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www.rhetorik.ch aktuell: (02. Mai, 2007)

Eine Zahl wird berühmt

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
09 f9 11 02 9d 74 e3 5b d8 41 56 c5 63 56 88 c0 In den neuen DVD Formate HD-DVD und Blueray DVD sind die Daten verschlüsselt gespeichert. Durch die Verschlüsselung will man verhindern, dass die DVD's kopiert oder weiterverarbeitet werden.

Im gängigen DVD Format wurde die Verschlüsselung schon lange geknackt. Auch die Schlüssel der neuen und vermeindlich viel sicheren Verschlüsselungsformate wurden innert kürzester Zeit gefunden. Mit dem Schlüssel kann man die meisten im Handel erhältlichen HD-DVD's (theoretisch zumindest) kopieren.


Der Versuch der Anwälte, die Verbreitung der Zahl mit Warnbriefen zu verhindern, hat sich als katastrophaler Schuss nach hinten herausgestellt. Die Verbreitung der Zahl ist explodiert. Es gibt T-Shirts, Gedichte, Songs, Webseiten die die Zahl als Namen haben. Auch die etablierten Medien mussten sich der Geschichte annehmen. Die "New York Times" etwa titelte:

"Wie eine Zahl zum Internetstar wurde."


Der Inquirer titelte

"09 f9 11 02 9d 74 e3 5b d8 41 56 c5 63 56 88 c0 ist die Zahl die man verbieten wollte."


In einem Beitrag mit dem Titel "HD-DVD Schlüssel Fiasko als Beispiel einer 'Digitalen Revolte im 21. Jahrhundert'" wurde der Schauspieler und Cabaretist Joe Rogan zitiert:

"Man kann doch Information im Netz nicht mehr zum Verschwinden bringen ... Das ist wie wenn man Gepinkeltes aus dem Schimmbad entfernen wollte."


Interessanterweise hatte sogar ein Warnbrief an Google die Zahl. Die Ironie könnte ist kaum zu überbieten: Der Warnbrief zur Zensur wurde zum Vektor zur Weiterverbreitung der Zahl. Die Zahl war auch in einem BBC Fernsehbeitrag zu sehen. In google gibt eine Suche nach der Zahl schon über eine Million Hits Sehen sie selbst.
Alle Beiträge der Social News Seite Digg.com haben die "verbotene Zahl" zum Thema (Quelle: BBC). Nachdem die Betreiber der Webseite einen Warnbrief erhalten hatten, beschlossen sie, die Beiträge mit dem Thema "09 F9 11 02 9D 74 E3 5B D8 41 56 C5 63 56 88 C0" zu löschen. Die Leser haben reagiert und die Webseite mit Geschichten zum Thema überhäuft. Die Moderatoren mussten kapitulieren. Die Lawine war nicht mehr aufzuhalten. Digg hat übrigens durch diese Mediengeschichte ihre Leserschaft vervierfacht.


Nachtrag vom 6. Mai, 2007: Testfall für Web 2 Medien

Im San Francisco Chronicle meint der Web 2 Kritiker Andrew Keen, dass diese Geschichte ein Vorgeschmack dessen sei, was auf demokratische Medien zukomme. Soziale Medien müssten Gegenmassnahmen ergreifen, um den Inhalt vor "Anarchie" oder der Dominanz einer relativ kleinen Nutzergruppe zu schützen. Professionelle Mitarbeiter müssten Einfluss auf die Inhalte behalten.
Für Dianne Lynch hingegen, der Leiterin der Communications School am Ithaca College, ist die Geschichte ein für die Integrität und Dauerhaftigkeit sozialer Netze. Sobald die Betreiber solcher Seiten begännen, in die nutzergenerierten Inhalte einzugreifen, würden sie gegen ihre eigenen Prinzipien verstossen. Sie meint im "Computerworld" Magzin: "Die soziale Gemeinde hat gewonnen".
Der Betreiber des Blogs TechCrunch Michael Arrington meint, die Bezeichnung "Nutzer-Revolte" eine Untertreibung. Die Digg.com Betreiber hätten die Macht ihrer Nutzer, zu bestimmen, was eine "Nachricht" sei, nicht vollends vergegenwärtigt.
Ein Anwalt der Organisation "EEF",die für elektronische Bürgerrechte kämpft, meinte: "Es ist ein perfektes Beispiel, wo der Eingriff von Anwälten eine kleine Sache zu einer grossen Geschichte gemacht hat. Nachdem die Mahnbriefe herumgeschickt worden sind, wurde die Zahl zu einer Berühmtheit, deren Ruhm nun für alle Zeiten gesichert sein wird." Quelle: NYT.
Digg.com hat bereits angekündigt, in Zukunft solche Beiträge nicht mehr zu löschen, weil die Nutzer den Dienst offenbar lieber "kämpfend untergehen sehen, als sich mit Zensur abzufinden".

Quelle: Heise.de



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