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www.rhetorik.ch aktuell: (10b. Mar, 2012)

Koeppels Romand Provokation

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Das Schweizer Wochenblatt die "Weltwoche" nannte in einem Artikel "Mediterraner Schlendrian" hier auf französisch die Romands die "Griechen der Schweiz". Der Untertitel des Artikels von Andreas Kunz ist: "Warum die Romands weniger arbeiten und höhere Renten beziehen" und Zusammenfassung:

Die Romands sind die Griechen der Schweiz: Ob Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder Zinsbelastung - in jeder Negativ-Statistik liegen die Welschen vorn. Während sie über Stress und Benachteiligung klagen, halten die Deutschschweizer den helvetischen Motor am Laufen.


Auf dem Weltwoche cover sieht man einen Mann im Bürostuhl mit einem Glas Wein und den Füssen auf dem Pult. Die Romandie lässt sich das nicht einfach so bieten. Eine Facebook Gruppe "Welschwoching" zeigt darauf abgeänderte Bilder mit ähnlichen Sujets. Weltwoche wurde dabei zur "Welschwoche". Interessant wurde die Geschichte aber, als auf Facebook die Bilder entfernt werden mussten weil die Weltwoche Copyrightverstösse beanstandet hatte. Nun kam die Geschichte in den Medien, auch im Tagi oder 20 Min. Auch die Weltwoche selbst kann die Sache wieder aufnehmen. Auf der Online Ausgabe ist der Artikel auch auf Französisch erhältlich. Der nächste Artikel von Kunz heisst "Der Aufstand in der Romandie". Ist dies ein gewollter Streisand Effekt der Weltwoche? Den Verkaufszahlen der Weltwoche könnte die Provokation gut tun.

Viel interessanter könnte aber die Frage sein, warum es heute so leicht ist, zu erreichen, dass auf Facebook Bilder einfach gelöscht werden. Die Behauptung, dass Copyright eine Rolle spielt, ist offensichtlich ein Vorwand.
20 Min:
Seit Donnerstag verschwinden auf der Facebook-Seite von "Welschwoching" Bilder. Die Fotos werden von Unbekannten beanstandet - wegen angeblicher Verletzung der Urheberrechte. Der Gründer der Facebook-Seite "Welschwoching" ist sauer. "Wir sind das Opfer von Repressalien und Zensur", schreibt er auf der Pinnwand. Seit Donnerstag verschwinden nach und nach die Bilder, die mit einem Augenzwinkern die Clichés im "Weltwoche"-Artikel "Die Griechen der Schweiz" parodierte. Wie 20 Minutes Online berichtet, ist der Grund dafür, dass die Gruppe überflutet wird mit Meldungen wegen "Verletzung des Urheberrechts". Mit jeder Meldung eines Verstosses verschwindet ein Bild auf der Facebook-Seite. Wer hinter der "Attacke" steht, ist nicht nachvollziehbar. "Wir sind nicht dumm und wissen, wer es ist", schreiben die Autoren hingegen auf der Pinnwand. Wo einst die "Welschwoching"-Bilder prangten, sind nun nur noch Fragezeichen. Wie Facebook mitteilt, werden die Bilder nicht automatisch gelöscht, sondern durch ein Team geprüft. "Wer die Bilder beanstandet, muss einen Beweis liefern", sagt eine Sprecherin. Die meisten Fotos wurden von den Teilnehmern selbst gemacht und online gestellt, worin da die Urheberrechtsverletzung liegt, weiss die Sprecherin nicht. "Es liegt aber eine Rechtsverletzung vor." Der einzige mögliche Angriffspunkt ist das Logo der "Weltwoche". Das wurde zwar angepasst, es scheint aber aus Sicht von Facebook offensichtlich dennoch gegen die Urheberrechte zu verstossen. Die "Welschwoching"-Gründer wollen nicht gegen die Löschung der Bilder vorgehen: "Wir haben beschlossen, nicht zu kämpfen", schreiben sie auf der Pinnwand, "sondern diejenigen machen zu lassen, die uns zum Schweigen bringen wollen, um ihre wahre Natur zu zeigen."
Tagi Politblog Tagi Story: Tagi:
Seit einer Woche lädt die Facebook-Gruppe Welschwoching ihre User dazu ein, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. So haben sich auf der Internetplattform bis Donnerstag mehrere Dutzend Parodien auf die "Weltwoche"-Titelseite über die Welschen als "Griechen der Schweiz" angesammelt. Immer mit dem nur leicht abgeänderten Titelkopf "Die Welschwoche" mit dem Originallogo des Wochenmagazins "Weltwoche". Seit Donnerstagnachmittag meldet Facebook den Betreibern der Gruppe jedoch ständig, dass wieder eines ihrer "Welschwoche"-Cover vom Gruppenprofil habe entfernt werden müssen. "Stück für Stück mussten die Fotos gelöscht werden, nachdem Meldungen wegen Verletzung des Urheberrechts eingegangen sind", schreiben die Gruppenadministratoren.Die Internetgemeinde ist empört, "20 Minuten online" und "Lematin.ch/Newsnet" warfen Facebook Zensur vor. Auch die "Welschwoche"-Betreiber schreiben von "Repressalien und Zensur", gegen die sie aber "nicht ankämpfen" wollen. Sie geben an, sie wüssten, wer die unbekannten Dritten seien, die die Beanstandungen gegenüber Facebook machen, geben aber keine Identitäten Preis. Der Unbekannte, der die Löschung der Cover-Bilder zu verantworten hat, ist wohl "Weltwoche"-Chefredaktor und -verleger Roger Köppel. "Ich habe unseren Anwalt angewiesen, eine hetzerische, rassistische und antisemitische Titelblattparodie entfernen zu lassen, was auch sofort geschah", sagt Köppel. Damit rief der Anwalt die Facebook-Kontrolleure auf den Plan, die nicht nur, wie gefordert, das eine Cover löschten, sondern sämtliche Bilder der Gruppe "Welschwoching" auf Verstösse gegen die Nutzungsbedingungen abklopften. Die Folge: Mehrere Cover-Parodien wurden gelöscht, mit Verweis auf Verstoss gegen die Urheberrechte. Die Bilder wurden durch Fragezeichen ersetzt. Dies entspricht laut Facebooks PR-Beauftragten in Deutschland, Stefanie Schieke, dem üblichen Vorgehen: "Nachdem eine Meldung bei Facebook eingegangen ist, wird diese von einem Team überprüft. Dasselbe Team überprüft an diesen Stellen auch ähnliche Inhalte, die ebenso gegen die Richtlinien oder auch gegen Urheberrecht verstossen." Köppel ist es ganz und gar nicht recht, dass die Facebook-Kontrolleure "Welschwoching" wegen seiner Intervention derart aufs Dach steigen. "Es ging uns lediglich um dieses eine Hetz-Cover, alle anderen sind grossartig, und die ganze Redaktion freut sich über jeden neuen Welschwoching-Beitrag", sagt Köppel. Falls wirklich Urheberrechtsfragen der Grund für die Löschung der Covers seien, dann gebe er als Besitzer der Marke und des Logos den "Welschwoching"-Betreibern gerne grünes Licht. Dass Facebook auf dieses Angebot eingeht, ist indes zu bezweifeln. "Dazu wird es seitens Facebook sicher keine Stellungnahme geben", sagt Schieke. Derweil versorgen die "Welschwoching"-Mitglieder Facebook weiter mit Arbeit. Sie laden laufend neue Cover-Parodien mit stärker abgewandeltem "Weltwoche"-Logo hoch, in der Hoffnung Facebook werde keine Urheberrechtsverletzung mehr feststellen.
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