Steinbrück hatte am Dienstagabend einen Wahlkampfauftritt in
Potsdam. Er sprach über die Mehrwertsteuer und die Bundesregierung,
über die Rente mit 67 und, nun ja, über den Wahlausgang in
Italien.
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"Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns
gewonnen haben",
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sagte er. Gemeint waren die Ergebnisse von Ex-Premier
Silvio Berlusconi und Komiker Beppe Grillo.
Die Sticheleien werden Steinbrück noch verfolgen. Denn wie damals,
als Steinbrück als Finanzminister im Steuerstreit mit der Schweiz
markige Worten wählte, sorgten seine Sätze auch am Mittwoch
für diplomatische Spannungen. Italiens Staatspräsident Giorgio
Napolitano, gerade auf mehrtägigem Besuch in Deutschland, sagte
ein lange geplantes Abendessen mit Steinbrück ab. Eine ziemliche
Watsche für den Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel.
Entsprechend heftig sind die Reaktionen in Berlin. Steinbrücks
Gegner nehmen den Eklat dankbar auf. Klar, es ist Wahlkampf. Die
stellvertretende FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gab sich
empört und erklärte, für Steinbrücks Aussagen sei
"Fremdschämen" angesagt. Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU)
kritisierte: "Steinbrück benimmt sich wie die Axt im Walde."
SPD-Generalsekretärin Nahles sprang Steinbrück hingegen schnell
zur Seite. "Peer Steinbrück hat auf einer Veranstaltung gesprochen,
die 'Klartext' hiess", sagte sie. Die Bürger hätten klare Kante
erwartet, und Steinbrück habe ausgesprochen, was er denke. Auch Axel
Schäfer, europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
nahm Steinbrück in Schutz. Berlusconi lege ein persönliches
Auftreten an den Tag, "welches mit Integrität nichts mehr zu tun
hat", sagte er. "Clown ist dafür nur eine milde Charakterisierung."