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www.rhetorik.ch aktuell: (12. Okt, 2012)

Vize Präsidentschaftsdebatte

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:

Ryan und Biden. Bildquelle: Spiegel
Heute haben sich Joe Biden und Paul Ryan in der Vize Präsidentschafts Debatte duelliert. Biden war angriffiger als Obama und fast alle Kommentatoren waren sich einiger, dass Biden auch besser als Obama abgeschnitten hat. Er hat jedoch oft seinen Partner unterbrochen. Der Spiegel nach der Debatte


Werbespott der Republikaner, mit dem Lachen von Biden
Nachtrag: Zum Lachen Bidens wurde von den Republikanern in einem Werbespot gebraucht. 20 Min: Dauergrinser Biden muss Kritik einstecken. Die Vor- und Nachteile des aufgesetzten Lachens wurde schon früher bewusst gemacht: Bei Bundesrätin Calmy-Rey wurde ihr Zähnezeigen kommentiert. (Man sagte bislang, mit ihrem permanenten Lachen habe sie auf freundliche Art den Kollegen und Medienschaffenden die Zähne gezeigt. Tatsächlich hatte die Frau auch Biss.) Auch bei Jörg Kachelmann wurde das Lachen zum Thema (Siehe Kachelmans Laecheln, Meteo Rhetorik) So gesehen wird das Lachen Bidens seine Glaubwürdigkeit beeinträchtigt haben. Weil die Medien das Dauergrinsen thematisierten, wurden Punkte verloren. Dennoch gilt es zu berücksichtigen, dass ein Gesicht, das lacht, bei den Adressaten trotz der Künstlichkeit eine positivere Wirkung hat, als ein missmutiger Ausdruck. Für mich halten sich deshalb bei Dauergrinser Biden Schaden und Nutzen die Waage.


Nach dem Schlagabtausch zeigen die ersten Zahlen der Demoskopen ein recht ausgeglichenes Rennen, mit leichten Vorteilen für Ryan. In einer CNN-Umfrage kommt der Herausforderer auf 48 Prozent, der Vize-Präsident auf 44 Prozent. Das mag an seinem besonneneren Stil gelegen haben. Aber darauf wollte Biden offensichtlich keine Rücksicht nehmen. Er hatte ja einen anderen Job zu erledigen. Am Dienstag sind Obama und Romney wieder dran.

Quelle: Blick vom 12. Oktober


Vor der Debatte schrieb der Spiegel:
Die Redeschlacht steht ganz im Zeichen steigender Umfragewerte für den Obama-Herausforderer Mitt Romney. US-Kommentatoren erwarten einen harten Schlagabtausch. In der vergangenen Woche hatten sich Obama und Romney zur Fernsehdebatte getroffen; der US-Präsident konnte dabei seinen Favoritenstatus nicht bestätigen, wirkte angespannt und leidenschaftslos. Für seinen Stellvertreter Biden gilt es deshalb nun vor allem, beim Duell, das in der Ortschaft Danville im US-Staat Kentucky aufgezeichnet wird, den schwachen Eindruck Obamas wieder wettzumachen. Sein republikanischer Konkurrent Ryan kann dagegen mit Rückenwind aus den Umfragen in die Debatte gehen. Nach einer Gallup-Umfrage würden derzeit 49 Prozent der wahrscheinlichen Wähler für Romney stimmen, 47 Prozent für Obama. Der Stil der beiden Kontrahenten könnte kaum unterschiedlicher sein: Biden ist 69 Jahre alt, gehört seit 36 Jahren dem Senat an und gibt sich gerne als Anwalt der kleinen Leute. Ryan ist lediglich 42 Jahre alt, ist aber bereits seit 14 Jahre Kongressabgeordneter und gilt als Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Er hat sich bisher vor allem durch knallharte Sparpläne profiliert, die heftige soziale Einschnitte vorsehen. Biden hat allerdings den Ruf eines rhetorischen Hitzkopfes, der immer wieder über das Ziel hinausschiesst und Obama mit Patzern in Bedrängnis bringt. Ryan wiederum gilt als begabter Redner und "Einpeitscher". Insgesamt 90 Minuten werden beide Rede-Duellanten aufeinander treffen. Im Zentrum der der Debatte werden die hohe Arbeitslosigkeit, die schlechte Konjunktur und die hohen amerikanischen Schulden stehen.
Tagesanzeiger:
Besonders ernst wurden sie bisher nicht unbedingt genommen, die obligatorischen Debatten der beiden Anwärter für das Amt des amerikanischen Vizepräsidenten. Zumeist stöhnten die Amtsträger über ihre politische Bedeutungslosigkeit neben dem fast allmächtigen Präsidenten, und Franklin Roosevelts Vize John "Cactus Jack" Garner motzte gar, sein Amt sei nicht einmal einen "Eimer warmer Spucke" wert. Wenn Barack Obamas Stellvertreter Joe Biden heute Abend in Danville im Staat Kentucky dem republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan bei der einzigen Debatte der beiden Rivalen gegenübersteht, geht es freilich um mehr als sonst: Ryans Boss Mitt Romney profitiert laut einer Serie von neuen Erhebungen von seiner Performance bei der ersten Präsidentschaftsdebatte in Denver in der vergangenen Woche, derweil Barack Obama nach seinem saft- und kraftlosen Auftritt in Denver zurückgefallen ist. Obamas Berater hoffen nun, Biden werde den Erfolg Romneys im Hinterland Kentuckys bremsen und das politische Comeback des Präsidenten einleiten. Ryan wiederum muss versuchen, die günstigen Winde zu nutzen und dem republikanischen Duo noch mehr Auftrieb zu verschaffen. Unterschiedlicher könnten die beiden Kontrahenten kaum sein: Joe Biden feiert bald seinen 70. Geburtstag, ein politisches Schlachtross mit einer langen und illustren Karriere in Washington ist der Obama-Vize. Der ehemalige Senator aus dem Mini-Staat Delaware wuchs auf im US-Amerika des John F. Kennedy und bewarb sich zwei Mal, 1988 und 2008, erfolglos um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Biden kommt aus einer bescheidenen Umgebung, Volksnähe und schulterklopfende Kumpelhaftigkeit zählen ebenso zu seinen Markenzeichen wie ein gefährlicher Hang, sich im Dschungel der Sprache zu verheddern. Dann sagt Biden beispielsweise, er habe "acht Präsidenten persönlich gekannt, drei davon ganz intim". Oder er sagt: "Meine Mutter und mein Vater glaubten, dass ich, falls ich Präsident werden wolle, Vizepräsident sein könnte". Ist Biden der wohl letzte US-Kandidat für ein hohes Amt, der vor den Baby-Boomern geboren wurde, so gehört der Kongressabgeordnete und Romney-Vize Paul Ryan als erster Kandidat für allerhöchste politische Weihen einer neuen, nach den Boomern geborenen Generation an. Nahezu drei Jahrzehnte trennen Biden vom 42-jährigen Ryan, der in der staatskritischen Ära Reagan aufwuchs, während Biden von den staatsbejahenden fünfziger und sechziger Jahren geprägt wurde. Ryan gilt als eine der intellektuellen Lichtgestalten der Republikanischen Partei und sitzt dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses vor. Seine Entwürfe zur Sanierung der amerikanischen Staatsverschuldung sowie seine Reformpläne für die Sozialwerke aber stiessen auf teils heftige Kritik: Ryans Zahlen stimmten nicht, wichtige Antworten blieb er bislang schuldig. Nie zuvor stand der Romney-Vize vor einem derart grossen TV-Publikum, auch muss er sich hüten, in einen Insider-Jargon zu verfallen. Im Gegensatz zum Präsidenten, der Romney vergangene Woche in Denver unerklärlicherweise allerlei Unwahrheiten und Ausflüchte durchgehen liess, muss Biden in Danville versuchen, die Widersprüche und Ungereimtheiten in Ryans Reformplänen aufzuzeigen und den Republikaner so in die Defensive zu drängen. Falls es ihm nicht gelingt und Ryan eine gute Figur macht, dürfte Mitt Romney seinem Ziel ein wenig näher gekommen sein. Dann hinge beinahe alles von Barack Obamas Debattierkünsten bei den verbleibenden zwei Präsidentschaftspalavern ab.

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