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www.rhetorik.ch aktuell: (15. Sep, 2007)

Nationalratswerbung mit Unterwäsche

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:


Die Schweizer Nationalratskandidatin Mirjiam Arnold, Tochter von CVP Parteipräsident des Kantons Zürich ist eine der 7 Nationalratskandidaten, die von der "Migros" eingeladen worden sind per Unterwäschewerbung auch Werbung für ihre Person zu machen. 41 Nationalratskandidaten hatten sich beworben.




Trotz anzüglicher Emailbelästigungen beurteilt Arnold die Sache positiv:

"Ich habe meinen Werbeeffekt bekommen".


Ihr Vater der 19 jährigen hielt gegenüber 20minuten.ch fest, dass er seiner Tochter "keinen Strick wegen ihrer ungewöhnlichen Wahlkampfmethode zieht".

"Ich habe aber grundsätzlich Mühe mit dieser Politkultur. Es geht immer mehr um Tricks und Gags. Die Sachthemen bleiben dabei auf der Strecke."


Dass seine Tochter in Unterwäsche zu sehen ist, nimmt der CVP-Politiker gelassen:

Meine Tochter ist auf jeden Fall sehr attraktiv. Das ist doch ein Gewinn für den Wahlkampf.


Für die Schweizer Politologin Regula Stämpfli ist die Sache bedenklich:

Biologische Kriterien sind nie ein Politikprogramm - das sollten eigentlich alle wissen, die kandidieren und Demokratie noch buchstabieren können.


Was sind die Gründe? Die Kandidaten haben wurden im "10 vor 10" Beitrag befragt:
  • Der CVP Kandidat und Unternehmer Fritz Weibel: "Ich habe nichts zu verbergen. Ich bin bei der Partei der Mitte. Im Mittelpunkt ist der Mensch und ich denke, man darf den Menschen auch zeigen."
  • Die Grüne Nationalratskandidatin Yloande Peisl: "Gesellschaft und Politik gehören zusammen." Lieber Werbung mit Unterwäsche als Werbung mit Schafen."
  • Die CVP Kandidatin Mirjiam Arnold: "Es ist Gratiswerbung. Ich habe keine Möglichkeiten, viel zu investieren. So hab ich die Möglichkeit bekommen. Man kann die Menschen so sehen wie sie sind."
Quellen:
  • 20 minuten
  • 10 vor 10 Beitrag vom 12. September, 2007


Nachtrag vom 9. Oktober: Wäschemodellreklame ist angelaufen.

Die Politologin Regula Stämpfli meint dazu:

"Rein rechtlich gesehen sind solche Aktionen kein Problem. Politisch gesehen sind solche Klamaukaktionen verwerflich. Weshalb? Da verkaufen Möchtegern-Politisierende ihre Körper statt ihre Programme. Demokratietheoretisch heisst das, sie bauen auf Identität statt auf Repräsentativität. Das ist eine völlige Umkehr demokratischer Prinzipien und erinnert an die Gnade der Geburt in feudalistischen Systemen. Dass alle gewählten Politikerinnen und Politiker abgelehnt haben, spricht aber für die Qualität unserer gewählten Politisierenden. Die wissen, wie gefährlich es ist, Körper und Idee in einer Demokratie zu verbildlichen.

Die Migros wählt eben Models und keine Politiker. Demokratie ist aber keine Frage des Aussehens, sondern des Aushandelns. Klar ist die Aktion der Migros völlig fehl am Platz - in jeder Hinsicht. Aber die Aktion der Migros ist selbstverständlich sprechend für eine Zeit, die völlig losgelöst von Vernunft funktioniert."




Quellen:


Nachtrag vom 23. Oktober

Die Aktion für die Nationalratskandidatinnen die Posen nicht ausbezahlt. Keine der für die Migros-Unterwäsche werbenden Kandidatinnen und Kandidaten wurden gewählt. Für die Kampagne waren per Mail vor einigen Wochen Kandidatinnen und Kandidaten gesucht worden. 41 wollten bei der Kampagne mitmachen, sieben wurden ausgewählt.

Nur knapp 1500 Stimmen machte Silvio Pasquale (SVP/SO). Sein Parteikollege und Nationalrat Roland Borer, der nicht für Unterwäsche warb, hatte als bestplatzierter immerhin 26509 Stimmen erzielt.

Wir vertraten immer die Meinung, dass eine Politikerin mit politischen Botschaften werben müsste. Seit Jahren rieten wir stet davon ab, sich (bei Medien) für Homestorys oder Gags zur Verfügung zu stellen.

Dieses Beispiel zeigt, dass es nicht notwenig ist, an derartigen negativen Erfahrungen zu lernen. Das Resultat lag in der Luft.

Die Unterwäscheaktion hat nur jemandem genützt- nämlich der Migros.



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