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www.rhetorik.ch aktuell: (12. Nov, 2007)

Tips der Klatschtante Kessler an Prominente

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Katja Kessler
In der NZZ am Sonntag vom 11. November 07 gibt Katja Kessler, die Klaschkolumnistin der grössten Boulevardzeitung Europas "BILD", ein lesenswertes Interview, das vor allem Politiker, Spitzensportler und Promis zu denken geben sollte.

Kessler hat recht, wenn sie findet, dass "Prominent sein" das Ego mästet und sich die Prominenten bewusst bleiben sollten, was für Folgen der unbedachte Umgang mit Medien haben kann. NZZ Journalistin Susanne Heim interviewte die studierte Zahnärztin Kessler:


Heim: Woran kranken viele Prominente? Kessler: An der Bauchnabel-Zentriertheit. Prominentsein mästet das Ego. Es wird sehr schnell gross und aufgebläht und will permanent gefüttert werden. Das macht den Umgang mit Stars so anstrengend. Dabei sind viele, würde ich sagen, nicht glücklich.
Heim: Es gab noch nie so viele Klatsch-Publikationen wie heute. Bestätigen Sie das? Kessler: Ja klar. Boulevard ist eben ansteckend und unheilbar ....
Heim: Was ist der Unterschied zwischen den Prominenten in Europa und den Prominenten in den USA? Kessler: Die deutschen Promis - ich kann nur sie beurteilen - sind Beamte. Bei denen herrscht die Meinung. "Steh ich nicht vor der Kamera, bin ich nicht im Dienst." Amerikanische Stars wissen hingegen genau, was sie dem Publikum schuldig sind. Erst das Publikum macht einen zum Star. Für die Privilegien und das viele Geld muss man bezahlen: mit sich selbst. Wenn ein Star jammert, er könne nie privat sein, so ist dies ein Stück weit schizophren. Auch ein Arzt kann nicht privat an einem Verletzten vorbei gehen du sagen. Ich habe jetzt Feierabend. Er hat auch (wie die Promis) einen 24 Stunden Job.
Heim: Auch Politiker nutzen den Boulevard- mit unberechenbaren Folgen. Kessler: ... Boulevard ist für Politiker eine der besten Möglichkeiten, wahrgenommen zu werden. Auch mit Folgen, die ihm nicht passen. Man kann sein Parteiprogramm studieren. Aber verrät das, wie ein Politiker tickt? Wenn ich aber lese, dass ein verheirateter deutscher Minister seit vier Jahren eine Geliebte mit einem Kind hat, die er vor der Ehefrau versteckt, frage ich mich doch: Schlägt er auch im politischen Leben wie ein Häschen einen Haken?


Kommentar: Prominente Politiker, Persönlichkeiten oder Spitzensportler müssen wissen, was die Medienpräsenz für Vorteile aber auch für Gefahren mit sich bringt. Katja Kessler kennt das Verhalten der Prominenten.
  1. Für sie besteht die Gefahr, mediengeil zu werden. Man kann plötzlich nicht mehr Nein sagen. Ein Beispiel ist Kurt Felix, der vor Mikrofon und Kamera keine Grenzen mehr kennt. Obschon er bei seinem Rücktritt bekannt gegeben hatte, er und seine Frau werde sich von den Medien zurückziehen. Der Virus Mediengeilheit macht blind, wenn er die Persönlichkeit infiziert hat.
  2. Prominent sein ist ein 24 Stunden Job. Der Prominente muss sich stets bewusst sein, dass er eine Person der Oeffentlichkeit ist und nicht tun und lassen kann, wie er will. Wenn ein Promi wenigsten noch seine Privatsphäre wahren will, so muss er dafür kämpfen und lernen, Nein zu sagen. Trotz aller Versuchungen und Druckmittel der Medien sollte er keine Kamera ins Schlafzimmer hinein lassen. Denn wer hier nachgibt, kann später nicht mehr zurück.


Prominente Personen müssten somit lernen, mit den Medien umzugehen und wissen, wie Boulevardjournalisten ticken. Dies ist in einem Tag lernbar.



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