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Der Spiegel:
In der Tat war der Pulverqualm vom Schlachtfeld Florida kaum verflogen,
als klar wurde: Dies ist so schnell nicht ausgestanden. Die interne
Krieg der Partei wird noch eine Weile weitergehen, und dabei wird es
unverändert brutal zugehen.
(...)
In der letzten Woche waren 92 Prozent aller TV-Spots direkte Angriffe
auf den Gegner. 68 Prozent stammten von Romney und seinem Super-PAC
"Restore Our Future", einer privaten Lobbygruppe: 15,4 Millionen Dollar
gaben sie aus - viermal so viel wie Gingrich.
Beide Kandidaten logen dabei, dass sich die Balken bogen. Ein Omen
für den Hauptwahlkampf im Herbst: Auch Romneys Siegesrede
von Florida, die er Obama widmete, strotzte vor Verzerrungen und
Verfälschungen. "Wenn du angegriffen wirst", rechtfertigte er sich
auf ABC, "musst du zurückschlagen."
(...)
Mit seinem Blutsieg hat Romney auch einen wichtigen Bonus für den
Obama-Wahlkampf im Herbst verspielt - sein blütenreines Image. Er
liess die freundliche Maske fallen und offenbarte sich als der eiskalte,
gnadenlos kalkulierende Manager, als der er sein Vermögen machte.
Gingrichs Kampagne der verbrannten Erde enthüllte weitere
Schwachstellen Romneys - seine Zeit als Firmenhai, sein Reichtum, seine
Flip-Flop-Politik, sein gestörtes Verhältnis zu "normalen
Leuten". Romney glaubt, dass ihn diese Feuertaufe auf den Herbst
"vorbereitet".
Die Demokraten dagegen wittern Munition: Was die Vorwähler von
Florida nicht störte, ist für viele Wähler der Mitte
ein Stolperstein. Schon sinken Romneys Popularitätswerte in den
gesamten USA.
Eine positive Einheitsfigur fehlt der Partei weiter. Dafür besitzt
Romney weder das Kaliber noch den emotionalen Rückhalt. "Geld",
schreibt der Kolumnist Charles Blow ("New York Times"), "kann ihm keine
Liebe kaufen."
In Florida gab es noch einen weiteren Verlierer - die Medien. Nichts
symbolisierte deren Machtlosigkeit krasser als der schlimmste
TV-Spot Romneys gegen Gingrich: Der bestand aus einem Clip der
Nachrichtensendung "NBC Nightly News" von 1997, in dem Anchorman Tim
Brokaw mit pikiert-sonorer Stimme über Gingrichs Verurteilung wegen
Ethikverstössen berichtete. NBC protestierte offiziell dagegen,
dass die Sendung im Wahlkampf missbraucht wurde - ohne Erfolg.
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