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www.rhetorik.ch aktuell: (02. Feb, 2010)

Zum Nef-Interview im Tele Züri

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Ex-Armeechef Roland Nef hat erstmals nach eineinhalb Jahren öffentlich Stellung zur Affäre genommen. Er rechnete auf "Tele Züri" mit den Medien ab: Er sei ein Opfer der Medien und der Politik, das als "lebenslänglich schuldig" gilt, obwohl er nie verurteilt worden sei.



Trotz medienrhetorischer Vorbereitung überzeugte der ehemalige Armeechef nicht. Zuerst hatte man den Eindruck, als könnte Roland Nef die Chance vor Mikrofon und Kamera nutzen. Er wirkte äusserlich gestylt, sass selbstsicher da und war darauf bedacht, seine vorbereitete Kernbotschaft zu verkaufen und sich als Medienopfer darzustellen. Die Rechnung ging nicht auf. Der Auftritt war ein Flop. Obschon Roland Nef nicht offiziell verurteilt worden ist - er konnte sich bekanntlich mit einer Geldsumme gleichsam von einer Klage loskaufen - wurden peinliche Details nochmals aufgewärmt: das Bild von "Nef als Stalker" war vielleicht in einigen Köpfen schon vergessen, jetzt ist es wieder präsent.


Mit diesem Interview konnte Roland Nef seinen schlechtes Image nicht beseitigen. Im Gegenteil: Er bleibt nun in den Augen der Öffentlichkeit eine unglaubwürdige Person. Auch die vielen Kommentaren im Internet zeigen, dass die Bevölkerung intuitiv erkannt hatte, dass Nefs Auftritt unglaubwürdig war. Viele haben gemerkt, dass Nef die eingetrichterte Kernbotschaft zu plump zementieren wollte. Einige Antworten zu heiklen Fragen wirkten antrainiert. Als Kommunikationsberater hätte ich Nef abgeraten - unter diesen Umständen - aufzutreten Vor allen, weil er nicht viel Neues zu sagen hatte. Generell wirkte er zu überheblich, zu selbstgefällig, von sich eingenommen und uneinsichtig. Nonverbal verriet er an einigen Stellen, dass ihm heikle Frage zu peinlich waren. Dann wich er mit dem Blick aus. Im zweiten Teil des Interviews griff er sich bei heiklen Fragen auffallend oft an die Nasenspitze, als ob er nonverbal sagen wollte: "Pass auf, dass du keine fahrlässigen Aussagen machst."

Der Versuch, die "Marke Nef" dank des Interviews in ein besseres Licht zu rücken und Sympathiepunkte zu holen, misslang. Die Beschönigungen und die Schuldzuweisungen wurden für Nef - einmal mehr - zum Bumerang. Der Auftritt zeigte, dass ein ehrgeiziger, gekränkter, narzisstisch veranlagter Führungstyp es schwierig hat, über den eigenen Schatten zu springen.

Auch sein Kriegs - Vokabular wie "Medienvernichtungsschlacht, Treibjagd, Hochwildjagd, es wurde auf mich geschossen, es war ein Vernichtungskampf" machte hellhörig. Er versteht Kommunikation als militärstrategisches Schlachtfeld.

Wenn man weiss, dass Nef mit einer Geldsumme, deren Höhe nicht bekannt ist, eine Klage abwenden konnte, sind seine Versuche, sich als Unschuldslamm darzustellen, unglaubwürdig. Gravierend war es, dass er seine Opfer nicht in sein Boot genommen hat. Mit ein paar Worten hätte er sagen können, dass es ihm leid tue, seine Frau verletzt zu haben und er an alle denke, die durch sein Verhalten haben leiden müssen. Mit einer solchen Anteilnahme - falls echt - hätte er nach seinem Interview nicht so viele negativen Kommentare gegen seine Person erhalten. Die Bevölkerung hätte bei diesem Bekenntnis Hemmungen gehabt, mit Wortpfeilen auf ein Boot zu schiessen, in dem alle Leidetragenden und besonders seine Frau sitzt.


Blick


Nachtrag vom 3. Februar, 2010: Der folgende "Blick" Beitrag vom 3. Februar bestätigt, dass Nef mit seinem Verhalten im Interview die Schmutzgeschichten aufgewärmt hat:

Über den Inhalt jenes Protokolls will Nef jedoch nicht sprechen. Kein Wunder. Denn was seine Ex-Partnerin darin erzählt, zeigt Nefs weniger propere Seite.

So schildert die Musikerin der Polizei, Nef habe sich oft bis zur Besinnungslosigkeit betrunken. An Weihnachten 2004 habe er zwei Stunden getobt. Auch vor Gästen, auch vor Kindern. Seine Freundin sei eine "Hure", schrie er. Sie behaupte, "er würde Männer ficken". Auslöser für den Anfall: Nef habe einen Gartentisch nicht zusammensetzen können. Aus Angst versteckten Partnerin und Gäste alle Küchenmesser. Im Februar 2005 zieht die Freundin aus. Nef kommt mit seiner heutigen Frau zusammen. Doch er belästigt seine Ex mit Mails, Telefonaten, Postkarten. Ein Jahr später fängt er gar an, im Namen der Ex im Internet Sex anzubieten. Er nennt sie "flauto_66": Die Flötenspielerin sei "eine gute Bläserin", schreibt er. Folge: Sexgierige Freier rufen sie an, stehen vor ihrer Tür. Bis sie ihn im September 2006 anzeigt. Und heute? "Ich habe sicher Fehler gemacht in dieser Beziehung", verwedelt Nef. Einer Beziehung, die "exakt bis Karfreitag 2005 dauerte", schummelt er. "Dafür musste ich büssen und Wiedergutmachung zahlen."

Seine Ex habe eine Entschuldigung akzeptiert, eine Desinteresse-Erklärung unterzeichnet. Das Verfahren wurde eingestellt. "Ich wurde also nie angeklagt. So gelte ich gemäss Menschenrechtserklärung und Verfassung als unschuldig." Tatsächlich? "Es gilt die Unschuldsvermutung", bestätigt Strafrechts-Professor Franz Riklin. "Aber es kam ja eben nicht zum Prozess, weil er selber Wiedergutmachung leistete." Das Einstellungsverfahren nach Artikel 53 des Strafgesetzbuchs geht aber nur bei geständigen Beschuldigten: "Man muss sich zwar nicht für juristisch schuldig bekennen", erklärt Riklin, "aber die Fakten anerkennen." Heute jammert Nef also, er habe sich nicht vor Gericht verteidigen können. Aber daran ist er selbst schuld. Riklin: "Hätte er alles bestritten, hätte der Staatsanwalt das Verfahren weitergeführt." Warum bestritt Nef das Protokoll wohl nicht?

Jetzt strotzt Nef wieder von Selbstbewusstsein. Das psychiatrische Gutachten, das die Staatsanwaltschaft 2006 von ihm erstellen liess, findet er "Chabis": "Ich bin völlig gesund und biete an, mich jederzeit neu begutachten zu lassen." Da könnte er sich wundern. Der Luzerner Psychiater Andreas Frei macht schon mal eine Ferndiagnose: "Herr Nef hat ganz klar narzisstische Persönlichkeitszüge." Dazu zählen: erhöhte Kränkbarkeit und Uneinsichtigkeit. "Narzissten scheitern meist irgendwann im Leben, beruflich wie privat", sagt Frei. "Bei Roland Nef kam es relativ spät."


Nachtrag vom 6. Februar: Aus dem Tagesanzeiger fom 6. Februar:

Der frühere Militärchef schweigt zur Höhe der Wiedergutmachung, die er an seine einstige Partnerin zahlen musste. Die Zeitung "Sonntag" nennt jetzt den angeblichen Betrag.

Roland Nef Schweigt zum Vergleich mit seiner Ex-Freundin: Laut Informationen der Zeitung "Sonntag", die sich auf Behördenkreise beruft, handelte es sich um 50'000 Franken.

In "Talk Täglich" von Tele Züri von letzter Woche wollte Nef dazu noch keine Stellung nehmen und erklärte lediglich, die Wiedergutmachung habe seine Familie "in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt".

In Anbetracht dessen, was er nach seinem Abgang bekommen hat, sind die 50'000 Franken aber nur ein Bruchteil davon. Nach seiner Rücktrittsankündigung im Juli 2008 erhielt er noch gut 420'000 Franken bis zu seinem Amtsaustritt vor einem Jahr, wie das Blatt vorrechnet. Die Summe setzte sich aus einer Lohnfortzahlung von 150'000 Franken für die verbliebenen sechs Monate sowie einer Abgangsentschädigung von 275'000 Franken zusammen. Zudem hat er seit März 2009 Anspruch auf Arbeitslosengeld. Nef musste seinen Posten als Armeechef räumen, weil er seine Ex-Freundin massiv bedrängt hatte.
Ohne sein Interview wäre es nicht zu diesem Beitrag gekommen.




Nachtrag vom 8. Februar 2010: auch der "Blick" Beitrag verstärkt und bestätigt, den Eindruck, dass Nefs TV- Auftritt zum Bumerang geworden ist:

Bei seinem Fernsehauftritt vergangene Woche jammerte Roland Nef (50), dass seine Familie unter der Wiedergutmachung leide, die er an seine Ex-Partnerin zahlte. "Ich habe kein grosses Bankkonto. Meine Familie ist heute in ihrer Handlungsfähigkeit massiv eingeschränkt." 50'000 Franken soll der Ex-Armeechef seiner Ex-Freundin laut der Zeitung "Sonntag" gezahlt haben. Damit das Verfahren gegen ihn eingestellt wird. Ein Verfahren, das für den hohen Militär höchst peinlich war. So soll Nef zwischen 2005 und 2006 Dutzende Sexinserate geschaltet und beantwortet haben - mit dem vollen Namen und der Wohnadresse seiner -Ex-Freundin. Zudem hat er laut Polizeiprotokoll die Musikerin mit SMS, Telefon und Postsendungen monatelang terrorisiert. Nef hat die Stalking-Vorwürfe auch in seinem TeleZüri-Auftritt vom vergangenen Montag nicht dementiert. Trotzdem sieht er sich als Opfer und klagt, dass seine neue Familie jetzt finanziell zu leiden habe. Dabei verdiente Nef als Armeechef rund 330'000 Franken im Jahr. Nicht zu vergessen: Nef erhielt nach seinem Abgang noch ein halbes Jahr den vollen Lohn sowie eine Abgangsentschädigung von 275'000 Franken. Als Arbeitloser erhält Nef bis zu 20'000 Franken im Monat. Seit März 2009 hat Roland Nef Anspruch auf Arbeitslosen-geld. Als Ex-Angehöriger der höchsten Bundes-Lohnklasse 38 erhält er also weiterhin bis zu 20000 Franken - pro Monat. Und auch vor seiner Ernennung zum Armeechef war er kein Kleinverdiener: Bereits als Kommandant Lehrverband Panzer/Artillerie gehörte er zu den Bestbezahlten der Schweizer Armee, mit einem Jahreslohn von über 180'000 Franken. Verschiedene Anwälte bezeichneten Nefs "Wiedergutmachung" gegenüber BLICK als eher tief, "sollten die Vorwürfe tatsächlich stimmen". "Mangels Aktenkenntnissen" will sich keiner öffentlich zum Fall Nef äussern. Auch Nefs Ex schweigt - dafür hat sie ja die 50#000 Franken erhalten. Geld, das wohl nur -einen Teil des monatelangen Terrors aufwiegt. "Gerade beim Stalking werden die finanziellen Folgen fürs Opfer unterschätzt", sagt die Zürcher Anwältin und Co-Leiterin der Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt, Cornelia Kranich Schneiter. "Neben der extremen psychischen Belastung entsteht dem Opfer ein manchmal hoher Schaden, z.B. bei Einkommensausfall, Wohnortswechsel oder Psychotherapie. Das summiert sich."


Nachtrag vom 9. Februar, 2010: Nef wird Sicherheitsberater.

Roland Nef wird künftig für die Firma Swisssec als Sicherheitsberater tätig sein. Segmüller ist Verwaltungsratspräsident des Unternehmens. Der Ex-Armeechef werde auf Mandatsbasis arbeiten, bestätigte Segmüller am Dienstag einen Bericht der Zeitung "Blick". Er kenne Nef aus dem Militär und habe ihn immer geschätzt. Nef könne differenzierte Lagebeurteilungen vornehmen und analytisch denken.



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