Heute haben sich Joe Biden und Paul Ryan in der Vize Präsidentschafts Debatte
duelliert. Biden war angriffiger als Obama und fast alle Kommentatoren waren sich einiger, dass
Biden auch besser als Obama abgeschnitten hat. Er hat jedoch oft seinen Partner unterbrochen.
Der Spiegel nach der Debatte
Werbespott der Republikaner, mit dem Lachen von Biden
Nachtrag: Zum Lachen Bidens wurde von den Republikanern in einem
Werbespot gebraucht.
20 Min: Dauergrinser Biden muss Kritik einstecken.
Die Vor- und Nachteile des aufgesetzten Lachens wurde schon
früher bewusst gemacht: Bei Bundesrätin Calmy-Rey wurde
ihr Zähnezeigen kommentiert. (Man sagte bislang, mit ihrem
permanenten Lachen habe sie auf freundliche Art den Kollegen und
Medienschaffenden die Zähne gezeigt. Tatsächlich hatte die Frau
auch Biss.) Auch bei Jörg Kachelmann wurde das Lachen zum Thema
(Siehe Kachelmans Laecheln, Meteo Rhetorik) So gesehen
wird das Lachen Bidens seine Glaubwürdigkeit beeinträchtigt
haben. Weil die Medien das Dauergrinsen thematisierten, wurden
Punkte verloren. Dennoch gilt es zu
berücksichtigen, dass ein Gesicht, das lacht, bei den Adressaten
trotz der Künstlichkeit eine positivere Wirkung hat, als ein
missmutiger Ausdruck. Für mich halten sich deshalb bei Dauergrinser
Biden Schaden und Nutzen die Waage.
Nach dem Schlagabtausch zeigen die ersten
Zahlen der Demoskopen ein recht ausgeglichenes Rennen, mit leichten
Vorteilen für Ryan. In einer CNN-Umfrage kommt der Herausforderer
auf 48 Prozent, der Vize-Präsident auf 44 Prozent. Das mag an seinem
besonneneren Stil gelegen haben. Aber darauf wollte Biden offensichtlich
keine Rücksicht nehmen. Er hatte ja einen anderen Job zu erledigen.
Am Dienstag sind Obama und Romney wieder dran.
Die Redeschlacht steht ganz im Zeichen steigender Umfragewerte für
den Obama-Herausforderer Mitt Romney. US-Kommentatoren erwarten einen
harten Schlagabtausch. In der vergangenen Woche hatten sich Obama und
Romney zur Fernsehdebatte getroffen; der US-Präsident konnte dabei
seinen Favoritenstatus nicht bestätigen, wirkte angespannt und
leidenschaftslos.
Für seinen Stellvertreter Biden gilt es deshalb nun
vor allem, beim Duell, das in der Ortschaft Danville im US-Staat
Kentucky aufgezeichnet wird, den schwachen Eindruck Obamas wieder
wettzumachen. Sein republikanischer Konkurrent Ryan kann dagegen mit
Rückenwind aus den Umfragen in die Debatte gehen. Nach einer
Gallup-Umfrage würden derzeit 49 Prozent der wahrscheinlichen
Wähler für Romney stimmen, 47 Prozent für Obama.
Der Stil der beiden Kontrahenten könnte kaum unterschiedlicher
sein: Biden ist 69 Jahre alt, gehört seit 36 Jahren dem Senat an
und gibt sich gerne als Anwalt der kleinen Leute. Ryan ist lediglich
42 Jahre alt, ist aber bereits seit 14 Jahre Kongressabgeordneter und
gilt als Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Er hat sich
bisher vor allem durch knallharte Sparpläne profiliert, die heftige
soziale Einschnitte vorsehen.
Biden hat allerdings den Ruf eines rhetorischen Hitzkopfes, der immer
wieder über das Ziel hinausschiesst und Obama mit Patzern in
Bedrängnis bringt. Ryan wiederum gilt als begabter Redner und
"Einpeitscher". Insgesamt 90 Minuten werden beide Rede-Duellanten
aufeinander treffen. Im Zentrum der der Debatte werden die hohe
Arbeitslosigkeit, die schlechte Konjunktur und die hohen amerikanischen
Schulden stehen.
Besonders ernst wurden sie bisher nicht unbedingt genommen, die
obligatorischen Debatten der beiden Anwärter für das Amt
des amerikanischen Vizepräsidenten. Zumeist stöhnten die
Amtsträger über ihre politische Bedeutungslosigkeit neben dem
fast allmächtigen Präsidenten, und Franklin Roosevelts Vize
John "Cactus Jack" Garner motzte gar, sein Amt sei nicht einmal einen
"Eimer warmer Spucke" wert.
Wenn Barack Obamas Stellvertreter Joe Biden heute Abend in Danville im
Staat Kentucky dem republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten
Paul Ryan bei der einzigen Debatte der beiden Rivalen gegenübersteht,
geht es freilich um mehr als sonst: Ryans Boss Mitt Romney profitiert
laut einer Serie von neuen Erhebungen von seiner Performance bei der
ersten Präsidentschaftsdebatte in Denver in der vergangenen Woche,
derweil Barack Obama nach seinem saft- und kraftlosen Auftritt in Denver
zurückgefallen ist.
Obamas Berater hoffen nun, Biden werde den Erfolg Romneys im Hinterland
Kentuckys bremsen und das politische Comeback des Präsidenten
einleiten. Ryan wiederum muss versuchen, die günstigen Winde zu
nutzen und dem republikanischen Duo noch mehr Auftrieb zu verschaffen.
Unterschiedlicher könnten die beiden Kontrahenten kaum sein: Joe
Biden feiert bald seinen 70. Geburtstag, ein politisches Schlachtross
mit einer langen und illustren Karriere in Washington ist der Obama-Vize.
Der ehemalige Senator aus dem Mini-Staat Delaware wuchs auf im US-Amerika
des John F. Kennedy und bewarb sich zwei Mal, 1988 und 2008, erfolglos
um die demokratische Präsidentschaftskandidatur.
Biden kommt aus einer bescheidenen Umgebung, Volksnähe und
schulterklopfende Kumpelhaftigkeit zählen ebenso zu seinen
Markenzeichen wie ein gefährlicher Hang, sich im Dschungel der
Sprache zu verheddern. Dann sagt Biden beispielsweise, er habe "acht
Präsidenten persönlich gekannt, drei davon ganz intim". Oder
er sagt: "Meine Mutter und mein Vater glaubten, dass ich, falls ich
Präsident werden wolle, Vizepräsident sein könnte".
Ist Biden der wohl letzte US-Kandidat für ein hohes Amt, der vor
den Baby-Boomern geboren wurde, so gehört der Kongressabgeordnete
und Romney-Vize Paul Ryan als erster Kandidat für allerhöchste
politische Weihen einer neuen, nach den Boomern geborenen Generation
an. Nahezu drei Jahrzehnte trennen Biden vom 42-jährigen Ryan, der in
der staatskritischen Ära Reagan aufwuchs, während Biden von den
staatsbejahenden fünfziger und sechziger Jahren geprägt wurde.
Ryan gilt als eine der intellektuellen Lichtgestalten der
Republikanischen Partei und sitzt dem Haushaltsausschuss des
Repräsentantenhauses vor. Seine Entwürfe zur Sanierung der
amerikanischen Staatsverschuldung sowie seine Reformpläne für
die Sozialwerke aber stiessen auf teils heftige Kritik: Ryans Zahlen
stimmten nicht, wichtige Antworten blieb er bislang schuldig. Nie zuvor
stand der Romney-Vize vor einem derart grossen TV-Publikum, auch muss
er sich hüten, in einen Insider-Jargon zu verfallen.
Im Gegensatz zum Präsidenten, der Romney vergangene Woche in Denver
unerklärlicherweise allerlei Unwahrheiten und Ausflüchte
durchgehen liess, muss Biden in Danville versuchen, die Widersprüche
und Ungereimtheiten in Ryans Reformplänen aufzuzeigen und den
Republikaner so in die Defensive zu drängen. Falls es ihm nicht
gelingt und Ryan eine gute Figur macht, dürfte Mitt Romney seinem
Ziel ein wenig näher gekommen sein. Dann hinge beinahe alles
von Barack Obamas Debattierkünsten bei den verbleibenden zwei
Präsidentschaftspalavern ab.