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www.rhetorik.ch aktuell: (29. Aug, 2007)

Zur Krisenkommunikation in Griechenland

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Griechenland erlebte in diesen Tagen eine der grössten Brandkatastrophen. Ohne fremde Hilfe hätten die unzähligen Flächenfeuer nicht bekämpft werden können. Auf Satellitenbildern sind die enormen Rauchsäulen gut zu sehen. Griechenland ist im Ausnahmezustand. Selbst die Schweizer Luftwaffe ist mit Superpumas in Einsatz. Die Katastrophe war eindeutig vorhersehbar. Es hatte wochenlang nicht geregnet und es herrschte eine tropische Hitze. In Spanien Portugal und in Griechenland werden jedes Jahr bewusst Feuer gelegt, um zu Bauland zu kommen. Die Regierung verpasste es, sich auf allfällige Feuersbrünste vorzubereiten.


Die verheerenden Brände in Griechenland werden nun drei Wochen vor den Parlamentswahlen immer mehr zu einem politischen Problem für die konservative Regierung. Angesichts der grössten Brandkatastrophe in der neueren Geschichte Griechenlands werfen immer mehr Stimmen dem Kabinett von Regierungschef Karamanlis vor, versagt zu haben. Nun enttäuscht die Regierung auch in der Krisenkommunikation: In Bedrängnis geraten, versucht sie jetzt, Terroristen für die Lage verantwortlich zu machen. Damit kommt die Regierung nur noch mehr in Bedrängnis. Die Regierung hat im Krisenmanagement eindeutig versagt:

  1. Sie hätte während der Bruthitze Flugzeuge und Feuerwehren in Alarmbereitschaft stellen müssen. Wasserleitungen, Wasserdepots usw. hätten vorbereitet werden können. Schneisen hätten errichtet werden können usw.
  2. Man hätte sogar ein Gesetz verabschieden können, das künftig das Bauen in Naturschutzgebieten oder abgebrannten Waldgebieten nicht mehr erlaubt. So hätte man den Anreiz zum Feuerlegen reduzieren können. Viele Brände sind nämlich gezielt gelegt worden.


Krisen meistern beginnt beim Antizipieren. Es ist eine alte Weisheit:

Gouverner, c'est prévoir.


Nachtrag vom 31. August, 2007: Domonstrationen in Griechenland

Die Teilnehmer der Demonstrationen unter dem Motto "Stummer Zorn - ohrenbetäubendes Schweigen" warfen den Regierungen der vergangenen 50 Jahre vor, das Problem der Bodenspekulation und der Brandstiftung nicht bekämpft zu haben. "Unsere Geduld ist am Ende. Das Mass ist voll", war auf einem schwarzen Transparent in Thessaloniki zu lesen. Auch viele Demonstranten trugen Schwarz. Nichtstaatliche Organisationen und Bürger hatten die Demonstration organisiert. Weil die Behörden immer wieder Bauprojekte auf abgebrannten Waldflächen bewilligt haben, liegen Brandstiftungen oft im Interesse von Investoren. Jetzt wächst der Druck auf Ministerpräsident Kostas Karamanlis, der im kommenden Monat wiedergewählt werden will. Sowohl seine Partei als auch die oppositionelle sozialistische Pasok haben seit Ausbruch der Feuer an Unterstützung verloren. Vor kurzem hatte Karamanlis Wahlen für den 16. September angesetzt. Quelle: 20 Minuten.





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