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www.rhetorik.ch aktuell: (16. Sep, 2007)

Das Blocher TV

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:


Hier hat alles begonnen vor über 60 Jahren: Am Rheinfall
Erste Frage: Turbulente Woche für Sie. Sie sind im Mittelpunkt von einem Skandal: Wie fühlen Sie sich?
Wie ist denn das Klima jetzt im Bundesrat?
Dass eine Partei den Wahlkampf multimedial im Internet austrägt, ist nicht neu. Dass es gleichsam wöchentlich zu einem Blocher- Fernsehen kommt ist ungewöhnlich. Wöchentlich gibt es auf Teleblocher.ch per Video ein neues Interview. Inhalt der ersten Sendung direkt aus Herrliberg: Der "Geheimplan" gegen den SVP-Bundesrat.

Nicht nur auf teleblocher.ch ist die SVP-Sendung zu sehen. Das Interview ist jeweils auch auf dasblocherprinzip.ch zu finden, wie der "SonntagsBlick" berichtet. "Moderiert" wird die Sendung von Blocher-Biograph Matthias Ackeret, wobei sich die Moderation darauf beschränkt. Christoph Blocher kurze Fragen zu stellen. Matthias Ackeret ist der Autor des Bestsellers "Das Blocher Prinzip".


Deutlicher als bei seinen bisherigen Auftritten kritisiert der Justizminister den Bundesrat. Die Regierung habe so getan, als müsse man ihm das Heft aus den Händen nehmen, sagte Blocher. Seine Gegner hätten ihm ein strafbares Komplott anhängen wollen, um ihn aus dem Bundesrat zu drängen und politisch elegant zu erledigen.



Die Sendung soll mindestens bis am 12. Dezember 2007 beibehalten werden. An diesem Datum werden vom Parlament die Bundesräte bestätigt oder abgewählt. Es muss noch erwähnt werden dass die Interviews bis 12. Dezember nicht nur im Internet zu sehen sind: Die TV-Stationen M1 und das Schaffhauser Fernsehen zeigen sie am Sonntag, Tele Südostschweiz am Montag.


Der Bundesrat wurde über den neuen Informationskanal des Justizministers nicht informiert, wie Bundesratssprecher Oswald Sigg auf Anfrage sagte. Dies sei auch nicht nötig gewesen, sagte EJPD-Sprecher Livio Zanolari. Es gehe einfach um eine neue Form der Verbreitung eines Interviews, bei der die Möglichkeiten der modernen Technik genutzt würden. Dies stehe nicht im Widerspruch zur Informationspolitik der Regierung. Im Departement Blocher wird unter anderem an den Blog von Moritz Leuenberger erinnert.

SP Parteipräsident Hans-Jürg Fehr will prüfen lassen, ob diese Sendung nicht gegen die Bestimmungen des Radio und Fernsehgesetzes verstösst. Politische Werbung sei verboten. Der Moderator und Jurist Matthias Ackeret vertritt die Meinung, dass diese Interviews rechtens sind.

Im Ausland ist dieses Modell längst verbreitet: Angela Merkel etwa hat einen Video Blog.


Nachtrag vom 17. September 2007: Politische Werbung?

Es ist noch nicht klar ob es sich bei der Sendung um verbotene politische Werbung handelt. Ackeret bestritt dies am Sonntag gegenüber der "Tagesschau" von Schweizer Fernsehen:

"Wenn jede Äusserung eines Bundesrats als politische Werbung verstanden werde, hätten Demokratie und Meinungsäusserungsfreiheit keinen Sinn mehr".


Etwas anders sieht dies Presserats-Präsident Peter Studer: Dass die Sendung zuerst auf politisch gefärbten Internet-Seiten zu sehen sei, sei ein Indiz für politische Werbung, sagte er gegenüber der "Tagesschau".

Ein weiteres Indiz sei, dass der Journalist sehr freundliche und offene Fragen stelle und nicht kritisch nachfrage. Damit finde kein echtes Interview statt. Der Interviewer ist nur Stichwortgeber.

Die Frage beschäftig auch das Bundesamt für Kommunikation BAKOM. Deren Sprecherin Caroline Sauser meinte im Radio DRS, es werde abgeklärt, ob es sich bei der Sendung um politische Werbung handle. Dies sei dann der Fall, wenn die Sendung einen politischen Inhalt habe und jemand für die Ausstrahlung bezahle. Keine Rolle spiele dabei, woher das Geld für die Produktion komme. Laut Sauser werden nun Unterlagen von den Sendern angefordert und die Sendung eingehend geprüft.

Kommentar: Auch wir werden die Interviews verfolgen. Es interessiert uns, ob bei den Interviews tatsächlich nicht nachfragt wird. Es würde uns auch interessieren, ob der interviewte Christoph Blocher etwas bezahlt und ob er die Stichworte bestimmen kann. Wir kennen Matthias Ackeret sonst als kritischen und harten Befrager.


Quellen:


Nachtrag vom 17. September 2007

Im Schaffhauser Lokalradio Radio Munot äussern sich der Veleger Norbert Neininger, Daniel Fischer der Präsident der SP Schaffhausen und Kommunikationsberater Marcus Knill.

Nachtrag vom 18. September 2007

SF-Chefredaktor Ueli Haldimann meinte in einem Blog dass die Sendung einseitig sei und dass Ackeret "ohne Einschränkung als Bewunderer von Christoph Blocher bezeichnet werden könne. Er ist sozusagen ein Blocher-Groupie". Statt Blocher kritisch zu interviewen, sei Ackeret bloss "Stichwortlieferant". "Billigstes Interview aller Zeiten". Nach "Heute" meint Ackeret:

"Erstens ist es peinlich, dass der SF-Chefredaktor nicht einmal meinen Namen schreiben kann", sagt Matthias Ackeret zu heute. "Matthias mit einem t und Ackeret ohne c." Zweitens ortet Ackeret Futterneid. "Intern hat Haldimann die Berichterstattung zur ganzen Blocher-Geschichte gelobt aber ich hatte das Interview!" Um sich den Blogeintrag zu erklären, gräbt Ackeret sogar die zehn Jahre alte "Zitat-Affäre" aus. Damals druckte die "SonntagsZeitung" ein falsches Blocher-Zitat in Zusammenhang mit den Holocaust-Geldern ab. Danach musste der damalige Chefedaktor der Zeitung - Ueli Haldimann - den Hut nehmen.

Die Frage zur Finanzierung der Sendung wird vom Bakom abgeklärt wird. Ackeret sieht kein Problem: "Ich bin nicht SVP." Die Sendung sei aufgrund des Bucherfolges zustande gekommen und würde nicht von Blocher gesponsert. "Dank der Ausstrahlung im Internent koste eine Folge inklusive Aufzeichnung nur 1000 Franken.


Nachtrag vom 20. September 2007: Norbert Neiningers Kommentar

Norbert Neiningers Kommentar im Tagesanzeiger vom 20. September ist lesenswert. Der Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten geht mit Peter Studer hart ins Gericht. Wir kennen Matthias Ackeret. Auch wir finden, dass es nicht angeht einem Journalisten Befangenheit zu unterstellen, der parteipolitisch unabhängig ist und Dialoge so versteht, dass das Gegenüber zum Reden gebracht werden muss und die Arbeit den Journalisten nicht darin besteht, das Gegenüber laufend zu unterbrechen. Matthias Ackeret ist einer jener Profis, die nicht ständig das Bedürfnis haben, die eigenen Meinung, das eigene Wissen zum Besten zu geben. Wenn die Herren Stöhlker und Gilli den Journalisten verurteilen, bevor Sie mehrere Sendungen gesehen haben, so gibt uns das zu denken. Vielleicht hat Ackeret recht: Könnte bei diesen Überreaktionen nicht Neid und Missgunst im Spiel sein?





Nachtrag vom 23. September 2007: NZZ und AZ Kommentare zum Medienwirbel

Mit den Blocher Interviews löste Matthias Ackeret einen schweizweiten Medienwirbel aus. Der Entrüstungssturm drehte sich unter anderem um die Art und Weise, wie Matthias Ackeret den Bundesrat befragt hatte. Zahlreiche Hellseher wussten bereits nach der ersten Sendung, dass Matthias Ackeret das Gegenüber schonen wird, dass er zu brav fragt und als nützlicher Idiot den Anwalt Blochers mimt. Für uns ist Ackeret stets ein hervorragender Journalist gewesen, der das Gegenüber ohne Mätzchen zum Reden bringen kann. Er ist als Anwalt des Publikums. Dank seiner offenen Fragetechnik konnte er komplexe Sachverhalte klären. Er ist fähig, je nach Situation echte Dialoge so zu führen, sei es mit langer Leine - unter Umständen mit überraschendem, konsequentem Nachfragen, ohne den roten Faden eines Gespräches zu verlieren. Vielen Interviewer sind im Gegensatz zu Ackeret schlechte Zuhörer. Er hat ist mit seiner einnehmender Art zu aussergewöhnlichen Interviews gekommen. Alle kennen das Colombo Phänomen. (Die Befragen nehmen im Krimi den "braven" Kommissar Colombo nicht ganz ernst, weil er seine Fragen angeblich nur beiläufig und unverbindlich stellt). Letztlich sagen dann die Interviewten doch nachträglich mehr als sie sagen wollten. So gelang es Matthias Ackeret bereits als Kantonsschüler, einer bekannten Sektenfrau, (die sich im im Schwarzwald von den Medien absetzte) ein Interview zu entlocken. Er fuhr bescheiden mit dem Fahrrad bei ihr vor und kam mit ihr ins Gespräch . Sie erzählte ihn dann Dinge, die sie gar nicht sagen wollte. Alle andern Medien - auch das Schweizer Fernsehen - wurden damals abgeblockt und hatten keinen Zugang zu ihr. Matthias Ackeret brillierte dann mit einem Exklusivinterview. Es war auch Matthias Ackeret, der als Journalist das Vertrauen von Adolf Ogi gewann und ihn bei der Chinareise ständig begleiten durfte. (Es resultierte dann daraus ein Film). Ackeret gelang es ebenfalls - dank seine umgängliche Art - Gerhard Schröder zu einem Gespräch im Pedalo auf dem Zürichsee zu bewegen. Es kam zum legendären Interview. Wer Ackeret unterstellt, er sei zu brav, kennt die Interviewtechnik des erfahrenen Radio, Fernseh- und Printjournalisten nicht. Den promovierten Juristen Matthias Ackeret habe ich in unzähligen Interviews erlebt, bei denen er mit seiner offenen freundlichen Art mehr erfahren hatte als jene Kläffer, die als Interviewer in erste Linie unterbrechen, irritieren, destabilisieren wollen, um ihr Ziel zu erreichen und dabei oft selbst mehr reden als das Gegenüber - so wie wir es bei Frank A. Meyer und Co. schon oft erlebt haben. Warten wir die Sendungen ab und sehen, ob Matthias Ackeret nicht Blocher dazu gebracht hat, Aussagen zu machen, die man sonst nie von ihm erhalten hätte.


Nachtrag vom 26. Oktober 2007 Keine Sponsorengelder geflossen

Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) eröffnet kein Aufsichtsverfahren wegen "Blocher-TV". Die Vermutung, für diese politischen Sendungen seien unzulässigerweise Sponsorengelder geflossen, habe sich nicht bestätigt.

Weil Medienberichte Vertreter des Schaffhauser Fernsehens mit der Aussage zitiert hatten, die Sendereihe sei mit Hilfe von Sponsoren drittfinanziert worden, war das BAKOM als Aufsichtsorgan auf den Plan gerufen worden. Das Radio- und Fernsehgesetz verbietet das Sponsoring von Sendungen zum politischen Zeitgeschehen.

Das BAKOM verlangte bei allen betroffenen Lokalfernsehveranstaltern Auskunft über die Finanzierung der Sendereihe. Dabei habe sich die Vermutung einer Drittfinanzierung nicht erhärtet. Auf die Eröffnung eines Aufsichtsverfahrens werde deshalb verzichtet.

(Quelle: persoenlich.com)

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