Zuschauer. Die wöchentliche Politsendung orientiert sich stark am Vorbild von Christoph Blochers hauseigenem Webformat. Liebrand bestätigt, dass Teleblocher der Idee eines eigenen Web-TV Pate gestanden habe. Auf der Website der SVP Luzern heisst es zum neuen Fernsehprojekt: "Wir demonstrieren damit, dass die SVP eine moderne, zukunftsorientierte Partei ist und der sich im Wandel befindenden Medienwelt Rechnung trägt." Wöchentlich greifen die alternativen Fernsehmacher ein aktuelles Thema auf, wobei Interviewer und Interviewter oft einer Meinung sind - auch hier ganz nach dem Vorbild Teleblocher. So wurden etwa die vor kurzem eingereichte Asylinitiative der SVP Luzern diskutiert oder die Kommunikationsoffensive der eigenen Partei. Gestartet habe man das Web-TV zunächst auf Youtube und dort laut Liebrand rund 570 Personen erreicht. Ziel sei es, die eigenen Positionen ungefiltert an den Mann zu bringen, denn das sei über die Medien nicht immer möglich. Zudem erhoffen sich die Macher, so vor allem ein jüngeres Publikum zu erreichen, als es über klassische Kanäle möglich wäre. Die Kosten für den Sender lägen im vierstelligen Bereich, schreibt die NZZ. Das ist, gemessen an der potentiellen Reichweite einer solchen Internetsendung, sehr kostengünstig. Zudem kommt das Format einigermassen professionell daher. Die beiden Macher Liebrand und Grüter haben beide Erfahrungen im Kommunikationsbereich. Grüter ist CEO und Verwaltungsratspräsident des Internetanbieters Green.ch, Liebrand hat die Internetplattform Info8.ch aufgebaut, auf der vor allem SVP-Vertreter ihre Positionen vertreten. Auch bei anderen SVP-Sektionen hat das Projekt Interesse geweckt. Zum Beispiel beim Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm: "Dieser Art der Informationsvermittlung gehört die Zukunft", sagte er gegenüber der NZZ. Und auch, dass er das Thema Web-TV an der nächsten Geschäftsleitungssitzung aufgreifen werde. Ebenfalls interessiert zeigte sich die SVP-Sektion aus der Zentralschweiz. Auch die Parteizentrale in Bern beobachtet solche Initiativen mit Wohlwollen, Pläne für ein schweizweites SVP-Fernsehen gebe es allerdings keine.
Es ist wahrscheinlich, dass auch anderen Parteien eigene Kanäle aufbauen werden. Jedenfalls sind sie jetzt im Zugzwang. Wenn die verschiedensten Interessegruppen ihre eigenen Positionen im Netz darlegen, so wäre dies für die politische Landschaft eine Bereicherung. Die Stimmberechtigten könnten sich aus der Fülle von "gefärben" Sichten, besser eine eigenen Meinung bilden. Ich habe mir eine Sendung Luzerner SVP Internetfernsehens im You tube angeschaut. Die Aufnahmequalität ist erstaunlich gut - Ausleuchtung und Bildausschnitte wirken professionell. Laien Video Experimente haben einen Haken. Sie können ohne professionelle Beratung und ohne seriöse Vorbereitung -wie bei Marco Fischers (FdP) legendären Werbespot - in die Hosen gehen. Wenn ein "Parteien TV" lanciert wird, darf man nicht am falschen Ort sparen. Neue Projekte müssen professionell angegangen werden. Beim Webauftritt der SVP Sektion Luzern stelle ich fest: Beim Moderator gefällt mir die Fragetechnik. Er setzt einen Gedanken und dann folgt die Anschlussfrage. Laien reden als Interviewer oft zu lang und stellen Frageketten. Die Haltung finde ich unprofessionell. Die Körperspannung fehlt. Der Moderator lehnt zurück und versinkt im Polsterstuhl. Abschon die SVP mit dem Start zufrieden sein kann, fehlt mir in diesem Interview die Stimulanz, das Spontane. Das Ganze wirkt als Pflichtübung. Offensichtlich wurde der Interviewte - Franz Grüter - gecoacht. Er versuchte wie ein Journalist im richtigen Moment zur Kamera zu sprechen, um das Publikum direkt anzusprechen. In dieser Hinsicht wurde er schlecht beraten. Dieser Einschub wirkte mir zu aufgesetzt. Was bei dieser Sendung optimiert werden sollte: Das Gespräch müsste zu einem natürlichen, persönlichen Dialog entwickelt werden.

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