Rhetorik.ch

Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com
Aktuell Artikel Artikel Inhaltsverzeichnis Suche in Rhetorik.ch:

www.rhetorik.ch aktuell: (07. Mai, 2009)

Zur Kommunikationsstrategie des Bundesrates

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:


"20 Minuten" erkundigte sich zum geschickten Propagandaschachzug von Ahmadineschad. Das Finanzdepartement wolle sich zu dieser Geschichte nicht äussern. Meine Antwort war, dass man bei zahlreichen Analysen feststellen konnte, dass beim Bundesrat die Kommunikationsstrategie, das Kommunikationsmanagement und das Botschaftenmanagement zu wünschen übrig lasse:
Seit Jahren zeigt sich, dass es beim Bundesrat hinsichtlich interner und externer Kommunikationsmanagement Probleme gibt. Die Exekutive kann nach internen Auseinandersetzungen oft nicht mit einer Stimme kommunizieren. Die Bevölkerung erhält dann den Eindruck, dass die Einzelkämpfer im Rat dominieren. Bei der externen Kommunikation wird immer wieder ins Fettnäpfchen getreten: PR Debakel mit Fotos von Micheline Calmy-Ray im Iran mit Kopftuch, oder der lachende Handschlag von Hans-Rudolv Merz mit Ahmadinedschad zeigen, dass öffentliche Diplomatie Grenzen hat. Heikle Verhandlungen finden in der Regel im Hintergrund statt.

In beiden Fällen war die Entschuldigung, es handle sich nicht um offizielle Aufnahmen. Sowohl bei der Aussenministerin: "Ich habe hinten etwas gehört, habe mich gedreht und einer Person zugelacht und in diesem Moment wurde geknipst." als auch bei Merz, wie der Weltwoche Artikel aufzeigt.

Es stellt sich die Frage, weshalb Bundesräte persönlich Vermittlungsgespräche führen müssen. Es hätte genügend kompetente Verhandlungspartner gehabt, die im Namen des Bundesrates die Gespräche hätten führen können. Auch mit unliebsamen Partnern können Gespräche hilfreich sein. Dialoge dürfen in der Regel nicht ausgeschlagen werden.

In beiden Fällen sind aber die Bundesräte vom cleveren Staatschef und raffinierten Taktiker über den Tisch gezogen worden. Ahmadinedschad, der Israel aus der Landkarte tilgen möchte - und sich um internationale Spielregeln foutiert, wird durch Gespräche mit Schweizer Bundesräten kaum bekehrt werden können. Es war vorhersehbar, dass Ahmadinedschad die Treffen für Propagandazwecke missbrauchen wird.


Der "Blick":

"Merz hat nicht gemerkt, wie Ahmadineschad ihn für seine Zwecke ausgenutzt hat", sagt Kommunikationsexperte Marcus Knill. "Er realisiert nicht, dass man gewisse Gesprächspartner nicht mittels Dialog bekehren kann." Merz leide unter verhängnisvoller Gutmütigkeit.





Rhetorik.ch 1998-2011 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com